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Hybridheizung – nachhaltiger und intelligent heizen

Etwa die Hälfte aller Heizsysteme in Deutschland werden mit Gas betrieben. Angesichts rapide steigender Gaspreise und begrenzter Ressourcen denken immer mehr Immobilienbesitzer:innen über eine Umrüstung ihrer Heizungsanlage nach. Doch welche Hybridheizung lohnt sich bei welchem Haus?  

Welche Hybridheizungen gibt es?

Hybridheizungen vereinen die Vorteile mehrerer Heiztechniken miteinander. Unter den vielfältigen Kombinationen sind allerdings nur wenige wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Meist wird ein fossiler Brennstoff, wie Holz, Öl oder Gas, mit einer regenerativen Heiztechnik, wie Wärmepumpe oder Solarthermie, ergänzt. Es gibt aber auch Hybridheizungen, die ausschließlich regenerative Energieträger nutzen (EE-Hybrid). Die ideale Lösung hängt vom Dämmzustand der Immobilie ab.

Vor- und Nachteile einer Hybridheizung

Hybridheizungen sind der ideale Übergang zur umweltfreundlichen Heiztechnik der Zukunft. Die Vorteile überwiegen die Nachteile bei weitem.

Vorteile

  • umweltfreundlich, da fossile Energieträger nur genutzt werden, wenn die regenerative Energie nicht ausreicht
  • geringere Betriebskosten
  • mehr Unabhängigkeit bei der Wärmeversorgung
  • System lässt sich erweitern
  • Förderprogramme für den Einbau von Techniken mit erneuerbaren Energien

Nachteile

  • komplette Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern ist nur schwer erreichbar
  • höhere Kosten für Anschaffung und Installation
  • mehr Fehlerquellen durch komplexe Installation
  • erhöhter Platzbedarf
  • Nicht jede Kombination ist für jedes Haus geeignet

Gas-Hybridheizungen im Überblick

Gas-Hybridheizungen sind nach wie vor sehr beliebt, da die Gasheizungskomponente preiswert in der Anschaffung ist. Bei der Planung einer Gas-Hybridheizung sollte man jedoch beachten, dass ab 2024 nur noch mit Biogas geheizt werden darf. Außerdem müssen neu eingebaute Gas-Hybridheizungen ab diesem Zeitpunkt zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Gas-Hybridheizungen mit Wärmepumpe

Gas-Hybridheizungen mit Wärmepumpe bieten die höchste Flexibilität für Niedrigenergiehäuser. Sie können sowohl möglichst wirtschaftlich (geringe Kosten) als auch möglichst umweltfreundlich (wenig CO₂-Ausstoß) eingestellt werden. Eine Gas-Hybridheizung lässt sich mit verschiedenen Wärmepumpen kombinieren:

Gas-Hybridheizung mit Luft-Wasser-Wärmepumpe

Die günstigste Lösung ist eine Gas-Hybridheizung mit Luft-Wärmepumpe. Sie gewinnt die Wärme direkt aus der Umgebungsluft und trägt bereits im Frühjahr und auch im Herbst noch zur Wärmeversorgung des Hauses bei. Im Sommer bleibt die Gastherme dann aus. Die kleine Schwester der Luft-Wasser-Wärmepumpe ist die Brauchwasserwärmepumpe. Wie der Name schon sagt, erzeugt sie lediglich Wärme für das Warmwassersystem.

Wärmepumpe an Hauswand

Erdwärmepumpe im Heizungsraum

Gas-Hybridheizung mit Sole-Wasser-Wärmepumpe

Eine besonders umweltfreundliche Heizung ist die Sole-Wasser-Wärmepumpe (Geothermie). Sie ist zwar aufwändiger zu installieren, aber sehr effizient, denn sie nutzt einfach die Bodenwärme. Wenn das Grundstück neu angelegt wird, können großflächige Erdkollektoren zum Einsatz kommen. Weniger Platz verbrauchen Erdsonden, hier wird einfach in die Tiefe gebohrt. 

Alternativ zur Bodenwärme kann bei einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe auch die Wärme des Grundwassers genutzt werden, wenn die Voraussetzungen stimmen. In beiden Fällen lohnt es sich, bei der unteren Wasserbehörde nachzufragen.

Wer eine Gas-Hybridheizung mit Wärmepumpe im Altbau nachrüstet, sollte daran denken, dass die Wärmepumpe in schlecht gedämmten Gebäuden mehr Strom verbraucht. Ideal wäre hier eine Kombination mit einer Photovoltaikanlage, um den Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen.

Gas oder Öl und Solarthermie

In schlecht gedämmten Altbauten können Solarthermieanlagen die vorhandene Gasheizung entlasten. Auch Ölheizungen lassen sich mit erneuerbaren Energien aufwerten, aber die Umweltverträglichkeit bleibt suboptimal.

Achtung: Voraussichtlich ab 2024 dürfen auch Ölheizungen nur noch als Hybridheizung eingebaut werden. Der Anteil erneuerbarer Energien muss mindestens 65 Prozent betragen.

Renewable Ready: Schrittweise Modernisierung

Eine gute Zwischenlösung auf dem Weg zur klimafreundlicheren Heiztechnik ist der Einbau einer modernen Gasbrennwertheizung, die sich nachträglich mit erneuerbaren Energien kombinieren lässt (Renewable Ready).

Wenn die Solarthermie mit Pufferspeicher beispielsweise erst später nachgerüstet wird, kann die Investition über mehrere Jahre verteilt werden. Allerdings werden Renewable-Ready-Lösungen seit August 2022 nicht mehr vom Staat gefördert. Bereits zu Beginn sollte feststehen, wie viele und welche Komponenten im Laufe der Zeit verbaut werden sollen. Diese Planung ist wichtig, um die Größe des Pufferspeichers zu bestimmen.

Hackschnitzel in den Händen

Die günstigste und die teuerste Gas-Hybridheizung

Die günstigste Kombination für eine Hybridheizung ist Gas mit Solarthermie. Im Sommer können die Sonnenkollektoren das Haus oftmals komplett mit Warmwasser und Wärme versorgen. Nur im Winter benötigt das System Unterstützung durch die Gasheizung. Experten beziffern die Heizkostenersparnis auf zehn bis 30 Prozent. Die Gas-Hybridheizung mit Solarthermie ist sowohl für Neubauten als auch für Bestandsgebäude gut geeignet. 

Die teuerste Kombination ist eine Gas-Hybridheizung mit Biomasse. Dabei können sowohl eine Pellet- oder Hackschnitzelheizung, ein Pelletofen mit Wassertasche als auch ein emissionsarmer Scheitholzvergaserkessel zum Einsatz kommen.

Weitere Arten von Hybridheizungen

Wärmepumpe und Holzofen

Mit einem Holzofen können Lastspitzen von Wärmepumpen im Winter aufgefangen werden. Dadurch verbrauchen die Wärmepumpen weniger Strom. Beide Heizsysteme können entweder in eine Zentralheizung integriert werden, beispielsweise mithilfe eines wasserführenden Kamins oder eines Pelletofens. Eine andere Alternative ist eine dezentrale Feuerstätte wie ein klassischer Kamin.

Infrarot und Konvektion

Eine Infrarotheizung erwärmt nicht die Luft, sondern die Gegenstände und Wände, auf die die durch Strom erzeugte Strahlung trifft. Sie erwärmt meist nur einen Teil des Raums und arbeitet eher langsam. 

Eine gute Kombination ist eine Konvektionsheizung. Konvektoren können als dampf- bzw. wasserführende Heizkörper an eine Zentralheizung angeschlossen werden. Meist werden jedoch auch sie mit Strom betrieben. Beide Heizungsarten verbrauchen relativ viel Strom, sind daher eher als Zusatzheizungen geeignet – idealerweise mit Stromproduktion über die eigene PV-Anlage.

Pellets und Solarthermie

Eine Hybridheizung mit Pellets und Solarthermie vereint gleich zwei erneuerbare Energien miteinander (EE-Hybrid). Diese besonders nachhaltige Form zu heizen ist in der Anschaffung nicht ganz günstig, die Betriebskosten sind jedoch überschaubar. 

Die Solarthermie übernimmt die Heizleistung in den Sommermonaten komplett, in den kälteren Jahreszeiten kann nach Bedarf der Pelletofen zugeschaltet werden. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kamin muss hier nicht von Hand nachgelegt werden.

Solarthermie auf dem Dach

Wärmepumpe und Solarthermie

Ebenfalls eine EE-Hybridlösung ist die Wärmepumpe oder Erdwärmepumpe mit Solarthermie. Bei einer direkten Kombination produzieren beide Systeme sowohl Wärme für die Heizung als auch für das Wasser. Bei einer indirekten Kombination steigert die Solarthermie die Effizienz der Wärmepumpe. Dadurch verbraucht die Wärmepumpe weniger Strom.

Staatliche Förderungen für Hybridheizungen

Die Förderung einer Heizungssanierung ist im Gesetz „Bundesförderung für effiziente Gebäude” (BEG) geregelt. Seit Juli 2022 werden gasverbrauchende Hybridheizungen nicht mehr gefördert. Dazu zählen auch Renewable Ready-Modelle und gasbetriebene Wärmepumpen. 

Wer hingegen Hybridheizungen auf Basis erneuerbarer Energiequellen verbaut, bekommt bis zu 40 Prozent Zuschuss vom Staat. Den Höchstsatz gibt es für eine effiziente Wärmepumpe, die Wasser, Abwasser oder Erdreich als Wärmequelle nutzt. Details erfahren Sie hier.

Im Neubau oder bei Komplettsanierungen kann der Einbau einer Hybridheizung über die dadurch erreichte Effizienzhausklasse gefördert werden. Je besser die energetischen Eigenschaften eines Hauses sind, umso höher fällt der Tilgungszuschuss beim KfW-Kredit aus.

Vattenfall Fazit

Eine Hybridheizung muss zum Gebäude passen. EE-Hybridheizungen eignen sich für optimal gedämmte Neubauten, in Altbauten sorgen Gas-Hybridheizungen für mehr Unabhängigkeit und Umweltverträglichkeit. Auch ein schrittweiser Umbau in dieses Heizsystem ist möglich. Das Höchstmaß an staatlicher Förderung erhält jedoch, wer sich für eine Komplettlösung entscheidet.

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