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Solarstrom einspeisen oder selbst verbrauchen – was lohnt sich mehr?

Die Einspeisevergütung für Solarstrom ist jahrelang gesunken, der Strompreis steigt. Eigentlich scheint die Sachlage klar: Eigenverbrauch lohnt sich mehr als Einspeisung. Doch für eine fundierte Entscheidung braucht es Detailwissen. Wir geben einen Überblick über die aktuelle Lage 2022.

Selbst produzierter Strom ist günstiger als gekaufter

Die Kosten von selbst produziertem Strom hängen von der Größe der PV-Anlage ab. Eine dreiköpfige Familie im Einfamilienhaus benötigt pro Jahr etwa 4000 kWh Strom, was eine Solaranlage mit vier Kilowattpeak produzieren kann. Das entspricht zwölf Modulen, die eine Fläche von 30 Quadratmetern belegen.
Eine passende Anlage inklusive Speicher kostet ab 22.000 Euro, plus jährliche Betriebskosten. Der exakte Preis hängt von den individuellen Voraussetzungen der Anlage ab. Die Kosten für eine Kilowattstunde selbst produzierten Solarstrom liegen damit im Durchschnitt bei etwa zehn Cent. Das ist nur etwa ein Viertel des aktuellen Strompreises in der Grundversorgung (Stand: Juli 2022).

Optionen für überschüssigen Solarstrom

Die größte Menge an Solarstrom produzieren PV-Anlagen tagsüber, wenn die Sonne hoch am Himmel steht. Allerdings benötigen die meisten Hausbewohner:innen den überschüssigen Strom zu diesem Zeitpunkt leider nicht, weil sie nicht zuhause sind. Erst abends steigt der Stromverbrauch in den meisten Haushalten.

Lange war das Einspeisen ins öffentliche Netz die einzige rentable Möglichkeit, überschüssig erzeugten Strom zu nutzen, weil der Strom zu einem attraktiven Preis abgenommen wurde.

Die Höhe der Vergütung ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben und hängt vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Solaranlage ab. Anfangs lag die Einspeisevergütung deutlich über dem Strompreis am Markt. Bis Juli 2022 sanken die Sätze immer weiter. Mit dem EEG 2023 wurde die Einspeisevergütung erstmals wieder angehoben und soll künftig langsamer wieder fallen. Parallel sind aber auch Batteriespeicher für kleinere Haushalte erschwinglich geworden. Das stellt Solaranlagen-Besitzer:innen vor die Frage: Was ist sinnvoller: einspeisen oder selbst verbrauchen?

Modernes Haus in der Abenddämmerung erleuchtet

Solarstrom ins Hausnetz einspeisen

Neben dem Einspeisen ins öffentliche Netz kann überschüssiger Strom auch im eigenen Hausnetz genutzt oder gespeichert werden. Das Speichern funktioniert ohne Umwege: Der von den Solarmodulen erzeugte Gleichstrom wird direkt in einem Batteriespeicher zwischengelagert. 

Benötigt der Haushalt später den Strom, wandelt ein Wechselrichter den Gleichstrom in Wechselstrom um. So bleibt der Solarstrom im Hausnetz verfügbar, auch wenn keine Sonne scheint.

Wer die mit der PV-Anlage selbst erzeugte Energie vorrangig selbst verbrauchen möchte, sollte also einen ausreichend großen Speicher und einen Hybridwechselrichter in die Planung der Solaranlage integrieren.

Müssen Sie überschüssigen Strom ins öffentliche Netz einspeisen?

Grundsätzlich ja. Nur Hausbesitzer mit autarker Stromversorgung – etwa in sehr abgelegenen Regionen – brauchen ihre Photovoltaikanlage nicht an das öffentliche Netz anzuschließen. Solche Inselanlagen werden aber auch nicht von der KfW gefördert. 

Wenn Sie Ihren Strombedarf nicht zu 100 Prozent selbst decken können und daher einen Netzanschluss brauchen, kommen Sie auch um eine Einspeisung meist nicht herum. Ob eine Nulleinspeisung erlaubt ist, entscheidet der Netzbetreiber.

Die Einspeisung macht jedoch Sinn: Wenn Ihr Batteriespeicher gefüllt ist, verdienen Sie mit der Einspeisevergütung für den Verkauf Ihres Stromüberschusses Geld. So können Sie die Kosten der Photovoltaikanlage gegenfinanzieren.

Was müssen Sie bei der Einspeisung beachten?

Vor der Installation

Für die Solaranlage muss ein Netzanschluss beim örtlichen Stromversorger beantragt werden, damit dieser die Netzkapazitäten im Blick behält. Sie können den Solateur bzw. den Anbieter der Solaranlage bevollmächtigen, diesen Antrag zu stellen.

Am Tag der Inbetriebnahme

Spätestens einen Monat nach Inbetriebnahme müssen Sie die Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eintragen lassen. Am besten erledigen Sie das jedoch gleich am Tag der Inbetriebnahme. Denn erst wenn diese persönliche Anmeldung erfolgt ist, haben Sie einen Anspruch auf die Förderung nach EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz).

Anmeldung beim Finanzamt

Wer Strom einspeist, ist gewerblich tätig und muss dies beim Finanzamt und eventuell auch beim Gewerbeamt melden. Ihr Steuerberater hält weitere Informationen für Sie bereit. 

Ab wann müssen Sie ein Gewerbe anmelden?

Wer Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage ins öffentliche Netz einspeist und dafür eine Einspeisevergütung erhält, handelt gewerblich. Die Überschüsse aus der Einspeisevergütung werden auf das Einkommen angerechnet und unterliegen damit der Steuerpflicht. Ob die Erlöse auch umsatzsteuerpflichtig sind, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater abklären. Für die meisten Betreiber von PV-Anlagen auf dem eigenen Hausdach dürfte die Kleinunternehmerregelung infrage kommen, bei der sich Gewerbetreibende bis zu einer Höhe des Gewinnes von 22.000 Euro pro Jahr für eine Umsatzsteuerbefreiung entscheiden können. 

Frau sitzt am Schreibtisch und zeigt auf Papier, ein Mann steht hinter ihr

Wie viel Strom dürfen Sie einspeisen?

Photovoltaikanlagen bis 25 Kilowatt dürfen bis zu 70 Prozent ihrer Maximalleistung einspeisen. Diese Einspeisebegrenzung soll die Stromnetze stabil halten. 
In der Praxis hat die 70-Prozent-Regel aber kaum Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage: Nur selten produzieren die Solarmodule wirklich das Maximum an Strom. 

Wie funktioniert die Einspeisevergütung?

Für jede ins öffentliche Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde Solarstrom erhalten Betreiber:innen von Photovoltaikanlagen eine Einspeisevergütung vom Netzbetreiber. Sie ist staatlich festgelegt und wird für die ersten 20 Betriebsjahre der PV-Anlage garantiert. Anschließend kann der überschüssige Strom über Direktvermarkter verkauft werden.

Eine Hand mit Münzen darin und im Hintergrund eine Solaranlage

Wie hoch ist die Einspeisevergütung?

Die Bundesregierung passt die Sätze monatlich an die Zahl der neuen Photovoltaikanlagen an. In den letzten Jahren ist die Photovoltaik-Einspeisevergütung kontinuierlich gesunken, da viele Anlagen installiert wurden. Im Juli 2022 wurden die Sätze erstmals wieder angehoben.

Anlagengröße bis 10 kW bis 40 kW
Überschusseinspeisung 8,6 Cent/kWh 7,5 Cent/kWh
Volleinspeisung 13,4 Cent/kWh 11,3 Cent/kWh

Aktuelle Sätze der festen Einspeisevergütung nach EEG 2023

Lohnt sich die Einspeisevergütung? 

Bis Februar 2024 sollen die Sätze nach Verabschiedung des EEG 2023 stabil bleiben, um die Anschaffung von PV-Anlagen stärker zu fördern.

Volleinspeiser:innen profitieren nach der EEG-Reform von einer deutlich höheren Förderung: 13,4 Cent/kWh bekommen all jene, die keinen Eigenverbrauch aus ihrer Photovoltaikanlage ableiten.

Frau lehnt am Fenster mit einer Tasse in der Hand

Speichermöglichkeiten für Solarstrom

Damit Sie den selbst erzeugten Strom auch nutzen können, wenn die Sonne nicht scheint, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Sie nutzen einen Cloudspeicher. Dabei wird der Strom ins öffentliche Netz eingespeist, doch statt einer Einspeisevergütung bekommen Sie ein Strom-Guthaben beim Netzbetreiber. Bei dieser Lösung sollte man jedoch genau nachrechnen, da die Energie- und Zahlungsflüsse oftmals nicht sehr transparent sind. 

2. Sie speichern den Strom lokal mit einem Batteriespeicher. Ein Batteriespeicher besteht aus Lithiumbatterien, einem Batteriemanagement, einer Datenschnittstelle für das Internet und die Überwachung und einem Wechselrichter. Mit einem Batteriespeicher können Sie die Unabhängigkeit vom Stromversorger deutlich erhöhen.

Doch wie groß sollte der Batteriespeicher sein? Als Faustregel gilt eine Kilowattstunde Speicherkapazität pro Kilowattpeak Photovoltaik-Leistung. Die richtige Größe ist entscheidend für die Effizienz des Speichers. Lithiumbatterien sollten nämlich regelmäßig entladen werden, damit sie leistungsfähig bleiben.

Fragen zur Größenberechnung Ihres Batteriespeichers:

  • Wie groß ist die Photovoltaikanlage?

  • Wie ist sie ausgerichtet?

  • Welchen Eigenverbrauch möchten Sie erreichen?

  • Können Sie den Strom tagsüber abnehmen?

Gut zu wissen: Batteriespeicher können auch zur Notstromversorgung des Hauses dienen, falls das öffentliche Stromnetz einmal ausfallen sollte. Allerdings ist diese Funktion nicht bei allen Anbietern verfügbar.

Mini-PV-Anlage als Einsteigerlösung

Sogar Mieter:innen können ihren eigenen Solarstrom erzeugen: Mini-Solaranlagen mit einer Leistung unter 600 Wattpeak erzeugen bis zu 500 Kilowattstunden Strom pro Jahr für deutlich unter 10 Cent pro Kilowattstunde. Die Mini-PV-Anlagen werden auch Balkonkraftwerke genannt. Wenn das Solarmodul von außen nicht sichtbar ist, braucht keine Einwilligung des Vermietenden eingeholt werden. 
Die Mini-Solaranlagen müssen Sie zwar beim Netzbetreiber anmelden, damit sie ins Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen werden können, aber bei weniger als 600 Watt Leistung des Wechselrichters muss keine jährliche Meldung erfolgen.

Die steckerfertigen PV-Anlagen können Sie einfach auf dem Balkon aufbauen und über eine Steckdose nach DIN VDE-Norm an das Hausnetz anschließen. Wichtig ist nur ein Stromzähler mit Rücklaufsperre, der vom zuständigen Netzbetreiber eingebaut werden muss. Damit wird ein „Zurückdrehen“ des Stromzählers vermieden.

Die meisten Mini-PV-Anlagen werden nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen, da es für sie keine Einspeisevergütung gibt. Dementsprechend brauchen die Sie auch in der Regel keine steuerlichen Besonderheiten zu beachten. Um das Balkonkraftwerk optimal auszunutzen, können Sie es auch um einen Batteriespeicher erweitern.

Mini-Solaranalge steht vor Hauswand im Garten

Vattenfall Fazit

Stand Juli 2022 ist die Lage deutlich: Auch mit einer leicht angehobenen Einspeisevergütung von 8,6 Cent pro KWh lohnt es sich bei Strompreisen von 40 Cent pro kWh viel mehr, Strom aus der Photovoltaikanlage selbst zu verbrauchen, statt ihn einzuspeisen. 

Mit Batteriespeichern können Sie den Eigenverbrauchsanteil auf 50 Prozent und mehr anheben. Angesichts steigender Strompreise gelangen Photovoltaikanlagen mit Energiespeichern künftig voraussichtlich schneller in die Gewinnzone.

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