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Wie funktioniert der Strommarkt?

Der Strommarkt ist ein komplexes Netzwerk, in dem von verschiedenen Akteuren Strom erzeugt, gehandelt, transportiert, gespeichert und verbraucht wird. Sowohl technische als auch wirtschaftliche Faktoren nehmen Einfluss auf den Markt und bestimmen somit auch, wie hoch der Strompreis ist. Wie der Strommarkt im Detail funktioniert, erfahren Sie hier.

Der Strommarkt gleicht einem Ökosystem

Wirtschaftliche Märkte sind wie komplexe Ökosysteme, in denen täglichen vielschichtige Interaktion zwischen zahlreichen Akteuren stattfinden. Der Strommarkt ist da keine Ausnahme – eher ein Paradebeispiel der Vielschichtigkeit. Während die privaten Verbraucher:innen täglich ganz selbstverständlich so viel elektrische Energie beziehen, wie sie benötigen, laufen im Hintergrund zahllose Prozesse ab. Diese Mechanismen sorgen dafür, dass Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit sein Ziel erreicht und die Nation möglichst durchgehend Energie erhält.

Stromerzeugung im Überblick

Die Stromerzeugung ist gewissermaßen der erste Schritt von vielen. Sie findet in Kraftwerken statt. Dort wird Energie gewonnen, etwa durch die Verbrennung von Kohle oder Gas, Kernspaltung, Photovoltaik oder die Bewegung von Turbinen, die einen Generator antreiben.

Bau und Betrieb der Kraftwerke verursachen Kosten. Bei konventionellen Energieträgern zahlen die Energieversorger darüber hinaus für die Brennmaterialien wie Kohle und Gas. Die Preise dieser Güter variieren und beeinflussen stark, wie hoch der Strompreis ist. In Deutschland wurden im Jahr 2023 etwa 40 % des erzeugten Stroms aus konventionellen Energieträgern erzeugt.

Damit die Verbraucher:innen jederzeit elektrische Energie erhalten, muss dieser durchgängig erzeugt werden. Das Speichern von Strom ist schwierig, da dieser hierzu zunächst in eine andere Energieform umgewandelt werden muss. Bei jeder Umwandlung geht zudem etwas Energie verloren. Daher ist es in der Regel die günstigste und beste Lösung genau so viel Strom zu produzieren, wie Verbraucher:innen gerade benötigen. Die Stromerzeugung und die dafür nötige ständige Prüfung des Bedarfs übernehmen die Stromversorgungsunternehmen. Die größten Energieerzeuger in Deutschland sind RWE, Eon, Vattenfall und EnBW. 

Kohlenkraftwerk in Lünen

Das Gesetz des Marktes

Auch auf dem Strommarkt gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wenn das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage zurückgeht, steigen die Preise. Diesen Zusammenhang haben die deutschen Verbraucher:innen in der „Gaskrise“ im Jahr 2022 besonders stark gespürt. Bei wachsendem Angebot und gleichbleibender Nachfrage hingegen tendieren die Preise eher dazu, zu sinken.

Der Strommarkt wird an mehreren Stellen von diesem Gesetz beeinflusst. Zum einen unterliegen die Einkaufspreise für Rohmaterialien wie Gas und Kohle diesen Zusammenhängen. Zum anderen spielen auch Angebot und Nachfrage an Strom selbst eine Rolle. Dieses Gesetz beeinflusst den Strompreis also mehrfach.

Netzbetrieb und Netzeinspeisung

Der in Kraftwerken erzeugte Gleichstrom wird in Wechselstrom umgewandelt und ins Versorgungsnetz eingespeist. Bei erneuerbaren Energiequellen erfolgt diese Umwandlung oft durch spezielle Wechselrichter. In Deutschland wird das Netz von Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) und Verteilungsnetzbetreibern (VNB) betrieben und instand gehalten. Auch hierfür fallen wiederum Kosten an, die den Strompreis beeinflussen.

Die Übertragungsnetzbetreiber sind für den Hochspannungstransport über große Entfernungen verantwortlich. In Deutschland sind die vier größten Amprion, TenneT, TransnetBW und 50Hertz. Eine ähnliche Aufgabe übernehmen auch die Verteilungsnetzbetreiber. Sie sind für den Betrieb der Niederspannungs- und Mittelspannungsnetze verantwortlich, die den Strom zu den Haushalten, Unternehmen und anderen Endverbrauchern leiten. Hier liegt die Zuständigkeit oft auf regionaler Ebene. Deshalb übernehmen viele kleinere Unternehmen diese Aufgaben.

Stromnetz

Handel an der Strombörse

An der Strombörse kommen unterschiedliche Akteure zusammen. Darunter Energieerzeuger und Energiekäufer. Viele Stromversorgungsunternehmen sind als Verkäufer und Einkäufer an der Strombörse vertreten. Einkäufer können aber auch Kommunen oder große Unternehmen der Industrie sein, die sehr viel Energie benötigen. An der Strombörse wird hauptsächlich auf dem Spotmarkt und dem Terminmarkt gehandelt. 

Spotmarkt

Der Spotmarkt an der Strombörse bezieht sich auf den Handel mit Strom, der sofort geliefert und abgewickelt wird. Hierbei handelt es sich um den aktuellen Strompreis, der sich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ergibt. Die Preise auf dem Spotmarkt können je nach Tageszeit, Wochentag und anderen Faktoren variieren. Häufig spielt auch das Wetter eine Rolle, weil bei hohen Temperaturen mehr Klimaanlagen laufen und den Stromverbrauch antreiben. Der Spotmarkt ermöglicht es den Teilnehmenden, schnell auf aktuelle Marktsituationen zu reagieren und den kurzfristigen Strombedarf zu decken.

Terminmarkt

Auf dem Terminmarkt wird Strom zu einem zukünftigen Zeitpunkt gehandelt. Der Preis für den Strom wird also für die Zukunft verhandelt. Diese Abmachungen dienen dazu, sich gegen Preisschwankungen abzusichern oder spekulativ auf zukünftige Preisentwicklungen zu setzen. Der Terminmarkt ermöglicht den Marktteilnehmern demnach, langfristige Strategien zu entwickeln und ihr Risiko zu managen.

Regulierung des Marktes

Die gesetzliche Regulierung des Strommarktes ist essenziell. Zum einen, weil Strom ein gesellschaftlich unerlässliches Gut ist. Zum anderen, weil der Markt auch aufgrund seiner Komplexität anfällig für Manipulationen ist. Unterschiedliche Institutionen und Gesetze haben daher zum Ziel, diesen wichtigen Markt zu regulieren und zu überwachen. 

Energiemarktregulierung

Die deutsche Regierung hat verschiedene Gesetze und Verordnungen erlassen, um den Energiemarkt zu regulieren und sicherzustellen, dass Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung fair und transparent erfolgen. Dazu gehören das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) und das Strommarktgesetz.

Wettbewerbsrecht

Das deutsche Wettbewerbsrecht zielt darauf ab, Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern und den fairen Wettbewerb auf dem Strommarkt zu fördern. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) darf dementsprechend den Energiemarkt überwachen und kann bei Bedarf Maßnahmen ergreifen, um einen unfairen Wettbewerb zu verhindern.

Regierungsviertel in Berlin

Strompreis und Kostenfaktoren

Der Strompreis ist ein wesentlicher Aspekt des Strommarktes. Er wird durch verschiedene Faktoren bestimmt, darunter die Kosten für die Stromerzeugung, die Netzgebühren für den Transport und die Verteilung des Stroms, Steuern und Abgaben sowie die Gewinnmargen der Energieversorger. Mehr über die genaue Zusammensetzung des Preises, den die privaten Haushalte zahlen, finden Sie in unserem Beitrag: Zusammensetzung des Strompreises 2024.

Einfluss der Energiewende

Die Energiewende rückt den Fokus des Strommarktes von konventionellen, zentralisierten und fossilen Ansätzen zu nachhaltigen, dezentralen und erneuerbaren Energien. Dies führt zu einer grundlegenden Neugestaltung der Energielandschaft und wirkt sich auf die Art und Weise aus, wie Energie produziert, verteilt und konsumiert wird.

Im Rahmen der Energiewende werden immer mehr Verbraucher:innen mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach zu Stromerzeugern, die erneuerbare Energien nutzen. Diese könnten in Zukunft Gemeinschaften gründen und als Marktteilnehmer aktiv werden. Darüber hinaus stellt der Ausbau der erneuerbaren Energien die Netzbetreiber vor große Herausforderungen. Wie kommt die Energie kostengünstig vom Erzeugungsort zum Verbrauchsort und wie wird sie am besten gespeichert? Das sind Fragen, mit denen sich der deutsche Strommarkt in Zukunft verstärkt auseinandersetzen muss. 

Erneuerbare Energiequellen

Bessere Daten für gesteigerte Effizienz

Damit Energieversorger den Strom genau dann erzeugen können, wenn er gebraucht wird, sind genaue Verbrauchsdaten hilfreich. Auf dem Strommarkt spielen Messgeräte und -systeme daher eine bedeutungsvolle Rolle. Sie dienen dazu, den Stromverbrauch einzelner Regionen genau zu erfassen und zu dokumentieren. Die Energieproduktion kann anschließend anhand dieser Daten erfolgen.

Die Digitalisierung eröffnet diesbezüglich neue Möglichkeiten. Durch die Verbindung des Stromnetzes mit den einzelnen Verbrauchsstellen kann die Stromerzeugung und Verteilung noch effizienter werden. Diese Verbindung wird durch intelligente Stromzähler, die Smart Meter mit dem ebenso intelligenten Stromnetz, dem Smart Grid hergestellt. 

So lassen sich insbesondere erneuerbare Energien optimiert in das Netz integrieren und Lastspitzen besser managen. Die Smart Meter ermöglichen den Verbraucher:innen zusätzlich einen detaillierten Einblick in ihren Stromverbrauch und zeigen Möglichkeiten zum Stromsparen auf.

Vattenfall Fazit

Der Strommarkt ist ein dynamisches und sich ständig weiterentwickelndes System. Technologische Innovationen, wirtschaftliche Veränderungen und politischen Entscheidungen werden diesen auch in Zukunft prägen und verändern. Durch ein besseres Verständnis der Abläufe am Strommarkt lassen sich auch bessere Entscheidungen bezüglich der eigenen Stromversorgung treffen. 

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