Glossar Energie

Strombörse

Die Strombörse ist ein zentraler Bestandteil des deutschen Strommarktes und spielt eine wesentliche Rolle bei der Bildung des Strompreises und dem Handel von Elektrizität. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Funktionsweise der Strombörse in Deutschland. Er informiert über die beteiligten Akteure, die verschiedenen Marktsegmente und Mechanismen, die die Preisbildung beeinflussen – und er erläutert, wie sich die Börsenstrompreise auf den Stromtarif auswirken. 

Handelsplattformen der Strombörse 

Die Strombörse ist ein organisierter Marktplatz, auf dem Erzeuger, Händler und Energieversorger mit Strom handeln. Der Preis des Stroms richtet sich nach Angebot und Nachfrage und wird meist in Echtzeit oder für bestimmte Zeiträume festgelegt. In Deutschland wird die Strombörse hauptsächlich durch zwei Handelsplattformen repräsentiert: die European Power Exchange Spot Market (EPEX SPOT) mit Sitz in Paris und die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Die EPEX SPOT ist der Handelsplatz für kurzfristige Stromgeschäfte, bei denen Strom für den nächsten Tag oder innerhalb des gleichen Tages in Stunden- oder Viertelstundengranularität gehandelt wird. Die EEX deckt den Terminmarkt ab, auf dem langfristige Stromlieferverträge gehandelt werden, beginnend mit einem ganzen Tag, einer Woche, Monaten, Quartalen sowie Jahren für Zeiträume in der Zukunft.

Die European Power Exchange (EPEX SPOT) 

Die europäische Strombörse EPEX SPOT ist die Börse für kurzfristigen Stromhandel in Deutschland und zahlreichen weiteren europäischen Ländern wie Frankreich, Luxemburg, Finnland, Österreich, Dänemark, Schweden oder Norwegen. Sie wurde 2008 durch den Zusammenschluss der Energiebörsen Powernext und EEX gegründet und hat ihren Hauptsitz in Paris. Bei der EPEX SPOT werden Strommengen für den nächsten Tag (Day-Ahead-Markt) und innerhalb des gleichen Tages (Intraday-Markt) gehandelt. Die EPEX SPOT ermöglicht es Marktteilnehmern so, flexibel auf Schwankungen in Angebot und Nachfrage zu reagieren. Diese Bewegungen auf dem Strommarkt haben Einfluss auf aktuelle Strompreise. 

Brokerin am Telefon im Trading-Büro

EEX Strombörse in Leipzig

Die European Energy Exchange (EEX) 

Die European Energy Exchange, auch bekannt als Leipziger Strombörse, ist eine der zentralen Handelsplattformen für Strom und andere Energieprodukte in Europa. Die EEX wurde im Jahr 2002 gegründet und ist aus dem Zusammenschluss der Deutschen Strombörse und der Leipzig Power Exchange (LPX) hervorgegangen. Die Börse in Leipzig funktioniert für Anbieter als zentrale Handelsplattform für den europäischen Strommarkt. Hier werden sowohl kurzfristige als auch langfristige Stromhandelsverträge für Zeiträume in der Zukunft abgeschlossen. Der Terminmarkt ist  wesentlicher Bestandteil der Handelsaktivitäten der EEX. 

Akteure an der Strombörse 

An der Strombörse sind verschiedene Akteure tätig, die jeweils spezifische Rollen und Funktionen erfüllen. Stromerzeuger etwa sind Unternehmen, die Strom produzieren und an der Börse anbieten. Stromhändler agieren als Vermittler, kaufen und verkaufen Strom – sowohl an der Börse als auch an Unternehmen wie zum Beispiel Stadtwerke, Industrie oder Stromanbieter. Große industrielle Verbraucher können direkt an der Börse Strom kaufen. Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber stellen sicher, dass der gehandelte Strom physisch geliefert werden kann. Schließlich überwachen Regulierungsbehörden den Markt und sorgen für faire Handelsbedingungen. 

Marktsegmente und Handelsmechanismen

Der EPEX-Spotmarkt 

Der Spotmarkt ist ein zentraler Bestandteil der Strombörse. Im Gegensatz zum Terminmarkt handelt es sich beim Spotmarkt um den kurzfristigen Kauf und Verkauf von Strom für die sofortige oder nahezu sofortige Lieferung. Der Spotmarkt umfasst hauptsächlich den Day-Ahead-Markt und den Intraday-Markt:  

Der Day-Ahead-Markt 

Beim Day-Ahead-Markt werden Strommengen für den nächsten Tag gehandelt. Der An- und Verkauf erfolgt in stündlichen bzw. viertelstündlichen Blöcken. Neben Geboten für einzelne Stunden können auch sogenannte Blockgebote abgegeben werden, etwa für zusammenhängende Zeiträume wie die Morgenstunden. Erzeuger, Händler und Energieversorger geben ihre Angebots- und Nachfragegebote für den kommenden Tag ab. Diese Gebote werden in einer Auktion zusammengeführt, bei der der Preis durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage ermittelt wird. Das Merit-Order-Prinzip bestimmt, dass Kraftwerke mit den niedrigsten Grenzkosten zuerst eingesetzt werden. Das letzte Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage gerade noch benötigt wird – das sogenannte Grenzkraftwerk – bestimmt den Preis für alle Anbieter dieser Stunde. Man spricht dabei vom Merit-Order-Effekt. 

Der Intraday-Markt 

Der Intraday-Markt ermöglicht es, Strom in Echtzeit oder fast in Echtzeit zu handeln – teilweise bis zu fünf Minuten vor Lieferbeginn. Er dient als Ergänzung zum Day-Ahead-Markt und ermöglicht es, Fehlmengen oder Überschüsse auszugleichen, die durch Prognoseabweichungen etwa bei Wind- und Solarstrom entstehen. Dieser Markt bietet hohe Flexibilität und ermöglicht es, kurzfristige Schwankungen in der Erzeugung und Nachfrage auszugleichen. 

Diese kurzfristigen Märkte sind entscheidend für die Ausbalancierung von Angebot und Nachfrage in Echtzeit, was insbesondere angesichts der wachsenden Bedeutung erneuerbarer Energien mit ihrer volatilen Einspeisung an Gewicht gewinnt. Durch die Bereitstellung eines flexiblen und reaktionsschnellen Handelsumfelds trägt der Spotmarkt wesentlich zur Stabilität und Effizienz des gesamten Strommarkts bei, indem er es den Marktteilnehmern ermöglicht, schnell auf Veränderungen in der Stromerzeugung und im Verbrauch zu reagieren. 

Der EEX-Terminmarkt 

Am Terminmarkt werden langfristige Stromlieferverträge gehandelt. Diese Verträge können sich über Wochen, Monate oder Jahre erstrecken und dienen der Absicherung gegen Preisschwankungen. Es gibt „Futures“, also standardisierte Verträge, die den Kauf oder Verkauf von Strom zu einem festen Preis in der Zukunft sichern. Optionen dagegen sind Verträge, die das Recht, aber nicht die Pflicht zum Kauf oder Verkauf von Strom zu einem bestimmten Preis in der Zukunft gewähren. 

Preisbildung und Marktmechanismen

Die Preisbildung an der Strombörse erfolgt durch verschiedene Mechanismen. Das Merit-Order-Prinzip bestimmt, welche Kraftwerke zuerst zum Einsatz kommen. Erzeuger mit niedrigeren Grenzkosten werden bevorzugt. Der Marktpreis wird durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage in der Auktion ermittelt. Regelenergie ist zusätzliche Energie, die zur Stabilisierung des Netzes bereitgestellt wird, wenn es zu Ungleichgewichten zwischen Erzeugung und Verbrauch kommt. 

 

Regulierungsrahmen und Marktaufsicht

Die Strombörse wird durch verschiedene Regulierungsbehörden überwacht, um einen fairen und transparenten Handel zu gewährleisten. Die Bundesnetzagentur ist die nationale Regulierungsbehörde, die die Einhaltung der Marktregeln überwacht. Die Europäische Kommission setzt europäische Richtlinien und Verordnungen um, die den grenzüberschreitenden Stromhandel betreffen. 

 

Wie hat sich der Strompreis an der Börse im Laufe der Jahre entwickelt? 

Der Börsenstrompreis hat in der Vergangenheit immer wieder Extrempreise und Schwankungen vorgewiesen. Im Zeitraum von 2006 bis 2025 wurde am EPEX-Strommarkt etwa der Tiefstpreis von minus 500 € pro Megawattstunde am 4. Oktober 2009 erreicht. Grund dafür waren eine feiertagsbedingte geringe Stromnachfrage in den frühen Morgenstunden sowie eine große Menge Windstrom. Der Höchstpreis von rund 2.437 € pro Megawattstunde wurde am 7. November 2006 erreicht, ausgelöst durch einen europaweiten Stromengpass nach dem ungeplanten Abschalten einer Hochspannungsleitung über der Ems. Am 26. Juli 2024 wurde der Anstieg des Strompreises auf rund 2.326 € pro Megawattstunde durch IT-Probleme bei der EPEX SPOT in Paris bedingt. 

Im April 2025 betrug der am EPEX-Spotmarkt durchschnittlich gehandelte Preis für Strom in Deutschland rund 77,94 € pro Megawattstunde und lag damit tiefer als zwei Jahre zuvor: Im April 2023 lag er bei rund 100,74 €. Grund für die angestiegenen Kosten war der russische Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022. 

Welche Rolle spielt die Strombörse in der Energiewende? 

Der mit der Energiewende einhergehende steigende Anteil erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarstrom hat einen wesentlichen Einfluss auf die schwankenden Börsenstrompreise in Deutschland: Wind und Strom sind wetterabhängig, und liefern deshalb unregelmäßig Strom. An wind- und sonnenreichen Tagen steigt das Angebot und die Preise sinken – zum Teil sogar ins Negative. Bei geringer Einspeisung hingegen müssen konventionelle Kraftwerke einspringen, um den Energiebedarf zu decken, was die Preise erhöht. Alternativ können flexible Verbraucher:innen ihre Stromnachfrage verschieben und damit Kosten sparen. Eine zukunftsfähige Strombörse muss beweglich auf die schwankende Energieerzeugung reagieren und das möglichst kosteneffizient. Das wichtigste Merkmal der Strombörse im Zusammenhang mit der Energiewende lautet deshalb: Flexibilität. 

Windräder hinter Solarzellen

Der Merit-Order-Effekt der erneuerbaren Energien 

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhöht sich die erzeugte Strommenge aus Anlagen mit geringen variablen Kosten (Wind- und Solaranlagen). Denn: Nach den Regelungen des EEG besteht für Strom aus EEG-Anlagen eine Abnahmepflicht für die Netzbetreiber. Somit wird dieser Strom in jedem Fall priorisiert zur Deckung der Nachfrage eingesetzt. Basierend darauf verdrängen diese Anlagen den aus konventionellen Anlagen erzeugten Strom. Diese Verdrängung von Kraftwerken mit hohen Grenzkosten durch Kraftwerke mit geringeren Grenzkosten wird als Merit-Order-Effekt erneuerbarer Energien („Merit Order“ aus dem Englischen: „Reihenfolge der Vorteilhaftigkeit“) beschrieben. Der Merit-Order-Effekt senkt die Strompreise an der Börse. 

Wie wirken sich die Börsenpreise auf den Stromtarif aus? 

Haushalte mit langfristigen Lieferverträgen spüren wenig von den Preisschwankungen und gelegentlichen Preissprüngen an der Strombörse, da sie ihren Strom über einen Stromanbieter beziehen, der die Preisrisiken im Voraus vertraglich langfristig absichert. Für die überwiegende Anzahl privater Kund:innen ist daher vor allem langfristig der durchschnittliche Strompreis von Bedeutung. Denn: Langfristig betrachtet bewegen sich die Preise auf einem durchschnittlichen Niveau ohne große Preissprünge nach unten oder oben. Viele Stromanbieter beschaffen den Strom für die normalen Stromverträge ihrer Haushaltskund:innen zudem langfristig am Terminmarkt, wodurch Preisausschläge an den Strombörsen für die Endkund:innen abgemildert werden. Das kann allerdings auch den Nachteil mit sich bringen, dass niedrige Preise an der Börse sich nicht im Stromtarif kenntlich machen.  

Dynamische Stromverträge 

Nahaufnahme einer Stromzähler-Installation

Ein dynamischer Stromvertrag ist ein Tarif, bei dem sich der Preis, den Kund:innen für ihren Strom zahlen, stündlich und ab voraussichtlich Oktober 2025 sogar viertelstündlich an den aktuellen Strombörsenpreis anpasst. Seit Januar 2025 müssen dynamische Stromverträge von allen Vertrieben angeboten werden. Sie stehen im Gegensatz zu klassischen Tarifen mit festen Preisen. Allerdings ist auch hier über einen längeren Zeitraum eine Glättung des Durchschnittspreises wahrscheinlich. Kurzfristig sind Preissprünge jedoch direkt spürbar – mit allen Risiken und Chancen, die ein Stromsystem bietet, das zunehmend auf erneuerbaren Energien basiert.  

Um einen dynamischen Stromtarif abschließen zu können, müssen Endverbraucher:innen über ein intelligentes Messystem, einen sogenannten Smart Meter verfügen. Dann können sie ihren Verbrauch danach richten, wann die Preise günstig sind.

Wie bereits erwähnt, führt die zunehmende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne zu stärker schwankenden und auch niedrigeren Strompreisen. Bisher profitierten Verbraucher:innen nicht direkt von diesen niedrigen Preisen. Durch dynamische Tarife werden sie für flexibles Verbrauchsverhalten belohnt und können gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten. Dynamische Tarife sind daher auch ein wichtiges Instrument zur Steuerung der Nachfrage.    

Vattenfall an der Strombörse 

Auch Vattenfall kauft Strom an den Handelsplattformen EEX und EPEX SPOT für die Versorgung seiner Kund:innen. Dabei wirkt sich der Börsenpreis auch auf Tarifmodelle wie den dynamischen Stromtarif (Ökostrom-Tarif) von Vattenfall aus. Mit dem dynamischen Tarif soll der Stromverbrauch auf die Zeiten mit niedrigen Börsenstrompreisen verlagert werden. Konkret bedeutet das: Wenn aufgrund eines hohen Stromangebots der Börsenpreis niedrig ist, können Verbraucher:innen ihren Verbrauch vorwiegend in diese preisgünstigen Zeiten verlegen, um Kosten zu sparen. Dafür erhalten Vattenfall Kund:innen einen Tag im Voraus eine transparente Übersicht über die stündlichen (ab voraussichtlich Oktober 2025 viertelstündlichen) Börsenpreise des nächsten Tages. So können sie ihren Stromverbrauch effizient und individuell planen, und entsprechend Kosten sparen. 

Zur Abrechnung des Verbrauches gibt es bei dem dynamischen Tarif einen variablen Preisbestandteil: den Spotmarktpreis für Beschaffung (Sportmarkt). Dieser ist variabel und ändert sich abhängig von den stündlichen bzw. viertelstündlichen Preisen der EPEX-Spotbörse. So setzt sich der Preis des dynamischen Tarifes zusammen: 

  • Spotmarktpreis 

  • Verbrauchspreis 

  • Grundpreis 

In einem gewöhnlichen Haushalt mit einem beispielhaften Verbrauch von 2.500 kWh lassen sich ungefähr 34 Prozent des Stromverbrauches im Haushalt in kostengünstige Zeiten verlagern.

Das Diagramm zeigt, wie viel Strom verschiedene Geräte verbrauchen. 23 % gehen an Kühlschränke und Gefriergeräte, 17 % an Computer und Telefone, 11 % an Warmwasser, 8 % an Licht, 6 % an Heizung und 1 % an Klimaanlagen. 34 % des Stroms können flexibel genutzt werden, zum Beispiel für Kochen, Waschen, Trocknen, Bügeln und Staubsaugen.

Hier können Sie aktuelle Strompreise an der Energiebörse einsehen: Strombörse: Aktuelle Strompreise an der EPEX Spot. Weitere Vor- und Nachteile eines dynamischen Stromtarifs finden Sie hier.

Herausforderungen und Entwicklungen 

Der Handel an der Strombörse steht vor verschiedenen Herausforderungen und Entwicklungen. Die stets weiter zunehmende Integration erneuerbarer Energien, die aufgrund ihrer volatilen Natur flexible Handelsmechanismen und neue Marktprodukte erfordert, ist eine dieser Herausforderungen. Eine Option, um den stärkeren Schwankungen der Stromeinspeisung und damit des Strompreises entgegenzuwirken, könnte der Ausbau von Strom-Speichermöglichkeiten sein. Die Digitalisierung ermöglicht effizientere Handelsprozesse und eine bessere Integration von Smart Grids – intelligenten Stromnetzen, die Erzeugung, Verbrauch und Speicherung flexibel steuern. Die Marktkopplung, also die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Strombörsen, trägt zur Schaffung eines integrierten europäischen Strommarkts bei. 

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