Infowelt Energie

Reicht der Strom für die Elektromobilität?

2022 überstieg die Zahl der batteriebetriebenen Fahrzeuge in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt erstmals eine Million. Die Tendenz ist weiter steigend. Aber haben wir überhaupt genug Strom, um all die neuen Elektroautos zu laden?

Zuletzt aktualisiert am 03.04.2023
Lesedauer: 8 Minuten

Ökostrom auf dem Vormarsch

Das Fraunhofer Institut hat nachgerechnet: Selbst wenn alle Pkw in Deutschland (circa 45 Millionen) Batteriefahrzeuge wären, stiege die Stromnachfrage nur um circa 20 Prozent auf 100 Terrawattstunden pro Jahr. Das Angebot an grüner Energie wächst aber deutlich schneller als die Stromnachfrage: 2022 wurden bereits 256 Terrawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt. Das ist also mehr als das Doppelte dessen, was man zur Versorgung einer komplett elektrischen Fahrzeugflotte benötigen würde.

Laut Koalitionsvertrag sollen 15 Millionen Elektroautos im Jahr 2030 in Deutschland fahren. Nach Berechnungen würden sich der Strombedarf für Elektromobilität in Deutschland in diesem Zeitraum gerade mal um drei bis 4,5 Prozent erhöhen. Die Strommenge stellt demnach keine Herausforderung dar, das Augenmerk der Expert:innen ruht vielmehr auf der Auslastung der Stromnetze und nicht auf der Speicherung der Energie.

Sind die deutschen Stromnetze den Elektroautos gewachsen?

Zahlreiche zeitgleiche Ladevorgänge können ein lokales Stromnetz tatsächlich an seine Kapazitätsgrenze bringen. Schließlich benötigt ein Elektroauto deutlich mehr Strom als normale Haushaltsgeräte – und das über einen längeren Zeitraum. Aber jeder Fahrende hat einen anderen Alltag und lädt zu anderen Zeiten, wie das Modellprojekt „E-Mobility-Allee“ in Ostfildern zeigt.

Stadt von oben zeigt Stromnetz Elektroautos Vattenfall eMobility

Modellprojekte wie die E-Mobility-Allee geben Aufschluss über die Netzauslastung.

Strom für Elektromobilität im Modellprojekt

Bei diesem Projekt wurden zehn Haushalte einer Straße mit einem Elektrofahrzeug ausgestattet und die Daten zum Stromverbrauch über anderthalb Jahre ausgewertet. Die Teilnehmenden repräsentierten ein klassisches Wohngebiet mit Eigenheimen, wie es häufig in Ballungsräumen vorkommt und alle Haushalte hingen am gleichen Stromkreis.

Optimale Stromverteilung durch intelligente Netze

Das Ergebnis: Die Anwohnenden vertrauten der Akkukapazität im Laufe der Zeit immer mehr und luden immer seltener, sodass nie mehr als fünf Fahrzeuge gleichzeitig am Netz hingen. In 70 Prozent der Zeit wurde hingegen überhaupt nicht geladen. Die Netzbetreiber konnten Ladezeiten elektronisch zuteilen, ohne dass sich die Teilnehmenden davon beeinträchtigt fühlten. Außerdem wurden verschiedene Typen von Batteriespeichern getestet, die das Netz entlasteten.

In Baden-Württemberg wurden in den vergangenen Jahren auch in größeren Pilotprojekten erforscht, wie und wann die Menschen ihre Elektroautos laden. Insgesamt wurden 113 Haushalte an acht Standorten mit Elektroautos und Ladeinfrastruktur ausgestattet. Dabei kam heraus, dass nur 22 bis 88 Prozent der Fahrzeuge gleichzeitig geladen wurden. Im Mittel lag der Wert bei 50 Prozent. Die Belastung für das Stromnetz ist also weniger stark als befürchtet.

Vattenfall eMobility Elektroauto an Ladestation erhält Strom für Elektromobilität Nahaufnahme

Intelligente Stromnetze stellen ausreichend Strom für Elektromobilität bereit.

Gut zu wissen: Das Fraunhofer Institut geht davon aus, dass durchschnittlich nur 30 Prozent der E-Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden. Meist findet die Stromversorgung der Elektroautos über Nacht statt. Dann steht zum Aufladen der Akkus deutlich mehr Zeit zur Verfügung, als effektiv gebraucht wird. Mit intelligenten Netzen und smarten Ladestationen kann der Strom für die Elektromobilität optimal verteilt werden.

Was kann ich als Privatperson tun?

Der Einbau einer intelligenten Wallbox hilft, die Stromnetze zu entlasten. Damit der Netzbetreiber am Ende weiß, wo wie viel Strom benötigt wird, muss jede Wallbox beim zuständigen Netzbetreiber gemeldet werden. So hat dieser jederzeit einen Überblick, wie viel Strom voraussichtlich in welchen Straßenzügen benötigt wird – ein weiterer Grund, warum nicht an der Haushaltssteckdose geladen werden sollte. Intelligente Netzmanagement- und Speichertechnologien können örtliche und zeitliche Netzbelastungen ausgleichen. So bleiben Stromausfälle in Ballungsräumen ein Szenario ohne realistische Basis. Die Gefahr vor zu wenig Strom für Elektromobilität soll dadurch gebannt sein.

Mann hält Ladekabel

Der Ladekomfort steigt dank neuer Entwicklungen. 

Vattenfall eMobility Strom für Elektromobilität Elektroautos laden Nachts

Strom für Elektromobilität fließt vor allem nachts günstig.

Neue Technologien fördern Komfort

Die Entwicklung von neuen Technologien ist durch die Energiewende bereits in vollem Gang. Immer mehr Strom kommt aus erneuerbaren Energien – wie etwa aus der Solaranlage vom eigenen Dach. Tagsüber produziert und im Pufferspeicher zwischengelagert, kann er nachts vom Elektroauto abgerufen werden.

Vattenfall arbeitet übrigens auch bereits an einem dynamischen Stromtarif, der abhängig von den aktuellen Kosten an der Börse ist.

Mehr Strom für weniger Geld

Dank des Osterpakets 2022 können Netzbetreiber seit Januar 2023 über ein netzdienliches Lademanagement Spitzenbelastungen des lokalen Stromnetzes reduzieren. Wer sich dazu bereit erklärt, dass die Ladeleistung gedrosselt wird, profitiert von günstigeren Stromtarifen.

Generell könnten die Strompreise durch die wachsende Zahl an Elektroautos sinken. Eine Studie des Fachmagazins Energy Strategy Reviews geht von 3,5 Prozent niedrigeren Strompreisen in Netzgebieten mit 30 Prozent Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 aus. Dazu tragen mehrere Aspekte bei: Die zusätzliche Stromnachfrage der Elektrofahrzeuge verbessert die Netzauslastung. Gleichzeitig werden durch zeitlich gesteuertes Laden Lastkurven geglättet, der Bedarf für den Netzausbau verringert sich. Sogar das Elektroauto selbst kann zum Stromspeicher werden. Fahrzeuge mit einem CHAdeMO-Stecker sind in der Lage bidirektional zu laden – also sowohl Strom aufzunehmen als auch abzugeben. Allerdings sind nicht alle Fahrzeuge von den Herstellern für das Laden in beide Richtungen freigegeben.

Vattenfall eMobility Strom für Elektromobilität Volvo an Ladesäule

Durch bidirektionales Laden sollen Elektroautos Strom aus ihren Batterien ins Netz zurück speisen.

Vattenfall Fazit

Reicht der Strom für Elektromobilität? Die Sorgen, dass das Stromnetz den Energiebedarf von Elektroautos nicht decken kann, scheint reichlich übertrieben. Die Netzbetreiber planen Ladespitzen ein, die Stromnetze entwickeln sich weiter. Genauso wie Batterien stehen auch smarte Stromnetze am Anfang ihrer Entwicklung. Sie versprechen viel Potenzial. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Frau mit Ladestecker vor Wallbox

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