Warum steigen Gas- und Strompreise in Deutschland

Warum sind die Energiepreise aktuell so hoch?

Diese Frage wird momentan häufig gestellt. Netzentgelte, die politische Situation in Europa oder saisionale Faktoren – was ist der Grund für die steigenden Gas- und Strompreise?

Warum steigen Strom- und Gaspreise?

Grundsätzlich – Wodurch werden Strom- und Gaspreise beeinflusst?

Die Energiekosten setzen sich maßgeblich aus drei Teilbereichen zusammen: 

  • Netzentgelte
  • Staatliche Steuern, Abgaben und Umlagen 
  • Energiebeschaffung und -vertrieb

Den Großteil hiervon, unter anderem auch die Kosten der Energiebeschaffung, können Anbieter nicht beeinflussen. Hier erfahren Sie mehr zur Preiszusammensetzung am Beispiel Strom.

Während die Kosten für Netzentgelte, Steuern und Abgaben zentral festgelegt werden, unterliegen die Kosten der Energiebeschaffung den Marktbewegungen an den Energiebörsen. Energie an der Börse wird immer dann teurer, wenn eine hohe Nachfrage auf ein geringes Angebot trifft.

Kurz erklärt: Was ist eine Strombörse?

Gaspreisentwicklung bis 2022 Grafik

Den größten Anteil am Gaspreisanstieg hat die Beschaffung des Rohstoffs. Die Kosten hierfür sind um 101 Prozent gestiegen.

Strompreis Entwicklung 2022 Grafik

In der folgenden Grafik wird deutlich, wie stark die Kosten für die Stromerzeugung in den letzten Jahren angestiegen sind, nämlich um 67 Prozent.

Fokus Strom – Hauptgründe für den aktuell steigenden Strompreis 

Die derzeitige Strompreisentwicklung im Bereich der Stromerzeugung begründet sich durch den aktuellen Strommix. Je nach genutzter Energiequelle variieren die Kosten, die bei der Stromerzeugung entstehen und damit auch der Strompreis. Welche Energiequellen zum Einsatz kommen, wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. 

1. Erneuerbare Energien liefern saisonal bedingt weniger Strom

Erneuerbare Energien gelten als günstige Energiequellen. Wird ein großer Anteil des deutschen Strommixes aus regenerativen Quellen erzielt, ist der Strom an der Börse günstig. 

Im letzten Herbst wehte weniger Wind als üblich, was dazu führte, dass Windkraftanlagen weniger Strom lieferten als zuvor. Saisonal bedingt ist Solarenergie im Winter ebenfalls weniger verfügbar als im Sommer. 

Verschiedenen Berechnungen zufolge liegt der Verlust durch diese Stromlücke bei etwa fünf Prozent im Vergleich zu 2020. Kompensiert wird das durch das Hinzuziehen von Energie aus Kohle- und Gaskraftwerken. Diese wiederum sind teuer in der Produktion. Deshalb steigen als Folge die Strompreise an der Börse, was für Verbraucher steigende Stromkosten nach sich zieht. 

Solarkraftanlage

Auto

2. Der Preis von Verschmutzungszertifikaten

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) trat bereits 2019 als Teil des Klimaschutzprogramms in Kraft. Es führte den nationalen Emissionshandel ein und damit die Bepreisung von CO2-Emissionen, unter anderem, um die Energiewende zu finanzieren. Da derzeit Strom aus erneuerbaren Energien rar ist, müssen oft konventionelle Energien wie beispielsweise Kohlekraftwerke den Mehrbedarf ausgleichen. Dadurch ist die Nachfrage an Verschmutzungszertifikaten (auch CO2-Zertifikate genannt) ebenfalls um ein Vielfaches gestiegen. 

Auch hier bedingen Nachfrage und Angebot den Preis der Zertifikate. Wenn also für die Erzeugung von Strom vermehrt fossile Energieträger genutzt werden, müssen die Kosten für die Verschmutzungszertifikate entsprechend mitgetragen werden. Die Kosten dafür werden im Rahmen der Preiskalkulation am Ende auf alle Verbraucher und Verbraucherinnen umgelegt. 

3. Begrenzte Gaskapazitäten

Nach dem coronabedingten Einbruch von Produktionskapazitäten hat sich die Wirtschaft mittlerweile wieder erholt und muss ihren hohen Energiebedarf decken. Hierfür wird unter anderem Gas benötigt. Die Gasspeicher hingegen sind, ebenfalls als direkte Auswirkung der Pandemie, nicht so hoch gefüllt wie in der Vergangenheit. Durch das reduzierte Angebot erhöht sich der Preis für Gas.

Insbesondere Asien hat derzeit einen hohen Bedarf an Erdgas. Der Rohstoff wird dort zu deutlich höheren Preisen eingekauft und der Markt somit vorrangig beliefert. 

In Europa hat vor allem die politische Situation zwischen Russland und der Ukraine direkte Auswirkungen auf die Lieferkette von Gas. Durch die Reduzierung der Liefermengen aus Russland wird die Verfügbarkeit entsprechend eingeschränkt, wodurch die Gaspreise weiter steigen. 

Da Gas auch als Energieträger für die Stromerzeugung dient, hat die Angebotsverknappung ebenfalls direkten Einfluss auf die Entwicklung des Strompreises. 

Erdgas

Fokus Gas – Hauptgründe für den aktuell steigenden Gaspreis

Auch bei der Gaspreisentwicklung ist die Erhöhung der Beschaffungspreise der Energiequelle ausschlaggebend für den derzeitigen Preisanstieg.

1. Heizsaison

Die Energiequelle Gas hat im Winter Saison. Da Erdgas häufig zum Heizen genutzt wird, ist der Rohstoff besonders im Winter sehr begehrt. Allerdings sind aufgrund der Coronapandemie die Gasspeicher in Europa nicht so hoch gefüllt, wie zuvor. Gleichzeitig erholt sich die Wirtschaft derzeit wieder und meldet erhöhten Bedarf an Gas an. Das Angebot ist also geringer als die Nachfrage, wodurch sich der an der Börse gehandelte Preis für Gas erhöht.

Gasspeicher

2. Politische Situation zwischen Russland und der Ukraine

Das russische Unternehmen Gazprom ist der wichtigste Gaslieferant Europas. Die Gaszufuhr über die Pipeline Jamal ist zurzeit unterbrochen und die Inbetriebnahme der neuen Pipeline Nord Stream 2 ist derzeit nicht absehbar. Zusätzlich wurden die Gasflüsse aus der Nord Stream 1 auf etwa 40% der Maximalleistung gedrosselt. Hierdurch kommt es zu einer Verknappung des Rohstoffes auf dem deutschen Markt. Die Großhandelspreise sind in Folge der Lieferreduzierung spürbar gestiegen und haben sich zuletzt auf höherem Niveau eingependelt. (Bundesnetzagentur - Aktuelle Lage Gasversorgung)
Zusätzliche Lieferungen durch Norwegen und die USA wurden vereinbart. 

3. Flüssiges Erdgas nicht lieferbar

Eine Kompensation der fehlenden Gasmengen durch verflüssigtes Erdgas (LNG) ist derzeit nicht möglich. Grund hierfür ist, dass die entsprechenden Lieferungen vorrangig im asiatischen Raum erfolgen, da die dort erzielten Preise höher als im europäischen Raum sind.

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Stand: 10.02.2022

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Fotos: Jimmy Eriksson (Agency NORD ID / NORD DDB), Martijn Ooms