Lösen Sie das Wärmewende-Puzzle! Die Heizung der Zukunft
Die Frage „Womit heize ich eigentlich in Zukunft?“ fühlt sich für viele an wie ein schwer zu lösendes Puzzle: Wärmepumpe, Fernwärme, Dämmung, Gesetze, Förderungen. Man sitzt vor diesen Begriffen, dreht jedes Teil fünfmal in der Hand und hat trotzdem das Gefühl: Ich fange lieber erst morgen an. Doch das Energie-Puzzle ist lösbar und es entsteht schnell ein klares Bild, sobald man die wichtigsten Teile an die richtige Stelle legt.
Warum wir neu puzzeln müssen
Heizen – für die meisten von uns so selbstverständlich wie der morgendliche Kaffee. Doch während wir es uns zu Hause gemütlich machen, läuft im Hintergrund noch immer meist Gas oder Öl durch die Leitungen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) soll genau das ändern und dabei helfen, diesen Bereich langfristig weiterzuentwickeln und den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. „Das Gesetz hat die Funktion, im Gebäudesektor den Klimaschutz voranzutreiben“, erklärt Dr. Susanne Dröge, Leiterin der Abteilung Klimaschutz und Energie im Umweltbundesamt. Und sie beruhigt: „Keiner muss seine Öl- oder Gasheizung sofort rausreißen. Sie kann repariert werden und noch Jahre betrieben werden.“ Es geht demnach nicht um Panik, sondern um eine klare Richtung.
Der wichtigste Anfang: Energie sparen, bevor man investiert
Also alles Schritt für Schritt. „Damit uns die Wärmewende gelingt, müssen wir vor allem zwei Dinge tun“, fasst Dröges Kollege Jens Schuberth zusammen: „Gebäude dämmen so gut es eben geht und dann auf erneuerbare Energien umstellen.“ Oder anders gesagt: Erst die Hülle, dann das Herz.
Dass Dämmung oft unterschätzt wird, weiß auch Christian Grüner nur zu gut. Er ist Gründer des Dämm-Unternehmens VARM und sagt: „Das Spannende an Sanierungsfahrplänen ist, dass Wärmedämmung immer ganz oben steht. Das war selbst für mich ein Aha-Moment.“
Grüner und sein Team sanieren Häuser „innerhalb von ein bis zwei Tagen“, wie er erzählt, dank Einblasdämmung – einer Methode, um Hohlräume in Gebäuden nachträglich zu füllen und so die Wärmedämmung zu verbessern. Sie kostet deutlich weniger als klassische Fassadendämmungen und wirkt sofort: „Teilweise spart man bis zu 50 Prozent Heizkosten. Wer fünf Häuser dämmt“, so Grüner „kompensiert den gesamten CO₂-Fußabdruck einer Person in Deutschland“. Ein überraschend großer Hebel mit erstaunlich kleinem Aufwand.

Die Wärmepumpe: Das Herz vieler Lösungen
Ist die Frage nach der passenden Dämmung geklärt, folgt das nächste Puzzleteil: Welche Heizung soll ich kaufen? Für viele Häuser wird in Zukunft voraussichtlich die Wärmepumpe die wichtigste Heizform unter den modernen Heizsystemen. Nicht, weil sie Trend ist, sondern weil sie funktioniert. „Eine Wärmepumpe ist keine Verbrennungsmaschine“, erklärt Kathi Rüdiger, Inovationsingenieurin bei Vaillant und so jeden Tag mit der Weiterentwicklung der Technologie beschäftigt. „Sie funktioniert mit elektrischer Energie und ist wesentlich effizienter. Wenn wir eine Kilowattstunde elektrische Energie reinstecken, können wir drei bis fünf Kilowattstunden Wärmeenergie gewinnen.“ Zum Vergleich, diese Wärmemenge reicht aus, um einen durchschnittlichen Raum für etwa drei bis fünf Stunden zu heizen oder um zwei bis drei Duschen mit warmem Wasser zu ermöglichen.
Auch der weitverbreitete Mythos, dass sich die Wärmepumpe nur im Neubau lohnt, hat sich in der Realität nicht bestätigt. Wichtig wie bei allem im Leben: die richtige Planung.
Das betont auch Dr. Friedrich Sick, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. „Jeder denkt, ich muss die Heizung austauschen und eine Wärmepumpe kaufen. Aber da gehört mehr Planungsaufwand dazu.“ Doch genau dieser Aufwand zahlt sich aus: „Dass es im Endeffekt dann für alle viel billiger wird, wenn dieser Umstieg mal geschafft ist, das wird noch gar nicht kommuniziert.“ Seine Botschaft ist klar: „Technisch ist die Energiewende seit vielen Jahrzehnten gelöst, man muss es nur wollen.“

Warum man das Energie-Puzzle selten allein legt
Die gute Nachricht: Man ist dabei nicht allein. Energieberater sind in dem Prozess der Wärmewende die Menschen, die die Anleitung für das Puzzle im Kopf haben. Einer der vielen tausend Berater in Deutschland ist Markus Dietmann: „Ein Energieberater kann unabhängig beraten, was in welcher Reihenfolge Sinn ergibt, um energieeffizient und wirtschaftlich zu sanieren“, so der Experte. Dietmann erstellt die nötige Wirtschaftlichkeitsberechnung und führt einen durch den Förderdschungel – vom ersten Antrag bis zur finalen Auszahlung. Und die finanzielle Entlastung ist durchaus da. Wer heute auf das Heizen mit erneuerbaren Energien umsteigt, erhält bis zu 70 Prozent Förderung. Dietmann betont außerdem: „Wenn ich mich für eine Wärmepumpe entscheide, kann ich relativ klar davon ausgehen, dass ich in Zukunft geringere Energiekosten habe.“

Fernwärme: Das Gemeinschaftspuzzle der Städte
Wichtig bei alledem: Nicht jedes Haus braucht eine individuelle Lösung. In vielen Städten spielt neben Wärmepumpen auch die Fernwärme eine wichtige Rolle. Sie ist ein Wärmenetz, das wir alle gemeinsam tragen.
Wie das geht, zeigt ein Blick nach Rostock: „Wir sind die erste Großstadt, die einen konkreten und umfassenden Wärmeplan vorgelegt hat“, sagt Roland Schulz, Bereichsleiter Energiesysteme bei den dortigen Stadtwerken. Bereits über zwei Drittel der Haushalte sind angeschlossen – Tendenz steigend. Besonders spannend: Die Stadt nutzt Abwärme aus einer örtlichen Abfallverwertungsanlage.
Für Professor Sick ist ein Vorbild auch für andere Regionen: „Wir haben sehr viel Abwärme in unseren Städten – sie sollte genutzt werden.“ Und er fordert, Rechenzentren und andere Abwärmequellen „nicht irgendwo aufs Land“ zu bauen, sondern in Reichweite von Wärmenetzen. So entsteht eine Win-win-Situation für die Zukunft.
Während Rostock auf die Abwärme der Müllverbrennung setzt, geht man in einem Neubauquartier in München einen anderen Weg: Im Prinz-Eugen-Park zapft man die Erde selbst an – geothermische Wärme aus der Tiefe fließt dort durch die Leitungen. Ein Beispiel dafür, dass moderne Fernwärme viele Gesichter hat und jede Region ihre eigenen Schätze heben kann.
Schritt für Schritt zum klaren Bild
Was bleibt also? Ein Bild, das klarer ist, als viele denken:
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Dämmung ist der Anfang – schnell, effektiv, bezahlbar.
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Wärmepumpen sind das neue Herz vieler Gebäude – effizient und zukunftssicher.
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Fernwärme wird in Städten zum Gemeinschaftsprojekt – gespeist aus Umweltwärme, Geothermie und Abwärme.
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Planung ist kein Luxus, sondern der Schlüssel, der alles zusammenfügt.
Das Puzzle der Wärmewende ist hat viele Teile, aber wir stehen längst nicht mehr ratlos davor. Schritt für Schritt setzt sich ein klares Bild zusammen: ein warmes, effizientes Zuhause, das verlässlich funktioniert, heute und in Zukunft. Was nun nur noch fehlt, sind die eigenen Handgriffe, um die Teile zusammenzufügen. Mehr dazu in unserer Videoserie: Unsere Energie: Wärme – Alle Episoden in Übersicht
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