Wie vegane Ernährung und Klima zusammenspielen

Zuletzt aktualisiert am 9.10.2026

Lesedauer: 10 Minuten

Auf dem Weg zu einem Leben mit geringerer CO2-Belastung spielt nicht nur die Energieversorgung eine Rolle, sondern auch unser Alltag. Unsere Ernährung beeinflusst beispielsweise nicht nur die eigene Gesundheit, sondern verursacht auch Treibhausgasemissionen. Ein Grund unter mehreren für Veganer:innen, tierische Lebensmittel mit ihrem großen ökologischen Fußabdruck konsequent aus der Ernährung zu streichen – Fleisch, aber auch Milchprodukte wie Käse oder Eier und Honig sind in einer rein veganen Ernährungsweise tabu. Doch auch pflanzliche Lebensmittel können große CO2-Fußabdrücke hinterlassen. Hilft eine vegane Ernährung also wirklich im Kampf gegen den Klimawandel? 

Wie beeinflusst vegane Ernährung die CO2-Bilanz?

15 Prozent unseres Fußabdrucks in Bezug auf Treibhausgase geht auf die Ernährung zurück. Das ist fast gleich viel wie für die Mobilität ohne Flugreisen. Mit zwei Drittel der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen machen die tierischen Lebensmittel einen Großteil aus.

Im Vergleich mit konventionell erzeugtem Fleisch schneiden pflanzliche Ersatzprodukte deutlich besser ab. Ein Beispiel: Bei der Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Sojabasis werden 2,8 Kilo Treibhausgase ausgestoßen, bei Schweinefleisch 4,1 Kilo.

Und was die Veganer:innen den Vegetarier:innen in punkto CO2-Fußabdruck voraus haben: Auch Milch und Milchprodukte – auf die Veganer.innen verzichten – sind klimabelastend. Käse erzeugt beispielsweise vergleichbare Treibhausgasemissionen wie Geflügel- und Schweinefleisch.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung fasst es kurz und knapp so zusammen: Eine vegane Ernährung stellt eine empfehlenswerte Maßnahme zur Verringerung der Umweltbelastungen des Ernährungssystems dar. 

Personen in Deutschland, die sich selbst als Veganer:in einordnen oder als Leute, die weitgehend auf tierische Produkte verzichten - Jahre 2015 bis 2025

Planetary Health Diet: Essen für die Zukunft 

Die Planetary Health Diet ist eine wissenschaftlich fundierte Orientierung für eine Ernährung, die Gesundheit und Umwelt verbindet. Ihre klare Ausrichtung: mehr pflanzliche und weniger tierliche Lebensmittel. Der größte Teil unserer täglichen Ernährung sollte laut ihren Empfehlungen aus Gemüse (300 g), Hülsenfrüchten (75 g), Obst (200 g), Vollkornprodukten (232 g) und Nüssen (50 g) bestehen. 

Der CO2-Fußabdruck von pflanzlichen Lebensmitteln

Bio-Äpfel aus der Region, Karotten und frische Kartoffeln – also Obst- und Gemüsesorten mit vergleichsweise geringeren CO2-Äquivalenten – gehören zu den Klassikern auf dem Speiseplan von Veganer:innen. Aber auch pflanzliche Lebensmittel können einen hohen CO2-Fußabdruck haben. So schneidet beispielsweise die Klimabilanz von Reis 3,1 Kilo CO2-Äquivalente pro Kilo ziemlich schlecht ab. Schätzungen gehen davon aus, dass der Anbau für 2,5 Prozent der menschgemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein könnte. Das liegt daran, dass die Felder für den Anbau üblicherweise unter Wasser gesetzt werden. In der Folge verfaulen organische Stoffe im Boden und geben Methan ab.

CO2-Fußabdruck von Obst und Gemüse in Deutschland

CO2-Äquivalente

Die Maßeinheit CO2-Äquivalent macht die Treibhausgaswirkung verschiedener klimaschädlicher Gase vergleichbar. Durch die Umrechnung in CO2 kann die Belastung aller Klimagase in einer Einheit dargestellt werden.

Gutes Trio: saisonal, regional, bio

Lebensmittel, die von weit her importiert werden, haben oft einen größeren ökologischen Fußabdruck. Das gilt natürlich besonders für die Anlieferung per Flugzeug. Ein Beispiel, das die Größenordnung zeigt: Jedes Kilo Erdbeeren, das im Winter in den Regalen unserer Supermärkte liegt und aus weit entfernten südlichen Gefilden kommt, erzeugt 3,4 Kilogramm Treibhausgase in CO2 umgerechnet (CO2-Äquivalente). Kommen regionale Erdbeeren auf den Tisch, wenn sie Saison haben, dann reduziert sich der Wert auf 0,3. Neben dem Transport beeinflussen auch Verarbeitung und Verpackung die Klimabilanz. Greenpeace zufolge erzeugt beispielsweise die Produktion von einem Kilogramm Tiefkühl-Erbsen bis zur Supermarktkasse 1,2 Kilogramm CO2, von Erbsen in Dose oder im Glas 1,7 Kilogramm CO2.

Frau im Garten Gemüseanbau

Auch wie Lebensmittel angebaut werden, wirkt sich aus. Dünger und Pflanzenschutzmittel schlagen sich auf die Klimabilanz nieder. Insbesondere synthetischer Stickstoffdünger gilt als problematisch. Neben der energieintensiven und damit klimabelastenden Produktion bildet sich bei der Anwendung Lachgas, das rund 265-mal klimaschädlicher ist als CO2. Unterm Strich ist Ökolandwirtschaft umweltfreundlicher als koventionelle, sagt das Umweltbundesamt. Das heißt aber nicht automatisch, dass Biolebensmittel in jedem Fall die bessere Wahl sind. Lange Transportwege können hier beispielsweise negativ zu Buche schlagen und auch die Energieeffizienz ist einen genauen Blick wert. 

Die Auswirkungen von Fleisch

Rund zwei Drittel aller Treibhausgasemissionen durch Lebensmittel stammen von tierischen Produkten – und der Fleischkonsum in Deutschland ist ziemlich hoch. Aktuell verzehren wir Deutschen durchschnittlich rund 55 Kilo Fleisch im Jahr – seit 2022 wieder mit steigender Tendenz. 

Futtermittel

In Südamerika wird nach wie vor viel Regenwald gerodet, um Platz für den Sojaanbau als Futtermittel zu schaffen. Die Fleischproduktion schadet der Umwelt also gleich doppelt: Die Regenwälder können CO2 nicht mehr aus der Luft filtern und natürliche Lebensräume sowie die biologische Vielfalt gehen verloren. Hinzu kommt die Klimabelastung durch den Transport des Sojas nach Europa.

Aber auch in Deutschland belastet die Viehzucht die Umwelt: Moore und Wälder werden in Weideflächen und Felder für die Landwirtschaft umgewandelt. Die Folge: Im Boden gespeichertes CO2 gelangt in die Atmosphäre. Insbesondere die Trockenlegung von Mooren ist ein großer Negativfaktor beim Klimaschutz, denn Moore sind sehr efektive CO2-Speicher. Aber auch im Wald werden hohe Mengen von Kohlendioxid absorbiert.

Klimagase

Wiederkäuer wie Rinder produzieren bei der Verdauung Methan, das rund 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist. Durch die starke synthetische Düngung in der Landwirtschaft kommt es zu einer Stickstoffüberversorgung. Kommt Nitrat mit Sauerstoff in Verbindung, entsteht daraus Lachgas. Es gilt als 265-mal klimaschädlicher als CO2.

Fleischverarbeitung und -transporte

Für die Fleischproduktion werden große Mengen Wasser benötigt. Außerdem schädigen Tiertransporte mit einem hohen CO2-Ausstoß der Klimabilanz.  

So viel Fleisch essen Deutsche im Jahr

Jahre 2015 – 2025

Die Höhe der CO2-Emissionen von Fleisch hängt von der Art der Tierhaltung und dem Endprodukt ab. Im Durchschnitt liegt der CO2-Fußabdruck eines Kilogramms Rindfleisch bei 30,5 Kilo CO2-Äquivalent. Schwein oder Hähnchen schneiden mit rund 4 Kilo CO2-Äquivalent etwas besser ab.

Neben dem Ausstoß von Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten trägt die Produktion tierischer Lebensmittel noch auf weiteren Ebenen zum Klimawandel bei.

Pflanzliche Fleischalternativen

Das Angebot veganer Alternativen zu tierischen Erzeugnissen wird immer variantenreicher. Als Grundlage für Fleischersatz dienen meistens Proteine, die aus Weizen (wie beispielsweise bei Seitan), Sojabohnen oder anderen eiweißhaltigen Hülsenfrüchten wie Erbsen, Linsen oder Lupinen gewonnen werden.

Neben den rein pflanzlichen Alternativen gibt es auch das sogenannte Labor- oder In-vitro-Fleisch, das sich aber trotz eines kurzfristigen Hypes immer noch in der Entwicklungsphase befindet.

Eine weitere Alternative: Protein aus fermentierten Pilzkulturen. Solchen myzelbasierten Fleischersatz gibt es als Quorn schon im Handel. Er spielt aber noch keine große Rolle.  

Vegan ist in

Wer vegan isst, fristet mittlerweile kein Nischendasein mehr. Die vegane Bewegung hat sich zu einem Mainstream-Trend entwickelt, so beurteilt es das Zukunftsinstitut. Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich selbst als Veganer einordnen, steigt jedenfalls. 1,65 Millionen waren es im Jahr 2025.

Gleichzeitig wird die Bewegung sichtbarer. Eine ihrer bekanntesten Mitstreiter:innen und Aktionen: Veganuary, eine gemeinnützige Organisation, die Menschen ermutigt, sich im Januar und darüber hinaus vegan zu ernähren. Im Januar 2026 probierten 30 Millionen Menschen weltweit laut dem Kampagnenbericht eine pflanzliche Ernährung aus – von Island bis Malaysia. In Deutschland kamen alleine in dem Monat mehr als 166 vegane Neuprodukte auf den Markt. Und auch die Gastronomie springt auf den Veganuary auf:  Die Bordgastronomie der Deutschen Bahn bot beispielsweise ein  Veganuary-Menü und Burger King launchte einen neuen veganen Burger mit Falafel. 

Dazu gibt es in vielen deutschen Städten vegane Streetfood Festivals, die über das ganze Jahr die Möglichkeit bieten, zu probieren, wie die pflanzliche Fleischalternativen schmecken. In Heidelberg gab es 2025 sogar einen veganen Weihnachtsmarkt.  

Ist vegane Ernährung gesund?

Die Umstellung auf eine vegane Ernährung kann – gut geplant – auch der Gesundheit helfen. So häufen sich die wissenschaftlichen Belege, dass Menschen, die vegan essen, im Schnitt weniger Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht und Typ-2-Diabetes haben, weil sie mehr Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst und Nüsse essen. 

Dennoch bezweifeln Kritiker:innen häufig, dass eine vegane Ernährung gesund sein könne. Ihr Hauptargument lautet: Fehlen Veganer:innen nicht wichtige Nährstoffe in großen Mengen? Wenn Fleisch einfach weggelassen wird, dann stimmt das. Wenn aber wichtige Nährstoffe, die im Fleisch und anderen tierischen Produkten stecken, durch andere geeignete Lebensmittel ausgetauscht werden, sieht die Bilanz schon deutlich besser aus.  

Die meisten wichtigen Nährstoffe lassen sich relativ einfach auch mit veganen Lebensmitteln zuführen, Proteine etwa durch Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse oder Ölsamen. Für Eisen bieten sich ebenfalls Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorngetreide oder Gemüse wie Schwarzwurzeln an. 

Aber bei Vitamin B12 ist ein Mangel bei veganer Ernährung leicht möglich, da es fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Ei, Milch oder Käse vorkommt. Hier empfiehlt sich oft die Einnahme eines Vitamin-B12-Präparates. Dies sollte jedoch mit einer Ärzt;in abgesprochen sein. Auch die ausreichende Versorgung mit Eiweiß, Vitamin D, Eisen und Jod kann schwierig sein. Am besten lassen Veganer:innen regelmäßig überprüfen, ob möglicherweise Nährstoffe fehlen. 

Das sagt die DGE: Unter Berücksichtigung sowohl gesundheits- als auch umweltrelevanter Aspekte ist eine Ernährungsweise mit einer deutlichen Reduktion tierischer Lebensmittel zu empfehlen. Eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie im gesamten Kindes- und Jugendalter wird von der DGE allerdings weiterhin nicht empfohlen. 

Tipp: Genau hinschauen

Nur weil etwas vegan ist, ist es nicht automatisch gesund. Wichtig ist, dass die Produkte nicht zu sehr verarbeitet sind und ihr Zucker- und Fettgehalt nicht zu hoch ist.  

Fazit: Vegane Ernährung und ihre Vorteile

Eine vegane Ernährung kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, da sie den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert – vor allem durch den Verzicht auf tierische Produkte, die den größten Anteil an ernährungsbedingten Emissionen verursachen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass auch pflanzliche Lebensmittel nicht automatisch weniger belastend für das Klima sind: Anbauweise, Transport und Verarbeitung spielen eine entscheidende Rolle für ihre Klimabilanz.

Wer auf eine ausgewogene, regelmäßige und nährstoffreiche Ernährung achtet und dabei auf regionale, saisonale und möglichst wenig verarbeitete Produkte setzt, kann die eigene CO2-Bilanz positiv beeinflussen – unabhängig davon, ob vollständig die Ernährung vegan, überwiegend pflanzlich oder moderat mit Fleisch ist. Eine gut geplante vegane Ernährung kann zudem gesundheitliche Vorteile bieten, erfordert aber Aufmerksamkeit bei einzelnen Nährstoffen.

Fragen und Antworten

So steht es um Ihren CO2 Abdruck

Ein paar einfache Fragen verraten Ihnen, wie viel CO2-Emissionen Sie im Alltag verursachen & wie Sie damit im Vergleich zum deutschen Durchschnitt liegen.

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