Kann man mit Solarstrom heizen?

Zuletzt aktualisiert am 26.5.2026

Lesedauer: 9 Minuten

Mehr als 80 Prozent der Haushaltsenergie wenden die Deutschen für Heizung und Warmwasser auf. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihre Wärmeversorgung mit eigenem Solarstrom effizienter gestalten und warum sich die Kombination aus Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe lohnt.

Kann man mit einer Photovoltaikanlage im Winter heizen?

Eine Photovoltaikanlage kann Ihr Heizsystem auch im Winter effektiv unterstützen, insbesondere in Kombination mit einer Wärmepumpe. Zwar bringt die Photovoltaikanlage im Winterhalbjahr aufgrund fehlender Sonnenstunden nur rund ein Drittel ihrer Leistung. Wenn nach dem Stromverbrauch im Haus Energie übrig bleibt, ist es aber in jedem Fall sinnvoller, sie in die Wärmeerzeugung zu investieren, statt sie ins öffentliche Netz einzuspeisen.

Welches Heizsystem ist am besten geeignet für Solarstrom?

Um den selbst erzeugten Strom aus Ihrer Photovoltaikanlage möglichst effizient zu nutzen, eignen sich vor allem strombasierte Heizsysteme wie Wärmepumpen. Sie können einen Teil ihres Strombedarfs direkt aus der PV-Anlage decken und arbeiten besonders effizient, da sie Umweltwärme nutzen. Auch einfache elektrische Anwendungen wie ein Heizstab im Warmwasserspeicher können sinnvoll sein, um überschüssigen Solarstrom kurzfristig zu verwerten. Reine Elektroheizungen sind dagegen aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs in der Regel nur als Ergänzung und nicht als zentrales Heizsystem empfehlenswert.

Für die Warmwasserbereitung kommen je nach Gebäudesituation unterschiedliche Lösungen infrage: In vielen Fällen übernimmt eine zentrale Wärmepumpe sowohl Heizung als auch Warmwasser. Alternativ kann eine separate Brauchwasserwärmepumpe eingesetzt werden, die gezielt mit PV-Strom betrieben wird, insbesondere wenn keine zentrale Wärmepumpenlösung vorhanden ist.

Wichtig ist: Heizsysteme sind nicht dauerhaft solarbetrieben, sondern nutzen den PV-Strom nur dann, wenn dieser aktuell zur Verfügung steht. Eine intelligente Steuerung kann dabei helfen, den Eigenverbrauch zu optimieren.

Elektroheizung Holzfußboden

Wärmepumpe steht an Hauswand im Garten

PV-Anlage mit Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe entzieht der Außenluft, dem Grundwasser oder dem Erdboden Wärme und erzeugt daraus Raumwärme und Warmwasser. Dafür benötigt die Wärmepumpe Strom, den sie allerdings sehr effizient nutzt: Eine Kilowattstunde Strom verwandelt eine moderne Wärmepumpe in mehrere Kilowattstunden Heizwärme. Wenn der Strom aus der Photovoltaikanlage vom eigenen Dach stammt, ist er nach Analysen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) mittlerweile deutlich günstiger als der Strom aus dem öffentlichen Netz: So liegen die Stromgestehungskosten für eine neue kleine Dachanlage etwa im Bereich von 6,3 bis 14,4 Cent pro kWh, während der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland (inklusive Grundversorgung) im Januar 2026 bei durchschnittlich ca. 37,2 Cent pro kWh lag.

Der selbst erzeugte Strom vom eigenen Dach ist somit etwa 3- bis 4-mal günstiger als der Strom, der aus der Grundversorgung bezogen wird. Die Einspeisevergütung für nicht verbrauchten Strom ist mit 7,78 Cent hingegen deutlich geringer, was den Eigenverbrauch finanziell vorteilhafter macht. Es liegt also nahe, den überschüssigen Solarstrom auch zum Heizen zu nutzen. Darüber hinaus kann eine Wärmepumpe im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden, wodurch sich der Eigenverbrauch zusätzlich steigern lässt.

Die ideale Kombination besteht aus Photovoltaikanlage, Stromspeicher und Wärmepumpe. Die Menge an elektrischem Strom, die die Solarmodule der Photovoltaikanlage erzeugen, ist nicht konstant, sondern variiert je nach Jahreszeit, Tageszeit und kurzfristige Wetterbedingungen. Der Stromspeicher gleicht diese Schwankungen in der Stromproduktion aus und stellt beispielsweise auch abends und nachts, wenn es dunkel ist, Solarstrom für die Wärmepumpe bereit. So kann der Eigenverbrauch noch gesteigert werden, was das Sparpotential weiter erhöht. Ein gesamtgesellschaftlicher Vorteil ist zudem, dass die Stromnetze durch den erhöhten Eigenverbrauch deutlich weniger beansprucht werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Kurzstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin von 2025.

Unser Video zu Heizen mit der Photovoltaikanlage

Lassen Sie sich in unserem Video auch von einem Experten erklären, wann das Heizen mit Solarstrom sinnvoll ist.

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3 Tipps zur optimalen Nutzung von Strom zum Heizen

Wie viel Strombedarf beim Heizen über Photovoltaik abgedeckt werden kann, hängt von der technischen Auslegung der Heizungs- und PV-Anlage ab. Mit diesen 3 Tipps holen Sie das Meiste aus dem Sonnenstrom heraus:


1. Hohe PV-Leistung wählen

Wenn Sie noch in der Planungsphase Ihrer Photovoltaikanlage sind, lassen Sie sich zur maximal möglichen Anlagenleistung auf Ihrem Dach beraten. Soll der Strom auch für die Wärmeerzeugung eingesetzt und mit einer Wärmepumpe kombiniert werden, ist es sinnvoll, die Photovoltaikanlage um etwa rund 3-5 kWp größer zu dimensionieren.


2. Passende Speicher nutzen

Der Stromspeicher für die Photovoltaikanlage und der Puffer- bzw. Warmwasserspeicher in der Heizung halten Energie in Form von Strom und Wärme vor. Je nach Größe dieser Speicher kann mehr Sonnenenergie für die Wärmepumpe genutzt und muss nicht ins Netz eingespeist werden.


3. Energetischen Standard optimieren

Um den Strom aus der Photovoltaikanlage möglichst effizient zum Heizen zu nutzen, kann eine energetische Sanierung sinnvoll sein. Wenn das Haus insgesamt weniger Energie benötigt, muss auch weniger Strom – beispielsweise für die Wärmepumpe – zugekauft werden.

Warmwasser mit Photovoltaik erzeugen

Um mit Sonnenenergie warmes Wasser zu erzeugen, gibt es neben der Solarthermie eine weitere Möglichkeit: einen elektrischen Heizstab. Er funktioniert wie ein Tauchsieder – Strom wird direkt in Wärme umgewandelt. Eingebaut im Warmwasserspeicher erhitzt der Heizstab das Trinkwasser.

Produziert die Photovoltaikanlage mehr Strom, als im Haushalt gerade benötigt wird, kann dieser Überschuss automatisch für die Warmwasserbereitung genutzt werden. Der Heizstab schaltet sich dann ein und wandelt den überschüssigen Solarstrom in Wärme um. Je nach Größe der Photovoltaikanlage und dem individuellen Verbrauch lässt sich so in den Sommermonaten der Warmwasserbedarf oft vollständig decken.

Warmwasser-System Grafik

Elektrischer Heizstab mit Pufferspeicher

Der Heizstab kann auch im Pufferspeicher eingesetzt werden. In diesem großen, isolierten Behälter wird heißes Heizungswasser vorgehalten und bei Bedarf in die Heizkörper gespeist. Abgekühltes Heizungswasser strömt zurück in den Pufferspeicher, um dort erneut erwärmt zu werden.

Ein elektrischer Heizstab kann im Pufferspeicher auf zwei Arten betrieben werden: Es gibt Modelle, die den Solarstrom direkt von der Photovoltaikanlage nutzen (DC-gekoppelt). In diesem Fall wird der erzeugte Strom unmittelbar in Wärme umgewandelt – er steht dann allerdings nicht für andere Verbraucher im Haushalt zur Verfügung – was wirtschaftlich nicht besonders sinnvoll erscheint.

Ist die Photovoltaikanlage dagegen an einen Wechselrichter angeschlossen (AC-gekoppelt) und ins Hausnetz eingebunden, wird der erzeugte Strom zunächst im Haushalt genutzt, zum Beispiel für Beleuchtung oder Haushaltsgeräte. Nur überschüssiger Strom wird anschließend für die Wärmeerzeugung im Pufferspeicher verwendet.

Solarbetriebene Warmwasser-Wärmepumpen

Eine weitere Möglichkeit zur Nutzung von Solarstrom ist der Einsatz von Brauchwasser-Wärmepumpen. Diese Geräte erwärmen ausschließlich das Trinkwasser für den Haushalt, etwa zum Duschen, Händewaschen oder Geschirrspülen, jedoch nicht das Heizungswasser. In Gebäuden mit zentraler Wärmepumpe ist eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe in der Regel nicht erforderlich, da die zentrale Anlage üblicherweise sowohl die Raumheizung als auch die Warmwasserbereitung übernimmt.

In solchen Fällen wird auch der PV-Strom bevorzugt direkt von der zentralen Wärmepumpe genutzt. Eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn kein zentrales Wärmepumpensystem vorhanden ist – beispielsweise als Ergänzung zu bestehenden Gas- oder Ölheizungen. Sie ermöglicht es, zumindest die Warmwasserbereitung teilweise auf Strom aus der Photovoltaikanlage umzustellen und so den Eigenverbrauch zu erhöhen.

Wichtig ist dabei: Auch diese Systeme sind nicht dauerhaft solarbetrieben, sondern nutzen den selbst erzeugten Strom nur dann, wenn er aktuell verfügbar ist. Das Label „SG Ready“ des Bundesverbands Wärmepumpe kennzeichnet Wärmepumpen, die für eine intelligente Steuerung ausgelegt sind und sich besser in ein Energiemanagementsystem integrieren lassen, etwa zur Nutzung von PV-Überschüssen.

Innovative Kombinationen von PV und Solarthermie

Wie die Photovoltaikanlage arbeitet auch die Solarthermie mit Sonnenenergie. Im Gegensatz zur Photovoltaik wird diese nicht für die Stromerzeugung genutzt, sondern direkt in Wärme für die Produktion von Warmwasser und zur Unterstützung der Heizung umgewandelt.

Der Wirkungsgrad von Photovoltaikzellen liegt aktuell bei etwa 23 Prozent. Das heißt: Nur ungefähr ein Fünftel der Sonnenenergie wird zu Strom. Der Rest geht größtenteils als Wärme verloren.

Moderne Kollektoren wissen das zu verhindern: Photovoltaisch-thermische Sonnenkollektoren (PVT) kombinieren nämlich Photovoltaik und Solarthermie: Die Photovoltaik erzeugt den Strom und die Solarthermie nutzt die Wärme für Heizung oder Warmwasser. Zusammen erreichen sie einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent. Zudem benötigen sie weniger Platz als zwei getrennte Anlagen für Solarthermie und Photovoltaik, sind also auch für kleine Dachflächen geeignet. Allerdings sind PVT-Module noch deutlich teurer als herkömmliche Photovoltaik-Module, durch eine komplexere Technik kosten sie 2-3-mal so viel. Sie lohnen sich daher nur in Haushalten mit einem ganzjährig hohen Wärmebedarf: etwa für große Familien mit einem hohen Warmwasserverbrauch oder für Häuser mit eigenem Schwimmbad. Für ein kleines Einfamilienhaus ist eine Photovoltaikanlage plus Wärmepumpe derzeit wirtschaftlicher.

Elektroheizung eignet sich für kleine Räume

Wer Strom aus der Photovoltaikanlage für die Erzeugung von Wärme nutzen möchte, kann ihn auch in eine Elektroheizung leiten. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Varianten an Elektroheizungen. Ein Konvektor erwärmt beispielsweise kalte Luft, indem er sie an den Heizdrähten der Heizung vorbeiführt. Eine weitere Form der Elektroheizung ist die Infrarotheizung. Sie erwärmt nicht die Luft, sondern die Wände und Gegenstände im Raum. Aufgrund ihres hohen Stromverbrauchs sind Elektroheizungen allerdings eher für kleine Räume sinnvoll, in denen nicht dauerhaft Wärme erzeugt werden muss. Für ein ganzes Haus wären sie keine Option. Effizienter ist die Nutzung des Solarstroms für den Betrieb einer Wärmepumpe.

Solaranlage für den Saunabetrieb nutzen?

Im Sommer erzeugt eine Photovoltaikanlage regelmäßig mehr Strom, als der Haushalt verbrauchen oder speichern kann. Eine weitere Möglichkeit, um den Solarstrom zu nutzen, ist der Betrieb einer Sauna. Mini-Saunen mit weniger als 5 Kubikmetern Größe benötigen oft nur eine Ofenleistung von circa 3 kW und lassen sich über den Hausstromanschluss betreiben. Auch wenn die Sauna über einen Wechselstromanschluss läuft, können Sie für das Aufheizen der Schwitzkabine Solarstrom nutzen.

Gut zu wissen: Solarthermie für die Sauna
Auch Solarthermie kann für den Saunabetrieb genutzt werden. Die Saunasteine werden in speziellen Solarsaunen durch Solarthermie-Kollektoren erwärmt.

Fazit: Dann lohnt sich Heizen mit Photovoltaik

Eine Photovoltaikanlage hilft, günstiger und effizienter zu heizen. Besonders effektiv ist sie in Kombination mit einem Batteriespeicher und einer Wärmepumpe. Der Batteriespeicher kann den mit der Photovoltaikanlage erzeugten Strom dann für den Betrieb der Wärmepumpe in den dunklen Stunden des Tages vorhalten. Alternativ kann die Photovoltaikanlage an einen elektrischen Heizstab gekoppelt werden, der entweder das Heizungswasser oder das Brauchwasser erhitzt. Je nach Größe der Photovoltaikanlage kann die Wärmepumpe oder die konventionelle Heizanlage im Sommer ganz ausgeschaltet werden. Das spart erhebliche Kosten.

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