Windkraftanlage auf grüner Wiese, hinten sind die Berge zu sehen
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Erstellt am: 7.7.2026
Lesedauer: 10 Minuten

Gasverbrauch

Der Gasverbrauch bezeichnet die Menge an Gas, die in einem bestimmten Zeitraum zur Energieerzeugung genutzt wird. Er wird in Kilowattstunden (kWh) gemessen. In Haushalten mit Gasanschluss gelangt das Gas über das öffentliche Gasnetz ins Gebäude oder in die Wohnung. Dort wird es – je nach Ausstattung – zum Heizen, zur Warmwasserbereitung oder zum Kochen eingesetzt, etwa über eine Gastherme, eine Zentralheizung oder einen Gasherd. Der individuelle Gasverbrauch lässt sich am Gaszähler ablesen; bei zentral versorgten Gebäuden erfolgt die Abrechnung meist über die Vermieter:innen oder die Hausverwaltung.

Gasarten im Überblick

Gas ist nicht gleich Gas: Verschiedene Gasarten unterscheiden sich unter anderem in ihrem Energiegehalt und in ihrem Brennwert. Für die Berechnung des Gasverbrauchs ist es deshalb wichtig zu wissen, welche Gasart genutzt wird.

Erdgas

Erdgas ist eine der am häufigsten genutzten Gasarten weltweit. Es ist ein natürlich entstandenes Gasgemisch, das oft zusammen mit Erdöl in unterirdischen Reservoiren vorkommt. Es besteht zum Großteil aus hochentzündlichem Methan und zählt zu den fossilen Brennstoffen. Das Gas wird vorwiegend zum Heizen, zur Stromerzeugung und als Treibstoff verwendet. Erdgas hat mit 26,9 Prozent den zweithöchsten Anteil am deutschen Energiemarkt, nach Mineralöl (Stand 2025) .

Flüssigerdgas (LNG) 

Flüssigerdgas, auch bekannt als Liquefied Natural Gas (LNG), ist Erdgas, das bei Temperaturen von etwa -162°C abgekühlt und dadurch verflüssigt wird. Sein Volumen verringert sich in flüssiger Form um rund das Sechshundertfache.  So kann es komprimiert gelagert und transportiert werden. Chemisch handelt es sich, genau wie bei Erdgas, hauptsächlich um Methan. Deshalb lässt es sich überall dort anwenden, wo sonst Erdgas zum Einsatz käme.

Flüssiggas (LPG)

Flüssiggas bzw. Liquefied Petroleum Gas (LPG) ist ein Gasgemisch, das vor allem aus Propan und Butan besteht. Anders als beim Flüssigerdgas wird beim Flüssiggas die Verflüssigung durch Kompression erreicht. Dafür reicht bereits ein geringer Druck aus. Es wird als natürliches Nebenprodukt der Raffinierung von Erdöl zu Benzin gewonnen und ist vielfältig einsetzbar: unter anderem für die Flüssiggasheizung, verschiedene gewerbliche und industrielle Prozesse sowie als Flaschengas, beispielsweise auf Campingplätzen. Flüssiggas hat einen besseren Brennwert als Erdgas. Der Brennwert bemisst die Wärmemenge, die ein Stoff bei der Verbrennung freisetzen kann.

Biogas

Biogas ist – im Gegensatz zu Erdgas – nicht fossilen Ursprungs. Es wird also nicht aus unterirdischen Lagerstätten gefördert, sondern durch die Vergärung von Biomasse (Pflanzenreste, schnell wachsende Energiepflanzen und Tierdung) in Biogasanlagen gewonnen. Es besteht hauptsächlich aus Methan und Kohlendioxid und zählt zu den erneuerbaren Energiequellen. Biogas wird vorwiegend zur Erzeugung elektrischer Energie oder als Fahrzeugtreibstoff verwendet und in aufbereiteter Form ins Gasnetz eingespeist.

Wasserstoff

Wasserstoff gilt als zukunftsträchtiger Energieträger, der das  Potenzial hat, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und die Energiewende voranzutreiben. Dabei ist Wasserstoff keinesfalls neu – im Gegenteil: Er ist das häufigste chemische Element im Universum und damit nahezu unbegrenzt vorhanden. Da Wasserstoff in der Natur jedoch kaum rein vorkommt, sondern meist an andere Stoffe gebunden ist (z.B. an Sauerstoff im Wasser), muss er zunächst aufgespalten werden – meist durch Energiezufuhr in Form von Strom oder Wärme. Deshalb handelt es sich bei Wasserstoff, anders als bei fossilen Energieträgern, nicht um Primärenergie. Noch werden für die Herstellung von Wasserstoff derzeit meist fossile Energieträger als Primärenergie eingesetzt. Hierfür mehr und mehr auf erneuerbare Energien wie Sonnen- und Windenergie zu setzen, ist die zukunftsorientierte Alternative. Der Vorteil von Wasserstoff: Bei der Verbrennung entsteht kein klimaschädliches CO2, sondern Wasser.

Gasverbrauch Deutschland

Gas ist in Deutschland eine der wichtigsten Energiequellen für Wärme – also zum Heizen und zur Warmwasserbereitung. Einer aktuellen Studie des Bundesverbands Deutscher Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge ist die Gasheizung nach wie vor die am weitesten verbreitete Heiztechnik in Wohngebäuden: Rund 42 Prozent der Wohnungen werden überwiegend mit Erdgas beheizt, gefolgt von Öl-Zentralheizungen und Fernwärme.

Ein Blick auf die Verteilung des Gasverbrauchs zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Verbrauchsgruppen: Nach Angaben der Bundesnetzagentur entfielen im Jahr 2024 rund 60 Prozent des gesamten Gasverbrauchs in Deutschland auf die Industrie. Privathaushalte und Gewerbe nutzten zusammen etwa 39 Prozent.

Der Gasverbrauch privater Haushalte ist vor allem in Städten und dicht besiedelten Regionen hoch, wo das Gasnetz gut ausgebaut ist. Gleichzeitig befindet sich der Heizungsmarkt im Wandel: Wärmepumpen und andere erneuerbare Heizsysteme gewinnen insbesondere in Neubauten an Bedeutung. In Bestandsgebäuden sollen Gas- und Ölheizungen schrittweise ersetzt werden – nicht zuletzt im Zuge der Wärmewende und zur Reduktion von CO₂-Emissionen. In der Industrie wird Gas hingegen nicht nur zum Heizen eingesetzt, sondern auch als Prozessenergie und – etwa in der chemischen Industrie – als wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung von Düngemitteln und anderen Grundstoffen.

Gaskrise

Mit dem Krieg in der Ukraine endeten 2022 die Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland. Da ein großer Teil des deutschen Gasbedarfs zuvor aus Russland gedeckt wurde, führte das zu einer Energiekrise mit stark steigenden Gaspreisen und Sorgen um die Versorgungssicherheit. Besonders die Industrie war von den hohen Preisen früh betroffen.

Heute bezieht Deutschland sein Gas vor allem aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden sowie über verflüssigtes Erdgas (LNG). Um Engpässe zu vermeiden, wurden die Gasspeicher gezielt gefüllt und Energiesparmaßnahmen eingeführt.

Auch wenn sich die Versorgungslage inzwischen stabilisiert hat und die Preise deutlich gesunken sind, bleiben die Gaspreise schwankungsanfällig. Für viele Haushalte ist das ein Anlass, den eigenen Gasverbrauch genauer zu prüfen und Einsparmöglichkeiten zu nutzen. Gleichzeitig hat die Gaskrise den Ausbau erneuerbarer Energien und den Umstieg auf alternative Heizsysteme deutlich beschleunigt.

Durchschnittlicher Gasverbrauch 1 bis 4 Personen pro Jahr

Der durchschnittliche Gasverbrauch in Haushalten kann stark variieren. Entscheidend sind die Wohnfläche und die Anzahl der Personen im Haushalt. Auch die Effizienz der Heizung, der Zustand der Therme, die Dämmung des Gebäudes sowie das individuelle Heiz- und Nutzungsverhalten spielen eine Rolle. Aber wie viel Kilowattstunden (kWh) Gasverbrauch ist normal?

Gasverbrauch 4 Personen:

Bei einem Vier-Personen-Haushalt liegt der durchschnittliche Gasverbrauch je nach Bedingungen zwischen 10.000 kWh und 20.000 kWh pro Jahr – eine Bandbreite, die zeigt, wie unterschiedlich der tatsächliche Bedarf sein kann.

Gasverbrauch 2 Personen:

Der jährliche Gasverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts liegt je nach Wohnungsgröße bei 6.200 bis 12.000 kWh.

Gasverbrauch 1 Person:

Singlehaushalte verbrauchen um 4.200 kWh bei einer Wohnfläche von 30 Quadratmetern, 7.000 kWh bei 50 Quadratmetern und um die 11.200 kWh bei 80 Quadratmetern.

Grundsätzlich gilt: Wohnungen, die von beheizten Nachbarwohnungen umgeben sind, speichern Wärme besser als Häuser oder Wohnungen mit vielen Außenwänden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Warmwasserbereitung: Wird auch das Warmwasser mit Gas erzeugt, steigt der Gasverbrauch entsprechend.

Durchschnittlicher Gasverbrauch pro Jahr

nach Wohnfläche

 

30 m2

50 m2

80 m2

100 m2

150 m2

200 m2

Gasnutzung für Heizung 4.200 kWh 7.000 kWh 11.200 kWh 14.000 kWh 21.000 kWh 28.000 kWh
Gasnutzung für Heizung und Warmwasser 4.200 kWh 8.000 kWh 12.800 kWh 16.000 kWh 24.000 kWh

32.000 kWh

*Berechnet mithilfe der Standardformel 140 kWh (für Heizung) bzw. 160 kWh (für Heizung und Warmwasser) x Quadratmeter Wohnfläche

Statistiken zeigen, dass der Gasverbrauch saisonal unterschiedlich ist: Im Winter – vor allem im Dezember und Januar – ist er am höchsten, im Sommer – Juli und August – am niedrigsten. Grund dafür ist das stärkere Heizen bei niedrigen Temperaturen, häufig kombiniert mit einem höheren Warmwasserbedarf.

Gasverbrauch ablesen und berechnen

Der individuelle Gasverbrauch lässt sich auf unterschiedliche Weise berechnen. Am einfachsten ist es, den Gaszähler abzulesen, der in den meisten Wohnungen oder Häusern in der Nähe der Gasleitung sitzt – oft im Keller, im Heizungsraum oder in der Nähe der Gasheizung.

Um den jährlichen Gasverbrauch zu berechnen, empfiehlt es sich, den aktuellen Zählerstand mit dem Stand vor einem Jahr zu vergleichen. Um den durchschnittlichen monatlichen Verbrauch zu berechnen, teilen Verbraucher:innen den gesamten Jahresverbrauch durch zwölf.

Hinweis: Gaszähler messen den Verbrauch in Kubikmetern (m3). Für die Energieabrechnung wird der Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) umgerechnet. Eine Kilowattstunde entspricht etwa 0,1 Kubikmetern Gas. Mit 1 Kubikmeter Gas lässt sich dementsprechend eine Energiemenge von rund 10 Kilowattstunden erzeugen.

Zusammensetzung des Gaspreises

Der Gaspreis wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die Beschaffungs- und Vertriebskosten machen durchschnittlich mit einem Anteil von 61 Prozent den größten Teil davon aus. Mehr Informationen finden Sie in unserem Beitrag über die Gaspreiszusammensetzung.

Gasverbrauch reduzieren

Verbraucher:innen können ihren Gasverbrauch senken, indem sie zunächst prüfen, wie ihr Verbrauch im Vergleich mit ähnlichen Wohnungen ist. Liegt er deutlich darüber, kann das an der Heiztechnik, der Dämmung oder der Anzahl der Außenwände liegen. Oft lassen sich die Kosten bereits durch einfache Maßnahmen deutlich reduzieren – ohne großen Aufwand und hohe Investitionen.

Praktische Tipps zum Sparen von Gas:

Sind diese Möglichkeiten ausgeschöpft und der Verbrauch bleibt überdurchschnittlich hoch, kann eine individuelle Beratung durch Energieberater:innen sinnvoll sein. Diese wissen in der Regel auch über aktuelle staatliche Förderprogramme und Zuschüsse Bescheid – zum Beispiel für den Umstieg auf effizientere Heizlösungen wie Wärmepumpen – und können Verbraucher:innen gezielt dazu informieren.

Fazit: Gasverbrauch in Deutschland

Gas bleibt eine der wichtigsten Energiequellen in Deutschland und deckt den zweithöchsten Anteil der Energieversorgung. Aktuell heizen noch immer die meisten Privathaushalte in Deutschland mit Gas – auch für die Warmwasserbereitung. Wie hoch der Verbrauch ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich unter anderem durch die Art der Heizung, die Haushaltsgröße und das Heizverhalten abschätzen.  Die Wärmewende sieht langfristig eine Umstellung auf alternative Heizsysteme vor, nicht zuletzt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.

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