Erstellt am 17.2.2026
Lesedauer: 9 Minuten
Flüssigerdgas (LNG)
LNG markiert eine wichtige Wende in der deutschen Gaspolitik. Die Abkürzung steht für Liquefied Natural Gas, also Flüssigerdgas. Durch den Ukraine-Krieg und die Entscheidung Deutschlands, auf russisches Pipelinegas zu verzichten, wurde Flüssigerdgas (LNG) zu einem stabilisierenden Pfeiler der deutschen Energieversorgung. Was Flüssigerdgas ist und was es von Flüssiggas (LPG) und komprimiertem Erdgas (CNG) unterscheidet.
Das erfahren Sie hier alles:
- So wird Erdgas flüssig
- Was passiert in einem LNG-Terminal?
- Welche Vor- und Nachteile hat LNG?
- Was ist der Unterschied zwischen LNG und LPG – Flüssigerdgas und Flüssiggas?
- Was ist der Unterschied zwischen LNG und CNG – Flüssigerdgas und komprimiertem Erdgas?
- So steht es aktuell um LNG
- Die Zukunft von LNG
- Fragen und Antworten zu LNG
So wird Erdgas flüssig
Erdgas wird durch Herunterkühlen flüssig, also zu LNG. Aber so einfach, wie das klingt, ist es bei Weitem nicht. Erstmal muss es gereinigt werden. Denn enthaltener Stickstoff, CO₂, Schwefel, längere Kohlenstoffketten und Wasser würden gefrieren, wären sie bei der Abkühlung noch im Gas enthalten. Nach der Reinigung besteht das Gas zu etwa 98 Prozent aus Methan. Dieses fast reine Gas wird dann auf etwa minus 162 Grad Celsius bis minus 167 Grad Celsius abgekühlt. Bei welcher Temperatur der Übergang von gasförmig zu flüssig exakt erfolgt, hängt von der Reinheit des Erdgases ab. In flüssiger Form ist das Volumen 600-mal kleiner als im gasförmigen Zustand.
Mit klassischen Kältemaschinen sind solche extrem tiefen Temperaturen nicht zu erreichen.
Deshalb muss das Erdgas in mehreren Schritten abgekühlt werden. Dafür wird ein physikalischer Kniff genutzt: Wird ein verdichtetes Gas entspannt, kühlt es sich ab, wird es verdichtet, erhöht sich die Gastemperatur.
Durch abwechselndes Entspannen, Verdichten und Abkühlen unter konstantem Druck lassen sich sehr tiefe Temperaturen erreichen. Der Vorgang wird so oft wiederholt, bis das Erdgas flüssig ist.
Grundsätzlich lässt sich das gewonnene Flüssigerdgas per Schiff, Bahn oder Lkw mit speziellen Kältetanks transportieren. Für große Entfernungen wird am häufigsten der Seeweg per Tanker gewählt.
Im Grunde genommen ist ein LNG-Terminal ein Umschlagplatz. Die Tanker liefern tiefgekühltes Flüssiggas, überwiegend aus den USA und Katar, zu den Zielhäfen. Angekommen in den LNG-Terminals, wird es entweder in riesige Tanks gepumpt und unter ständiger Beobachtung des Drucks und der Temperatur gelagert. Oder das LNG wird wieder in seinen gasförmigen Urzustand gebracht, indem es erwärmt wird. Hierbei hilft üblicherweise die Wärme des Meerwassers. Anschließend kann es über Erdgasleitungen an Haushalte oder Industrieunternehmen weitertransportiert werden. Wieder in Gasform umgewandelt, kann LNG überall eingesetzt werden, wo auch gewöhnliches Erdgas eingesetzt wird – zum Beispiel zum Heizen, zur Stromerzeugung, in der Metallindustrie oder direkt als Kraftstoff in der Schifffahrt.

Vorteile:
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LNG-Importe helfen bei einer sichereren Energieversorgung, indem sie Gasengpässe ausgleichen können.
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Für den Ferntransport werden keine Pipelines benötigt. Das verflüssigte Erdgas lässt sich auf Schiffen recht flexibel transportieren.
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Flüssiges Erdgas nimmt 600-mal weniger Raum ein als gasförmiges Gas, was den Transport erleichtert.
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LNG ist ein schadstoffärmerer Treibstoff als Diesel oder Schweröl, der meist in der Schifffahrt und im Schwerlastverkehr genutzt wird.
Nachteile:
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Das Erdgas flüssig zu bekommen, ist sehr energieaufwändig. Der Prozess verbraucht bis zu 20 Prozent der Energie, die im Gas enthalten ist.
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Methan, das den überwiegenden Teil von LNG ausmacht, soll 28-mal schädlicher für das Klima sein als CO₂, wie das Umweltbundesamt feststellt. Von der Förderung bis zum Einsatz entweichen Schätzungen zufolge zwischen 0,5 und 5 % des Methans.
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Bei LNG handelt es sich um Erdgas und damit um einen fossilen Brennstoff, der bei seiner Verbrennung CO₂-Emissionen freisetzt.
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Deutschland erhält sein Flüssigerdgas vor allem aus den USA. Dort wird Erdgas unter anderem mit der sogenannten Fracking-Methode gewonnen, die mit Umweltrisiken und weiteren Emissionen verbunden ist.
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Kühlung und Transport kosten viel Energie. Und ein Transport mit Tankern, oder Lkws, die sich mit Hilfe von Schweröl oder Diesel fortbewegen, belastet die Umwelt.
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Lagerung und Transport von flüssigem Gas erfordert hohe Sicherheitsanforderungen, da Erdgas leicht entflammbar ist

Was ist der Unterschied zwischen LNG und LPG – Flüssigerdgas und Flüssiggas?
Die Begriffe lassen sich leicht verwechseln, bezeichnen aber verschiedene Energieträger. Um die Unterschiede zu erklären, hilft erstmal ein Blick darauf, was LPG ist. LPG besteht hauptsächlich aus Propan und Butan. Das Kürzel steht für Liquefied Petroleum Gas, also verflüssigtes Gas aus Erdöl. Hauptsächlich wird Flüssiggas bei der Erdöl- und Erdgasförderung mitgefördert. Das trifft für 60 Prozent zu. Die restlichen 40 Prozent des Flüssiggases entstehen als Nebenprodukt bei der Weiterverarbeitung von Rohöl in den Raffinerien.
LPG wird bereits bei leichtem Überdruck – bei Zimmertemperatur liegt dieser zwischen 1 und 8 bar, abhängig von der Mischung aus Propan und Butan – flüssig. Transportiert wird Flüssiggas in Druckgasflaschen oder -tanks. Es wird überwiegend in Gebieten ohne Erdgasversorgung eingesetzt. Der große Tank, der im Garten aufgestellt oder vergraben wird, ist ein typisches Bild für Heizungen, die mit LPG betrieben werden. Außerdem wird Flüssiggas als Treibstoffalternative zu Benzin oder Diesel verwendet.
Der Unterschied zu LNG:
Flüssigerdgas besteht fast ausschließlich aus Methan und wird als Erdgas gefördert. Flüssig wird es durch extremes Herunterkühlen und transportiert in speziellen Tiefkühltanks. Was die Nutzung angeht: Wieder gasförmig kann es ins Gasnetz eingespeist werden. Es kann aber auch als Treibstoff für Nutzfahrzeuge, wie Lkw oder Tanker, genutzt werden oder als Energiequelle etwa für KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung) dienen.

Was ist der Unterschied zwischen LNG und CNG – Flüssigerdgas und komprimiertem Erdgas?
CNG (Compressed Natural Gas) besteht überwiegend aus Methan und ist als komprimiertes Erdgas gasförmig. Die Verdichtung von Erdgas zu CNG findet mit einem Druck von etwa 200 bar statt. CNG wird als Kraftstoff für kürzere Strecken und leichtere Fahrzeuge eingesetzt. Allerdings ist die Nachfrage nach Erdgasfahrzeugen relativ gering. Die Hersteller setzen bei alternativen Antrieben mittlerweile klar auf Elektromobilität. Aktuell gibt es auf dem deutschen Markt daher keine CNG-Modelle mehr als Neuwagen und auch die Zahl der Tankstellen wird immer weniger.
Der Unterschied zu LNG:
LNG hat als flüssiges Erdgas eine deutlich höhere Energiedichte. Deshalb ist es als Treibstoff besonders gut für den Langstreckentransport von schweren Fahrzeugen wie Lkw und Schiffen geeignet.
So steht es aktuell um LNG
Das LNG-Beschleunigungsgesetz (LNGG) wurde im Mai 2022 als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den darauffolgenden Importstopp russischen Pipelinegases nach Deutschland verabschiedet. Das Ziel: Mithilfe beschleunigter Genehmigungsverfahren sollte schnellstmöglich eine LNG-Infrastruktur für Importe in großem Umfang ausgebaut werden, um für mehr Sicherheit bei der Energieversorgung zu sorgen.
Das schwimmende LNG-Terminal (FSRU) in Wilhelmshaven war das erste bundesweit. FSRU (Floating Storage and Regasification Units) sind üblicherweise umgerüstete LNG-Schiffe. Inzwischen gibt es weitere schwimmende Terminals in Brunsbüttel und Mukran. Das Terminalschiff in Stade wartet noch darauf, seinen Betrieb aufzunehmen. Perspektivisch sollen die LNG-Anlagen in Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel in einigen Jahren durch feste Anlagen an Land abgelöst werden. Beschleunigte Genehmigungsverfahren für neue LNG-Infrastrukturprojekte gibt es aktuell nicht mehr. Seit Juli 2025 ist das Laufzeitende für entsprechende Abschnitte im LNG-Beschleunigungsgesetz erreicht.
Die Zukunft von LNG
Deutschland hat sich per Gesetz auf die Fahnen geschrieben, bis 2045 klimaneutral zu sein. Bis spätestens dann soll entsprechend auch die Nutzung von LNG-Gas eingestellt werden. Schon im LNG-Beschleunigungsgesetz von 2022 ist daher festgelegt, dass die LNG-Infrastruktur mit dem künftigen Aus für fossiles Gas für zukunftsfähigen Wasserstoff weitergenutzt werden soll.
Konkret heißt das: Die geplanten festen Terminals in Brunsbüttel und Stade werden – so weit wie möglich – für einen späteren Betrieb mit Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen, beispielsweise in Form von Ammoniak, vorgerüstet. Das feste Terminal in Wilhelmshaven ist gleich von Beginn an als Gasterminal für synthetisches, aus Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen hergestelltes Methan angelegt.
LNG ist die Abkürzung für „Liquefied Natural Gas“. Dabei handelt es sich um Erdgas, das auf unter minus 162 Grad Celsius gekühlt wird und dadurch flüssig wird. So lässt es sich auch ohne Pipelines transportieren. Wieder in Gas umgewandelt, kann LNG überall dort verwendet werden, wo Erdgas eingesetzt wird.
LNG wird nicht mit einem eigenen Preis an der Börse gehandelt, sondern kostet so viel wie Erdgas, sobald es eingespeist wurde. Jedoch können die höheren Beschaffungspreise für Flüssigerdgas den Gashandel beeinflussen und den Preis für das an der Börse gehandelte Pipeline-Gas verteuern.
LNG ist die Abkürzung für „Liquefied Natural Gas“ und ist eine andere Bezeichnung für flüssiges Erdgas, das bei einer Temperatur von rund minus 162 Grad entsteht. LPG steht für „Liquefied Petroleum Gas“, also verflüssigtes Gas aus Erdöl. Hauptsächlich wird Flüssiggas bei der Erdöl- und Erdgasförderung mitgefördert. CNG wiederum ist das Kürzel für „Compressed Natural Gas“. Das durch einen Druck von 200 bis 250 bar stark verdichtete Erdgas behält seinen gasförmigen Zustand.