Interview: Erfahrungen zum dynamischen Stromtarif mit PV-Anlage und E-Auto

Erstellt am 2.2.2026
Lesedauer: 4 Minuten
 

Dynamische Stromtarife gelten als einer der spannendsten Trends der Energiewende – doch wie bewähren sie sich im Alltag? In unserem Interview teilt Nicole ihre Erfahrungen mit einem dynamischen Stromtarif. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Doppelhaus und nutzt eine Kombination aus PV-Anlage, Stromspeicher, Wallbox und Elektroauto.

Ausgangslage

  • Stromverbrauch 3-Personen Haushalt: ca. 5.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr
  • E-Auto: 12.500 Kilometer jährlich
  • Photovoltaikanlage: mit 4,2 kWp- und 5-kWh-Speicher

Ein Teil des Stromverbrauchs des 3-Personen-Haushalts wird mit einer 4,2 kWp-Photovoltaikanlage und einem 5-kWh-Speicher bereits abgedeckt. Doch spannend wird es in den Zeiten, in denen der selbst erzeugte Strom nicht ausreicht. Genau hier setzt der dynamische Stromtarif an: Er orientiert sich an den Börsenstrompreisen und eröffnet flexible Sparpotenziale, etwa beim Laden des E-Autos oder beim Betrieb von Haushaltsgeräten.

Frage: Warum passt ein dynamischer Stromtarif zu dir?

Antwort Nicole: „Wir sind eine dreiköpfige Familie im Doppelhaus mit PV-Anlage, Speicher und E-Auto. Für unser Zuhause wollten wir einen Tarif, der die Zeiten abdeckt, in denen wir uns nicht selbst versorgen können. Der dynamische Tarif kostet uns im Sommer weniger, im Winter etwas mehr. In einer monatlichen Abrechnung zahlen wir nur das, was wir wirklich entsprechend pro Monat verbrauchen. Preiszeitfenster zeigen uns, wann besonders viel erneuerbare Energie im Netz ist – größere Stromverbräuche verschieben wir gezielt in diese günstigen Zeiten. Der Grundverbrauch, also Licht, TV oder Kühlschrank, bleibt davon meist unberührt.”
 

Frage: Wie läuft das konkret ab? Wie verfolgst du die Börsenstrompreise?

Antwort Nicole: „Die aktuellen Strompreise für heute und morgen checke ich auf der Vattenfall-Website, bevor ich zum Beispiel eine Wäsche starten, das E-Auto laden oder den Geschirrspüler starten möchte. Abgaben, Umlagen und Steuern als weitere Komponenten des Strompreises fallen natürlich noch zusätzlich an.”

Frage: Lässt sich die Strom­steuer­ung noch weiter verbessern?

Antwort Nicole: „Der nächstmögliche Schritt wäre ein Home-Energy-Management-System, kurz HEMS. Ein HEMS steuert die Energieflüsse im Zuhause intelligent. Es vernetzt PV-Anlage, Speicher und Wallbox, steuert die Geräte gezielt an und verschiebt den Stromverbrauch automatisch in günstige Zeiten. Und beim E-Auto denke ich zusätzlich an Smart Charging. Hierbei handelt es sich um smartes Laden. Aufgeladen wird dann, wenn viel Strom im Netz verfügbar und der Strom somit günstig ist.”

Frage: Wann ist der Strom besonders teuer oder günstig?

Antwort Nicole: „Morgens zwischen 6–9 Uhr und abends zwischen 17–21 Uhr ist die Nachfrage in der Regel hoch – entsprechend können die Preise steigen. Mittags sorgt Solarstrom oft für ein Überangebot, nachts weht in höheren Zonen häufig kräftiger Wind – in beiden Fällen wird der Strom günstiger. In der Praxis bedeutet das: Wer flexibel ist, verlagert seinen Verbrauch in günstige Stunden und kann somit deutlich sparen. Im Winter ist Strom generell teurer als im Sommer.”

Frage: Sollte man ein Planer-Naturell haben oder reicht es, mit Faustformeln zu arbeiten?

Antwort Nicole: „Mit etwas Routine reicht ein kurzer Blick auf die Preisübersicht. In der Küche haben wir ein Tablet, das uns die Börsenstrompreise je nach Höhe farblich anzeigt. Ansonsten kann man diese Informationen auch auf Vattenfall.de oder im Vattenfall Kundenportal einsehen.”

Frage: Welche Faustformeln hast du im Kopf?

Antwort Nicole: „Als Faustformel rechne ich mit dem aktuellen Börsenpreis zuzüglich Umsatzsteuer und etwa 20 Cent (Berlin, PLZ 10115, Dezember 2025) brutto für alle sonstigen Kosten. Das ergibt einen guten Vergleichswert zu den Standardtarifen.”

Frage: Überraschen dich die Strompreise oft?

Antwort Nicole: „Ja, definitiv – und zwar im positiven Sinn. Bis September gab es in 2025 schon 465 Stunden mit negativen Preisen. Davon kann man entsprechend profitieren. Aber mit dem Start der dunklen Jahreszeit steigt natürlich auch die Häufigkeit teurer Preiszeitfenster. Bei besonders hohen Preisen werde ich rechtzeitig durch den Preisalarm von Vattenfall informiert.”

Frage: Wie wird ein dynamischer Stromtarif abgerechnet?

Antwort Nicole: „Es gibt beim dynamischen Stromtarif drei Preisbestandteile: den Grundpreis, den Verbrauchspreis und den Spotmarktpreis. Der Grundpreis ist wie bei anderen Stromtarifen fix. Der Verbrauchspreis ist auch bekannt. Der einzige Unterschied ist hier, dass die Beschaffungskosten nicht mehr im Verbrauchspreis enthalten sind. Diese werden separat als Spotmarktpreis ausgewiesen. Unser Verbrauch wird alle 15 Minuten über den Smart Meter erfasst. Für jede Viertelstunde wird der jeweilige Börsenpreis mit unserem Verbrauch multipliziert. Abschließend wird dieser mit dem bei Vertragsschluss angegebenen Verbrauchspreis zusammengerechnet. So zahlen wir immer entsprechend der aktuellen Strompreissituation.”

Frage: Wie hoch ist dein durchschnittlicher Verbrauchspreis pro Jahr?

Antwort Nicole: „Unser Gesamtverbrauchspreis pro Kilowattstunde lag vom 1. April 2024 bis 31. März 2025 im Durchschnitt bei 29 Cent brutto. Das ist in unserem Fall deutlich günstiger als bei einem Tarif mit festen Verbrauchspreisen. Wenn man nicht immer die Möglichkeit hat, seinen Verbrauch in preisgünstige Zeiten zu verschieben, kann es zu anderen Preisentwicklungen kommen.

Generell hängt der Verbrauchspreis von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Die Bör­sen­strom­preise sind nicht vorhersagbar. Außerdem spielt es eine Rolle, welche Routinen jeder Haushalt hat, wie viele flexible Geräte und Anlagen im Haushalt vorliegen, ob eine Solaranlage und ein Stromspeicher vorhanden sind und in welcher Größenordnung. Eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Haushalten ist somit nur schwer gegeben.”

Frage: Für wen lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?

Antwort Nicole: „Dieser Tarif ist vor allem ideal für Haushalte mit hohem Stromverbrauch und steuerbaren Anlagen wie z. B. E-Autos, Wärmepumpen oder Warmwasserspeicher. Wer die Nutzung gezielt auf günstige Zeiten verlegt, kann mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen, je nach Verbrauchsgröße und Optimierung. Auch Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler lassen sich oft einfach per Timer oder App steuern. Weniger geeignet ist das Modell für Menschen mit festem Tagesablauf, für Haushalte ohne Smart Meter oder mit Geräten, die nicht flexibel eingesetzt werden können.”

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