Hat Erdgas noch eine Zukunft?

Erstellt am 3.3.2026

Lesedauer: 7 Minuten

Wir kochen und heizen damit, erzeugen damit warmes Wasser. Erdgas ist vielseitig und setzt weniger Feinstaub und CO₂ bei seiner Verbrennung frei als andere Brennstoffe. Aber es ist auch ein fossiler Rohstoff mit den entsprechenden Nachteilen für die Umwelt. Wie sieht die Zukunft des Multitalents Erdgas aus? Und wie kann es sich noch immer lohnen, darauf zu setzen?

Was ist Erdgas?

Erdgas ist nach wie vor einer der wichtigsten Energieträger für Heizen, Kochen und Warmwasserbereitung in Deutschland. Doch worum handelt es sich bei Erdgas genau? Als Erdgas werden alle brennbaren Kohlenwasserstoffverbindungen bezeichnet. Der Hauptbestandteil des Gases ist Methan (CH₄), eine Verbindung der Elemente Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H). Weitere Bestandteile in geringerer Konzentration sind die brennbaren Gase Ethan, Butan, Ethen sowie Propan und Schwefelwasserstoff. Darüber hinaus enthält es die nicht brennbaren Elemente Stickstoff, Kohlendioxid und Helium. Je nach Standort der Lagerstätte unterscheidet sich die genaue chemische Zusammensetzung.

Fahren, heizen, kochen: Gas und CO₂ 

Vergleicht man Erdgas mit anderen fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdöl, fällt auf, dass Erdgas nur einen sehr geringen Kohlenstoffanteil aufweist. Das ist auch der Grund, warum es beim Verbrennen einen deutlich geringeren CO₂-Ausstoß hat. Erdgas ist der emissionsärmste fossile Brennstoff. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beziffert die Kohlendioxidemissionen von Erdgas mit 201 Gramm/Kilowattstunde (g/kWh). Das sind rund 30 Prozent weniger als die von schwerem Heizöl (288 g/kWh) oder Fernwärme, die noch überwiegend aus fossilen Energieträgern gewonnen wird (280 g/kWh).

Für Autos, die mit Erdgas – auch als CNG (Compressed Natural Gas) bekannt – statt mit Benzin betrieben werden, sieht die Umweltbilanz ebenfalls vergleichsweise gut aus: Die CO₂-Emissionen fallen laut ADAC fast ein Viertel niedriger aus als bei einem Benziner. Allerdings scheint diese Antriebsart keine Zukunft zu haben. Neuwagen werden keine mehr hergestellt. Auch die Zahl der Tankstellen mit CNG-Zapfsäulen für Pkw nimmt weiter ab. Nicht zu verwechseln ist Erdgas zum Tanken mit dem Flüssiggaskraftstoff LPG (Liquefied Petroleum Gas), besser bekannt unter dem Namen „Autogas“. Hierbei handelt es sich um ein unter Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan. Es fällt als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Erdöl bzw. Erdgas an.

Mit Gas effizient heizen

Sie denken darüber nach, Ihre alte Erdgasheizung zu modernisieren? Wer seinen konventionellen Heizkessel im Keller gegen einen Gasbrennwertkessel austauscht, spart Energie und verringert nicht nur den CO₂-Ausstoß, sondern auch seine monatlichen Kosten. Würden alle Ölkessel in Haushalten mit Anschluss ans Erdgasnetz durch Gasbrennwertkessel ersetzt, ließen sich laut dem Verband BDEW 18 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr vermeiden. Das sind rund 40 Prozent dessen, was von heute an bis 2030 im Gebäudebereich noch eingespart werden muss.

Moderne Erdgas-Heizungsanlagen mit Brennwerttechnik nutzen die Energie aus den Abgasen der Brennstoffe. Der Wasserdampf, der bei der Verbrennung der Energieträger als Teil der Abgase entsteht, wird mit Hilfe von Wärmetauschern zurückgewonnen. Dadurch benötigen sie weniger Brennstoff, um den gleichen Wärmebedarf zu decken.

Das klingt erst einmal gut. Doch Brennwertkessel sind Auslaufmodelle, da sie mit Erdgas einen fossilen Brennstoff zum Heizen nutzen. Ab 2045 ist das in Deutschland verboten. Deswegen dürfen Gas-Brennwertkessel bereits seit 2024 in Neubaugebieten normalerweise nur noch in Kombination mit einer klimaneutraleren Heizmethode – wie Solarthermie oder Wärmepumpe oder einem Gastarif mit einem Biomethananteil von 65% – eingebaut werden.

Kochen mit Gas:

Beim Kochen spielt Erdgas eine seiner Stärken aus. Ein Gasherd braucht keine Vorwärmzeit, die Leistung der Kochstelle ist sofort genau regelbar und er gibt keine Restwärme ab. Das alles spart Energie. Daher erreichen Gasherde üblicherweise die Energieeffizienzklasse A.

Mann kocht am Gasherd

Was den Energie- und Kostenvergleich verschiedener Herdarten angeht: Ein Gasherd verbraucht im Durchschnitt rund 600 bis 800 Kilowattstunden (kWh) Gas pro Jahr. Bei einem Gaspreis von 10,97 Cent pro kWh (Stand Nov. 2025) entstehen jährliche Kosten von etwa 65 bis 87 Euro. Ein Herd mit Glaskeramikplatten benötigt je nach Energieeffizienzklasse bis etwa 430 kWh Strom. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 39,6 Cent pro kWh (Stand Oktober 2025) summiert sich das in etwa auf bis zu 170 Euro im Jahr. Klassische Elektroherde mit gusseisernen Platten dagegen sind wahre Stromfresser. Sie verbrauchen im Schnitt rund 445 kWh Strom jährlich, was bei den aktuellen Strompreisen etwa 176 Euro kostet. Auch ein Induktionsherd ist im Verbrauch teurer, wenngleich sehr effizient: Er kommt mit 290 bis 340 kWh Strom im Jahr aus.

Gasnetz als effizienter, verlässlicher Verteiler

Auf fast 500.000 Kilometern durchzieht das Erdgasnetz Deutschland. Diese gut ausgebaute Infrastruktur kann in Zukunft die Energiewende voranbringen. Schließlich lassen sich über die vorhandenen Leitungen ohne Um- oder Ausbau große Mengen Energie in Form von Gas – auch zukunftsfähigem wie Wasserstoff oder Biogas – transportieren. Zukünftig wird immer mehr nicht fossiles Gas wie zum Beispiel Wasserstoff durch die Leitungen fließen. Bis 2050 soll die vollständige Umstellung erfolgt sein. Der dafür nötige Aus- und Umbau des deutschen Gasleitungsnetzes geschieht anhand des Netzentwicklungsplans Gas (NEP Gas). Er ist ein wichtiges Instrument für die Planung und Umsetzung der Energiewende in Deutschland und der damit verbundenen zukünftigen Rolle von Wasserstoff.

Ein weiterer Vorteil des Gasnetzes: Es hat – zusammen mit großen unterirdischen Gasspeichern – eine sehr hohe Speicherkapazität und trägt so dazu bei, eine der großen Herausforderungen der Energiewende zu lösen: die Speicherung erneuerbarer Energie aus der Kraft der Sonne und des Windes.

Gas aus überschüssigem Strom: Power-to-Gas

Erneuerbare Energien fließen nicht auf Knopfdruck, sondern wenn sie Licht auffangen oder der Wind weht. Da kommt manchmal mehr zusammen als nachgefragt wird. Doch selbst dann muss künftig kein Strom mehr verloren gehen. Mit der Power-to-Gas-Technologie kann überschüssiger Strom in erneuerbares, synthetisches Gas in Form von Wasserstoff oder Methan umgewandelt werden.

Hierbei wird Wasser mit Hilfe des Stroms aus Erneuerbaren in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Das Umweltbundesamt beziffert den Wirkungsgrad dieser Elektrolyse auf ungefähr 75 Prozent, abhängig vom jeweiligen konkreten Verfahren. Es geht also rund ein Viertel des eingesetzten Stroms verloren.

Da die Speicherung von Wasserstoff nicht ganz einfach ist, folgt oft noch ein zweiter Schritt – die Umwandlung in Methan. Dafür wird Kohlendioxid zum Wasserstoff gegeben. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas. Daher kann das synthetisch hergestellte Gas (SNG) im bestehenden Erdgasnetz ohne zusätzlichen Aufwand gespeichert und bei Bedarf wieder eingesetzt werden: für Wärme, Strom oder als Kraftstoff. Doch auch hier kommt es zu Stromverlusten.

Die Forschung zielt daher darauf ab, die Verluste von Energie bei Power-to-Gas durch neue Technologien und optimierte Prozesse zu verringern. Vielversprechend scheinen zum Beispiel die Kraft-Wärme-Kopplung oder eine bessere Nutzung der vorhandenen Abwärme.

Die Zukunft: Biogas als nachwachsendes Erdgas

Biogas entsteht, indem organische Abfälle oder nachwachsende Rohstoffe in Biogasanlagen vergoren werden. Dabei zersetzen Mikroorganismen – etwa Bakterien – Bioabfälle, Gülle oder eigens angebaute Energiepflanzen wie Mais, Zuckerrüben oder Getreide in einem geschlossenen Behälter unter Licht- und Sauerstoffentzug. So entsteht ein energiereiches Gasgemisch, das zu 50 bis 75 Prozent aus Methan besteht.

Aktuell liefern in Deutschland etwa 9.600 Biogasanlagen Strom für mehr als neun Millionen Haushalte und decken rund 5,4 Prozent des deutschen Stromverbrauchs ab. Hinzu kommt die erzeugte Wärme aus Biogasanlagen, die ausreichend für über 2,5 Millionen Haushalte ist. Sie macht rund 10 Prozent der produzierten erneuerbaren Wärme aus.

Um Biogas wie Erdgas nutzen zu können, braucht es allerdings noch einen Schritt. Es muss zu Biomethan, auch Bioerdgas genannt, aufbereitet werden. Hierfür werden hauptsächlich Kohlendioxid und weitere Bestandteile mithilfe verschiedener technischer Verfahren vom Rohbiogas getrennt. Das so erzeugte Biomethan ist chemisch gleichzusetzen mit Erdgas. Es kann ins Erdgasnetz eingespeist und wie Erdgas genutzt werden. Während Erdgas zu den fossilen Quellen zählt und seine Verbrennung zur Klimaerwärmung beiträgt, gehört Biomethan aus Biogas zu den erneuerbaren Energieträgern.

Biomethan ist eine wichtige Säule der Energiewende, da es sich relativ einfach speichern lässt und flexibel nutzbar ist. Und noch ein Vorteil: Biogas produziert Energie auch dann, wenn es nicht hell ist und kein Wind weht. Neben dem Klimaschutz kann die energetische Nutzung von Biomasse zur Biogasproduktion so auch einen Beitrag zur Energiesicherung leisten.

Fazit: Wie ist die Prognose für Erdgas?

Erdgas hat viele Vorteile, die es heute noch attraktiv und beliebt machen: Mit Gas zu kochen und zu backen ist energieeffizient und punktgenau, mit Erdgas zu heizen oder unterwegs zu sein, erzeugt im Vergleich zu Erdöl, Kohle oder Benzin weniger CO₂. Trotzdem ist auch Erdgas ein fossiler Energieträger, der bei seiner Verbrennung die Umwelt mit Kohlendioxid belastet. Die Zukunft von Erdgas ist daher fossilfrei, sei es als Bioerdgas oder als synthetisches Gas, das die Energie aus Solar- oder Windkraft speichert.

Fragen und Antworten: Zukunft von Erdgas

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