Aus Abfall wird Energie: Biogasanlage für Zuhause

Erstellt am 12.2.2026

Lesedauer: 9 Minuten

Küchen- und Gartenreste können mehr, als nur im Kompost landen: In Biogasanlagen werden sie von Mikroorganismen zersetzt und liefern dabei erneuerbare Energie sowie nährstoffreichen Dünger. Wie funktioniert das im eigenen Zuhause und für wen lohnt sich der Kauf einer Mini-Biogasanlage?

So entsteht Biogas

In Biogasanlagen entsteht durch die Zersetzung von organischer Biomasse – wie zum Beispiel Pflanzenresten – unter Ausschluss von Sauerstoff sogenanntes Biogas. Das entstehende Gemisch, das hauptsächlich aus Methan und Kohlenstoffdioxid sowie Spuren anderer Gase wie Stickstoff besteht, lässt sich sowohl in elektrischen Strom als auch in Bio-Erdgas umwandeln und stellt somit eine flexible Energiequelle dar.

Egal ob in einer großen Biogasanlage oder im Nutzgarten hinter dem Haus – Biogasanlagen arbeiten immer nach demselben Prinzip.

In einem luftdichten Behälter, dem sogenannten Fermenter, wird die Biomasse mithilfe von Mikroorganismen in Biogas umgewandelt. Die Vergärung passiert in vier Schritten mit Hilfe verschiedener Bakterienstämme.

  1. Hydrolyse: Im ersten Teil des Prozesses werden komplexe organische Polymere (z.B. Proteine, Fette, Kohlenhydrate) in einfachere Verbindungen zerlegt (z.B. Zucker, Aminosäuren, Fettsäuren) – also kleine Moleküle, die sich neu zusammenschließen können.

  2. Acidogenese: Anschließend sorgen fermentative Bakterien für die Bildung von kürzerkettigen Kohlenwasserstoffen. Dazu zählen beispielsweise Alkohole und Säuren.

  3. Acetogenese: Im dritten Schritt wandeln Acetogene die Zwischenprodukte weiter in Essigsäure (Acetat) um.

  4. Methanogenese: Methanbakterien produzieren aus der Essigsäure Methan und Kohlenstoffdioxid – also Biogas.

Grafik: Funktionsweise einer Mini-Biogasanlage von Homebiogas Ltd.

Biogasanlagen gibt es auch im Kleinformat

In Deutschland werden vor allem industrielle und landwirtschaftliche Biogasanlagen betrieben, die ganze Gemeinden oder Betriebe mit Energie versorgen. Doch die Technologie gibt es auch im Kleinformat: Einige Start-Ups bieten bereits kompakte Mini-Biogasanlagen für den Hausgebrauch an. Diese machen es möglich, Küchenabfälle oder Gartenreste direkt vor Ort in Biogas umzuwandeln. Die Gärreste können als organischer Dünger genutzt werden.

Die Einsatzmöglichkeiten solcher Mini-Biogasanlagen sind derzeit noch begrenzt, da sie nur kleine Mengen an Biogas produzieren. In der Praxis reicht das meist zum Kochen, aber nicht für die komplette Wärmeversorgung eines Haushalts.

Biomüll

Das kann eine Mini-Biogasanlage leisten 

Mini-Biogasanlagen übernehmen mehrere Aufgaben und tragen – ihrem kleineren Einsatzbereich entsprechend – zu einer dezentralen Energieversorgung bei.

  • Verwertet organische Abfälle vor Ort 

  • Erzeugt daraus Biogas – direkt nutzbar zum Kochen mit einem Biogas-Herd 

  • Produziert Gärreste, die als natürlicher Dünger dienen 

  • In speziellen Gasbeuteln oder Speichertanks kann Biogas auch gelagert werden (im Sommer bis zu 4 Wochen, im Winter über mehrere Monate) 

Grenzen der Produktion einer Mini-Biogasanlage:

Biogas aus der heimischen Mini-Biogasanlage kann nicht ins Gasnetz eingespeist werden. Dafür müsste man es zunächst in einem aufwändigen Prozess reinigen und komprimieren. Notwendig wären dafür spezielle Aufbereitungsanlagen mit Filtern, Gaswäschern und Drucksystemen – Technik, die für den privaten Gebrauch derzeit zu komplex und teuer ist.

Die Mengen, die Mini-Biogasanlagen erzeugen, reichen zum Kochen, aber nicht zum Heizen. Für die meisten Heiz- und Elektrogeräte ist ein konstant hoher Gasdruck erforderlich, weshalb sich Biogas aus Eigenherstellung nicht eignet. Zwar gibt es bereits Kühlschränke, Durchlauferhitzer und Gasheizungen, die mit Biogas betrieben werden können. Für diese Geräte, die außerhalb der EU produziert werden, gibt es bisher jedoch noch keine EU-Zertifizierungen.

Mini-Biogasanlage: Was ist zu beachten?

Für eine kompakte Mini-Biogasanlage im eigenen Garten ist in Deutschland keine spezielle Genehmigung erforderlich. Wichtig ist, dass alle vom Hersteller vorgegebenen Sicherheitsauflagen eingehalten werden und die Anlage an einem geeigneten Standort steht.

Damit die eigene Biogasanlage optimal funktioniert, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: 

  • Standort: muss frostfrei und gut belüftet sein (keine geschlossenen Räume), stabiler Untergrund, wenn möglich Sonneneinstrahlung 

  • Zündquellen in der Nähe der Anlage sind zu vermeiden 

  • Außentemperatur: Idealerweise nicht unter 15 Grad Celsius, sonst sinkt die Aktivität der Bakterien stark ab 

  • Bei sehr heißen Außentemperaturen (mehr als 45 Grad) kann der Gärbehälter überhitzen. Ein Schattenplatz ist empfehlenswert 

  • Biomasse: Küchenabfälle, Haustiermist, Gartenabfälle wie Blätter, Wurzeln und Gras (keine Zitrusfrüchte, kein Holz, keine Fette oder Fleisch)  

  • Optimaltemperatur im Fermenter: Je nach Bakterienkultur 30-38 Grad Celsius (mesophil) oder 50-55 Grad Celsius (thermophil). Mesophile Bakterien arbeiten bei mäßiger Wärme, thermophile bei höherer Wärme und liefern etwas schneller Gas 

Für eine kompakte Mini-Biogasanlage im eigenen Garten ist in Deutschland keine spezielle Genehmigung erforderlich. Wichtig ist, dass alle vom Hersteller vorgegebenen Sicherheitsauflagen eingehalten werden und die Anlage an einem geeigneten Standort steht.

Wartung und Sicherheit: Um Gaslecks zu vermeiden, sollten alle Dichtungen und Anschlüsse überprüft werden. Auch Ventile und Pumpen sollten regelmäßig gereinigt werden, um Verstopfungen zu verhindern. Die wichtigste Pflege einer Mini-Biogasanlage ist die sachgerechte Nutzung: Werden die Bakterienkulturen bei Idealtemperatur gehalten und regelmäßig mit Bioabfällen gefüttert, bleiben sie gesund und produzieren Biogas.

Und wenn es draußen kalt wird? Biogasanlagen arbeiten in unseren Breitengraden besonders effizient, wenn sie beheizt werden. Die in Deutschland tätigen Anbieter bieten ihre Anlagen deshalb mit einer Heizmöglichkeit an. Um dabei möglichst zukunftsfähig vorzugehen, sollte der Strom hierfür aus erneuerbaren Energien stammen – wie zum Beispiel aus Photovoltaik. Für den Betrieb einer kleinen Anlage im heimischen Nutzgarten könnte eine Gleichstromheizmatte in Kombination mit einem Balkonkraftwerk eine Lösung sein. Im Winter kann die Gasproduktion stark abnehmen, da die Mikroorganismen bei niedrigen Temperaturen langsamer arbeiten und der Fermenter bei Frost sogar einfrieren kann. Unter etwa 5 °C kommt die Biogasbildung weitgehend zum Erliegen.

So viel Biogas können Sie zuhause produzieren

Die kleinste Anlage des deutschen Anbieters (B)energy benötigt 6 Quadratmeter Grundfläche und verwertet bis zu 20 Kilogramm Biomasse pro Tag. Die Anlage lässt sich einfach aufbauen und produziert nach einer vierwöchigen Anlaufphase Biogas. In dieser Zeit stabilisieren sich die Mikroorganismen im Fermenter, bis sie zuverlässig Methan erzeugen. Das System kann bei Vollauslastung bis zu 1.000 Liter Biogas am Tag produzieren – Fermentersack und ein Speichersack für bis zu 1.000 Liter Biogas sind im Preis enthalten.

Das israelische Unternehmen HomeBiogas verkauft eine Anlage, die mit bis zu 4 Litern organischer Abfälle pro Tag befüllt wird. Der Aufbau ist ebenfalls simpel und das produzierte Gas reicht aus, um damit bis zu zwei Stunden täglich zu kochen.

Für Heimanlagen gilt: Nur wenn ausreichend Biomasse zugeführt wird, kann überhaupt Biogas produziert werden. Füttert man die Biogasanlage nicht, stellen die Bakterienkulturen ihre Arbeit von alleine ein. Man kann also jederzeit eine Produktionspause einlegen.

Was kostet eine Mini-Biogasanlage?

Je nach Hersteller und Größe liegt der Preis für eine Mini-Biogasanlage zwischen 600 und 2.500 Euro. Die genauen Kosten hängen von der Größe und den Funktionen der Anlage ab. Spezielle staatliche Förderprogramme für Kleinstanlagen gibt es in Deutschland derzeit nicht.

Vor- und Nachteile einer Mini-Biogasanlage

Vorteile 

  • Unabhängige Biogasherstellung zum Kochen bereits nach 4 Wochen 

  • Macht Teile der Energieversorgung im Haushalt dezentral 

  • Verwertung organischer Abfälle statt Entsorgung 

  • Nutzung nachwachsender Rohstoffe  

  • Nebenprodukt: nährstoffreicher Dünger für Garten und Pflanzen 

  • Bewusstsein für Kreislaufwirtschaft und ressourcenschonendes Handeln im Alltag 

Nachteile 

  • Hoher Platzbedarf  

  • Temperaturabhängig: Kälte verlangsamt oder stoppt die Gasproduktion 

  • Begrenzte Gasmenge, reicht meist nur zum Kochen oder für kleinere Anwendungen 

  • Hoher Bedarf an Biomasse: tägl. ca. 4 Liter organische Abfälle (oder 15 Liter Haustiermist). Zum Vergleich: Jede:r Deutsche produziert pro Jahr im Schnitt 120 Kilogramm Bioabfall – das entspricht gerade einmal 0,33 Litern pro Tag. 

  • Nicht einspeisefähig: Das erzeugte Biogas kann nicht ins Gasnetz eingespeist werden 

  • Die meisten Gasgeräte sind in Europa noch nicht zugelassen für die Nutzung von Biogas 

Mini-Biogasanlagen der Zukunft

Mini-Biogasanlage

Forscher:innen tüfteln daran, Biogasanlagen noch kompakter, effizienter und alltagstauglicher zu machen. Im Mittelpunkt stehen Mikrofermenter und smarte Indoor-Systeme, die sich auch für den Einsatz in Städten eignen sollen, etwa Wohnungen. Neue Prototypen kombinieren Biogasproduktion mit integrierten Gasreinigern, damit das Biogas im Haushalt vielseitig einsetzbar ist – ganz ohne aufwändige Nachbearbeitung.

Vielversprechend sind auch Hybridlösungen, bei denen Biogas mit Wasserstofftechnologien verknüpft wird, um Energie flexibler zu speichern und zu nutzen. In der Forschung entstehen zudem Kreislaufsysteme, die Biogasanlagen mit Vertical-Farming verbinden – also dem Anbau von Gemüse auf übereinander gelagerten Etagen in geschlossenen Gebäuden. Erste Pilotprojekte gibt es bereits, vor allem in Asien und Europa, meist in industriellen oder städtischen Umgebungen. Für private Haushalte sind solche Systeme aktuell noch nicht praktikabel, da sie komplexe Technik und hohe Investitionen erfordern. Langfristig könnten solche Ansätze jedoch ganze Kreislaufsysteme schaffen, die Abfall in Energie umwandeln und daraus fortlaufend neue Nährstoffe produzieren.

Tipp

Nicht immer gibt es genügend Platz für eine Biogasanlage im Garten. Doch es gibt Alternativen: Auch in einer Stadtwohnung können Sie ganz einfach mit einem Mini-Komposter Ihren eigenen Dünger erzeugen. Die Kompostierung in der Küche lässt sich zudem geruchsneutral, schnell und hygienisch umsetzen, ohne viel Aufwand.

Fazit: Lohnt sich eine Biogasanlage für Zuhause?

Mini-Biogasanlagen eignen sich für Menschen, die im eigenen Garten einen Teil ihres Energiebedarfs unabhängig erzeugen möchten. Damit sich die Anschaffung rechnet, sollte ausreichend organisches Material – also Küchen- und Gartenabfälle oder Tier-Dung – zur Verfügung stehen. Für städtische Haushalte mit Balkon ist eine solche Anlage deshalb nicht geeignet.

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