Windkraftanlage auf grüner Wiese, hinten sind die Berge zu sehen
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Aktualisiert am 7.7.2026

Lesedauer: 10 Minuten

Erdöl

Erdöl hält vieles am Laufen: Autos, Flugzeuge, Heizungen, unsere Wirtschaft. Von den Tiefen des Meeresbodens bis hin zu vielen Produkten unseres täglichen Lebens – das schwarze Gold ist allgegenwärtig.  Doch Erdöl ist ein fossiler Rohstoff und damit sehr umstritten, weil er bei seiner Verbrennung CO₂ erzeugt.  

Wie entsteht Erdöl?

Kleine Ursache, große Wirkung: Die Entstehung von Erdöl begann bereits vor etwa 150 Millionen Jahren mit abgestorbenen Kleinstlebewesen wie Plankton oder Algen. Sie lagerten sich auf dem Grund von Meeren und Seen ab. Wegen des in Tiefen von über 200 Metern herrschenden Sauerstoffmangels konnten sich die Überreste kleinster Tiere und Pflanzen kaum zersetzen. In diese Biomasse mischten sich feine Sedimente wie Sand und Ton, sodass sich Faulschlamm bildete. 

Weitere Ablagerungen führten dazu, dass der Faulschlamm fester und über Millionen von Jahren in immer tiefere Gesteinsschichten gedrückt wurde. Dabei stiegen Druck und Temperatur, und das organische Material verfestigte sich zu sogenanntem Muttergestein, aus dem Erdöl entstehen kann. Dafür müssen allerdings Temperaturen von 80 bis 150 Grad Celsius gegeben sein und ein Druck, wie er in einer Tiefe von 1.500 bis 3.000 Metern auftritt.

Die langwierigen physikalischen Prozesse bei der Entstehung von Erdöl und Erdgas als Kohlenwasserstoffe sind identisch. Daher treten die Rohstoffe häufig in denselben Lagerstätten auf. Im Unterschied zu Erdöl entsteht Erdgas aber erst bei Temperaturen von 120 bis 180° Celsius und etwa 4.000 bis 6.000 Meter unter der Erdoberfläche.

Kleine Kulturgeschichte des Erdöls

Erdöl wurde als Brennstoff bereits in den alten Hochkulturen des heutigen vorderasiatischen Raums verwendet. Der erste Erdöl-Boom entstand aufgrund der steigenden Nachfrage nach Lampenöl. Petroleum aus Mineralöl herzustellen, war wesentlich ergiebiger und günstiger als aus Kohle oder sogar Walöl. Die ersten Bohrungen weltweit fanden im heutigen Aserbaidschan etwa Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In der Anfangszeit noch im Wesentlichen auf die Nutzung zur Beleuchtung beschränkt, wurde ab den 1920er Jahren mit dem Siegeszug des Automobils das Potenzial von Erdöl als Benzin immer wichtiger. Bis heute ist Erdöl der wichtigste fossile Rohstoff der modernen Industriegesellschaft.

Vorkommen von Erdöl

Erdöl ist leichter als Wasser. Also bahnte es sich über Jahrmillionen Jahre seinen Weg aus den Muttergesteinen nach oben, bis es auf undurchlässige Schichten etwa aus Ton oder Salz traf. Dann reicherte es sich in dem darunter liegenden durchlässigen Speichergestein über die Zeit an. Diese Vorkommen werden als konventionelle Lagerstätten bezeichnet. Unkonventionelle Lagerstätten sind Vorkommen in Gesteinen mit geringer Durchlässigkeit. Oft handelt es sich um das Gestein, in dem das Öl oder Gas ursprünglich gebildet wurde.

Venezuela besitzt die weltweit größten bekannten Ölreserven, gefolgt von Saudi-Arabien und Iran. Diese Länder halten zusammengenommen mit einem Anteil von knapp 50 Prozent die gesamten globalen Reserven. Das größte Erdölvorkommen Europas befindet sich in der Nordsee, vor allem vor den Küsten Norwegens und Großbritanniens. Auch in Deutschland gibt es kleinere Ölfelder. Ein bekanntes Ölfeld liegt in Schleswig-Holstein. Die Förderung ist jedoch wirtschaftlich weniger bedeutend als bei größeren Vorkommen. 

Rohölreserven nach Ländern

im Jahr 2024 in Milliarden Barrel

Wie lange reicht das Öl noch?

Erdöl zählt zu den fossilen Brennstoffen und ist eine endliche Ressource. Lagerstätten finden sich unter dem Meer, also offshore und an Land, onshore.  Laut Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie könnten die weltweiten Erdölreserven noch etwa bis in das Jahr 2060 reichen – Ressourcen, die sich künftig durch innovative Fördertechnologien besser oder überhaupt erst erschließen lassen, nicht eingeschlossen. Solche Prognosen sind aber schwer zu treffen, da sie nicht nur von den Reserven, technischen Fortschritten, sondern auch vom weltweiten Verbrauch abhängig sind.  

Förderung von Erdöl: von herkömmlichen Bohrungen bis Fracking

Bei konventionellen Ölvorkommen befindet sich der Rohstoff in den Zwischenräumen einer porösen Gesteinsschicht. Wird sie angebohrt, strömt das Öl zunächst durch seinen natürlichen Druck oder Verpumpen an die Oberfläche. Dabei kann nur ein Bruchteil des vorhandenen Öls gefördert werden. Deshalb wird in einer zweiten Phase Wasser oder Gas in das Erdöllager gepresst, um zusätzliches Öl zu fördern. In einer dritten Förderungsphase kann die Fördermenge nochmals erhöht werden, indem Dampf, Chemikalien oder andere Stoffe eingeleitet werden.

Fracking

Seit 2005 kommt mit Hydraulic Fracking, kurz Fracking, eine neue Fördermethode zum Einsatz. Damit kann Rohöl nicht mehr nur aus konventionellen, durchlässigen Lagerstätten, sondern auch aus dem festen Muttergestein gewonnen werden. Derzeit nutzen vor allem Nordamerika (USA und Kanada), Argentinien, Australien, aber auch China und Russland diese umstrittene Methode.

Bei Fracking werden Risse im Gestein von Lagerstätten erzeugt, geweitet und stabilisiert, um Rohstoffe wie Öl und Gas zu fördern. Hierfür wird mit Sand und Chemikalien versetztes Bohrwasser unter hohem Druck in die Erde gepresst und das Gestein aufgebrochen („gefrackt“). Die Förderung ist auf die unmittelbare Umgebung des Bohrloches beschränkt, weshalb die Fördermenge im Vergleich zu konventionellen Bohrungen eher gering ausfällt.

Die Kritik am Fracking reißt nicht ab: Als Chemikalien kommen in der Frackingflüssigkeit zum Beispiel Säuren und Biozide zum Einsatz. Diese sind teilweise als gesundheitsgefährdend, ätzend, belastend für Ökosysteme und giftig klassifiziert und können Grundwasser und Boden verseuchen. Außerdem entweicht beim Öffnen der unterirdischen Reservoire ungewollt Methan. Dieses Gas ist laut Umweltbundesamt bis zu 25-mal schädlicher für das Klima als CO₂. Weitere Kritikpunkte sind das Auftreten von Erdbeben in Folge von Fracking-Aktivitäten und der hohe Wasserverbrauch, der mehrere tausend Kubikmeter pro Bohrung betragen kann. In Deutschland sind Fracking-Vorhaben aus kommerziellem Interesse daher nicht zulässig. 

Verarbeitung und Verwendung von Erdöl

Bisher konnten über 500 unterschiedliche Stoffe im Rohöl nachgewiesen werden. Um es gezielt für unterschiedliche Bedürfnisse verwenden zu können, muss es daher in seine Bestandteile zerlegt werden. Diese Trennung passiert in Raffinerien durch Destillation, also Verdampfen und Kondensieren der Flüssigkeit. Die verschiedenen Komponenten des Öls haben verschieden hohe Siedepunkte. Je nach Temperatur, auf die man es erhitzt, kann ein anderes Erdölprodukt herausgetrennt werden. Kurze Kohlenstoffketten wie Propangas oder Benzin verdampfen bei niedrigeren Temperaturen. Lange Ketten, wie sie etwa Heizöl oder Asphalt haben, brauchen höhere Temperaturen, um herausgetrennt zu werden.

Zuerst wird das Öl auf etwa 380 Grad Celsius erhitzt. An diesem Punkt verdampft es und wird in einen Destillationsturm geleitet. Der Turm besteht aus verschiedenen Ebenen, mit unterschiedlichen, absteigenden Temperaturen. Hier kondensieren die unterschiedlichen Bestandteile des Rohöls und werden abgeleitet. Heizöl und Diesel kondensieren beispielsweise bei etwa 360 Grad Celsius. Bei rund 250 Grad Celsius ist die Basis für den Ausgangsstoff für Petroleum und Kerosin gelegt. Leichtbenzin kondensiert schon bei 100 Grad Celsius und die Gase Methan, Ethan, Propan und Butan bei 30 bis 50 Grad Celsius.

Das Rohöl kann aber auch noch anders weiterverarbeitet werden. Bei etwa 750 ° Celsius und Dampf lässt es sich knacken („cracken“). Die enorme Hitze spaltet das Rohbenzin auf und zerlegt es in Bausteine aus einfachen Molekülen. Diese können dann einfach gesagt zu verschiedenen Kunststoffen zusammengesetzt werden.

Erdöl wird aufgrund seiner dunklen Farbe und seines enormen wirtschaftlichen Wertes auch als „Schwarzes Gold“ bezeichnet. Es ist der Treibstoff der Mobilität und der Industrie. Es steckt in Benzin, Plastik, Kunstdünger, Kleidung, Medikamenten und vielem mehr. Produkte aus Erdöl finden sich in allen Bereichen des modernen Lebens und halten die Wirtschaft am Laufen.

Erdöl als Mitverursacher des Klimawandels

Fossile Energien wie Erdöl, Erdgas und Kohle sind für mehr als drei Viertel der Erderwärmung verantwortlich. Ihre Verbrennung lässt die Temperaturen nach oben gehen – 2025 zum dritten Mal in Folge um rund 1,5 Grad Celsius über der vorindustriellen Zeit (Referenzperiode 1850–1900). Damit ist das Jahr 2025 voraussichtlich das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die größten Verursacher der energiebedingten CO₂-Emissionen sind weltweit die Energieerzeugung, Transport und industrielle Verbrennung. Aber auch wir als Verbraucher:innen tragen dazu bei. Bei der Verbrennung von leichtem Heizöl, um zu heizen, entsteht 266 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde. Und bei der Verbrennung von einem Liter Benzin beim Autofahren entstehen 2,3 Kilogramm CO₂.

Weitere Nachteile von Erdöl: Erdöl entsteht über Millionen von Jahren. Und es wird deutlich schneller abgebaut, als neue Reserven entstehen können. Je knapper aber die Vorkommen, desto aufwändiger und teurer die Förderung. Auch die Abhängigkeit von teils politisch instabilen Förderländern ist ein Unsicherheitsfaktor. Und nicht zuletzt birgt die Förderung und Transportrisiken für Mensch und Umwelt. Öllecks oder umweltschädliche Abbaumethoden wie Fracking können schwere Schäden an Ökosystemen verursachen.

Die Zukunft von Erdöl

Deutschland setzt auf eine Energie- und Wärmewende. Mit dem Klimaschutzgesetz wurde festgelegt, dass Deutschland bis 2045 eine ausgeglichene Klimabilanz haben soll. Das bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden dürfen, als durch natürliche oder technische Maßnahmen wieder gebunden werden können. Das heißt auch: Erdöl als fossile Energie muss stark zurückgefahren werden. Konkrete Schritte sollen unter anderem durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) gegangen werden. Es will die CO2-Emissionen beim Heizen verringern.

Fazit: Was ist Erdöl und wie sieht die Zukunft des Rohstoffs aus?

Erdöl prägt unsere Mobilität, Industrie und unseren Alltag. Bis heute ist es einer der wichtigsten fossilen Energieträger. Gleichzeitig ist Erdöl eine endliche Ressource und einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Deshalb sollen regenerative Energien fossile Brennstoffe wie Erdöl in Zukunft ersetzen.

Erdöl: Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

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