Interview: Erfahrungen zum dynamischen Stromtarif mit Wärmepumpe und E-Auto
Erstellt am 12.6.2026
Lesedauer: 4 Minuten
Dynamische Stromtarife gelten als einer der spannendsten Trends der Energiewende – doch wie bewähren sie sich im Alltag? Wir fragen in unserer Serie “Erfahrungen mit dem dynamischen Stromtarif” bei Verbraucher:innen nach.
Im Interview berichtet Carsten Gerasch, leitender Produktmanager von Vattenfall, was ein dynamischer Stromtarif für seinen Alltag bedeutet. Er lebt mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus und nutzt neben einer Wärmepumpe noch ein Elektroauto samt Wallbox.

Ausgangslage
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Stromverbrauch 5-Personen-Haushalt: rund 11.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr
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E-Auto: 15.000 Kilometer jährlich
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Wärmepumpe: 5.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr
Die private Energiewende ist eingeläutet: Ein E-Auto steht vor der Tür, geheizt wird mit einer Wärmepumpe. Beide benötigen einiges an Strom, sind aber flexibel, wann es Zeit dafür wird. Gute Voraussetzungen für einen dynamischen Stromtarif: Er orientiert sich an den Börsenstrompreisen. Wer also seinen Verbrauch in günstige Zeiten verlagert, kann sparen. Soweit die Theorie. Wie gut klappt das in der Praxis?
Unsere Fragen:
↓ Seit wann setzen Sie auf einen dynamischen Stromtarif?
↓ Wann macht ein dynamischer Stromtarif aus Ihrer Sicht Sinn?
↓ Wie sehen die Planung und der Alltag aus?
↓ Wie gut klappt es im Alltag auf preisgünstigere Zeiten auszuweichen?
↓ Geht nichts über einen dynamischen Stromtarif, wenn eine Wärmepumpe mit im Spiel ist?
↓ Welche Rolle spielt Ihre Wallbox im Zusammenspiel mit dem dynamischen Stromtarif?
↓ Was macht den dynamischen Stromtarif für Sie generell attraktiv?
↓ Welche Komponente macht den dynamischen Tarif besonders interessant?
↓ Wie funktioniert ein dynamischer Stromtarif mit Smart Meter?
↓ Was ist für Sie die perfekte Konstellation für einen dynamischen Tarif?
↓ Wie viel Stromkosten sparen Sie jährlich durch die Optimierung?
Wann macht ein dynamischer Stromtarif aus Ihrer Sicht Sinn?
Carsten Gerasch: „Ein dynamischer Stromtarif ist aus meiner Sicht sinnvoll, wenn sich wie bei Wärmepumpen, E-Autos, Batteriespeichern relevante Strommengen gezielt in günstige Zeitfenster verlagern lassen bzw. sehr teure Preisphasen vermieden werden können.“
Wie sehen Planung und Alltag mit einem dynamischen Tarif bei Ihnen aus?
Carsten Gerasch: „Im Alltag gibt es für uns keine nennenswerten Änderungen. Bei alltäglichen Geräten wie der Waschmaschine beschäftigen wir uns bewusst nicht ständig mit den Stundenpreisen – mit fünf Personen im Haushalt wäre das schlicht zu aufwendig. Der Geschirrspüler hingegen läuft per Timer überwiegend in den günstigeren Nachtstunden. Da moderne Haushaltsgeräte einen sehr niedrigen Energieverbrauch haben, sind die Effekte pro Waschgang natürlich nicht besonders hoch. Über die hohe Anzahl an Waschgängen bei uns pro Jahr ergibt sich dann aber doch wieder eine relevante Menge.“
Wie gut klappt es in Ihrem Alltag, mit den großen steuerbaren Stromverbrauchern tatsächlich auf preisgünstigere Zeiten auszuweichen?
Carsten Gerasch: „Mit dem E-Auto gelingt es in der Regel sehr gut, günstige Zeiten am Tag oder sogar in der Woche zu nutzen. Bei der Wärmepumpe hängt es stark von der Witterung sowie vom Duschverhalten aller Haushaltsmitglieder ab. Bei der Wärmepumpe kann man allerdings sehr gut, die teuersten Stunden am Tag vermeiden.“

Geht nichts über einen dynamischen Stromtarif, wenn eine Wärmepumpe mit im Spiel ist?
Carsten Gerasch: „Das kann man so nicht sagen. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Seitens Vattenfall möchten wir unseren Kund:innen verschiedene Angebote machen. Sie entscheiden, mit welchem Tarifmodell sie sich am wohlsten fühlen. Dies kann ein Standardtarif oder ein dynamischer Stromtarif sein.“
Welche Rolle spielt Ihre Wallbox im Zusammenspiel mit dem dynamischen Stromtarif?
Carsten Gerasch: „Aktuell ist der Ladevorgang noch nicht automatisiert. Hier setze ich auf neue Entwicklungen bei Vattenfall. Sobald unsere Lösung verfügbar ist, freue ich mich auf eine einfache und komfortable Automatisierung meiner Ladevorgänge. Diese Automatisierung kann über eine Verbindung mit der Wallbox oder einer direkten Verbindung zum Auto erfolgen.“
Was macht den dynamischen Stromtarif für Sie generell attraktiv?
Carsten Gerasch: „Mir ist bewusst, dass erneuerbare Energien nicht jederzeit in gleicher Menge zur Verfügung stehen und die Nachfrage über den Tag sehr unterschiedlich ist. Als überzeugter Befürworter erneuerbarer Energien möchte ich deren Nutzung bestmöglich unterstützen. Der dynamische Tarif bildet diese Schwankungen und die Nachfrage transparent ab und ermöglicht es mir, mein Verhalten auch finanziell honorieren zu lassen.“
Welche Komponente macht den dynamischen Tarif besonders interessant?
Carsten Gerasch: „Ein dynamischer Tarif bietet neben der Chance auf günstige Beschaffungspreise auch das Risiko sehr hoher Preise. Die Limit-Komponente im Tarif „ÖkoStrom Dynamik Limit“ deckelt dieses Risiko für Vattenfall Kund:innen und ermöglicht eine sorgenfreie Nutzung der Chancen des Tarifs.“

Wie funktioniert ein dynamischer Stromtarif mit einem Smart Meter?
Carsten Gerasch: „Grundvoraussetzung ist ein intelligentes Messsystem (iMSys). Dieses übermittelt viertelstündliche Messwerte, die jeweils mit dem entsprechenden Börsenpreis multipliziert werden. Die Summe aller Viertelstunden ergibt den monatlichen Beschaffungspreis.“
Was ist für Sie die perfekte Konstellation für einen dynamischen Tarif?
Carsten Gerasch: „Idealerweise lassen sich Wärmepumpe und E-Auto automatisiert steuern. Perspektivisch könnten günstigere Heimspeicher zusätzliche Flexibilität bieten. Diese Automatisierung ist die „perfekte Konstellation“, da ich mich im Alltag ja nicht „manuell“ nach Strompreisen richten möchte.“
Welche praktischen Tipps haben Sie?
Carsten Gerasch: „Wer das Gefühl hat, Stromverbrauch verlagern zu können, sollte einen dynamischen Tarif einfach mal ausprobieren. Bei Vattenfall ist ein Wechsel in einen Standardtarif jederzeit möglich, da keine Vertragslaufzeiten bestehen. Somit kann man nichts falsch machen.“
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