Infowelt Energie

Der Windbaum: Strom aus immergrünen Blättern

Windkraftanlagen sind groß, hässlich und laut? Nicht so der Windbaum. Wir zeigen Ihnen, ob es sich lohnt, Platz für einen neuen Baum im Garten zu schaffen.

Leise Energie für die Stadt

Ist das die Zukunft der Windenergie in Städten? Im Zentrum von Paris, auf dem Place de la Concorde steht seit vier Jahren eine neue Pflanzenart: ein Windbaum der französischen Firma NewWind. Der Baum, eine Erfindung von NewWind-Gründer Jérôme Michaud-Larivière, ist rund elf Meter hoch, hat einen stählernen Stamm und Äste mit grünen Blättern aus Kunststoff. Doch was aussieht wie Blätter, sind 72 Turbinen, die mithilfe von Wind nahezu geräuschlos Strom erzeugen. Genug, um einen Single-Haushalt oder im Idealfall sogar eine kleine Familie mit elektrischer Energie zu versorgen.

Im Vergleich zu einem großen Windrad, das rund 570 Drei-Personen-Haushalte versorgen kann, ist das wenig. Dennoch könnten Windbäume in der Zukunft einen Beitrag zur Stromversorgung in Städten beitragen und überall dort eingesetzt werden, wo Windkraftanlagen mit bis zu 140 Meter Höhe baulich nicht ins Stadtbild integrierbar sind. Windbäume hingegen fügen sich optisch gut sowohl in urbane als auch ländliche Umgebungen ein und stoßen auf erheblich höhere Akzeptanz als herkömmliche Windräder.

Im Stamm und in den Ästen des Windbaums sind Kabel und Generatoren versteckt. 

Die Mikroturbinen liefern schon ab einer Windgeschwindigkeit von weniger als zwei Metern pro Sekunde Energie, sauber und leise – und für Vögel und andere Tiere völlig ungefährlich. Bei einem so lauen Lüftchen stehen große Räder längst still. Das Kleinstkraftwerk von Erfinder Michaud-Larivière kann dagegen knapp 300 Tage im Jahr Energie liefern, auch wenn es gefühlt fast windstill ist. 

Interessant: Ein eigener Windbaum

Neu ist die Idee vom Stromlieferanten in Pflanzenform übrigens nicht. In den USA und in Österreich existieren bereits Solarblumen, und eine Gruppe niederländischer Architekten hatte vor einigen Jahren ebenfalls die Idee einer windfangenden Pflanze. Eine noch sehr junge Erfindung ist ein Windgenerator für den Einsatz auf dem Balkon. Ende 2018 haben zwei britische Studenten ein Unternehmen gegründet, um ihre O-Wind-Turbine zur Marktreife zu bringen. Als Modell funktioniert der Balkongenerator bereits, ein Prototyp ist in Arbeit. 

Besonderheit der Mini-Turbine: Sie richtet sich automatisch nach dem Wind aus und soll so immerhin bis zu 60 Kilowattstunden Strom pro Monat erzeugen. Das entspricht knapp einem Viertel des Strombedarfs eines Single-Haushalts.

NewWind ist diesen Konzepten allerdings voraus:
Mittlerweile hat Michaud-Larivière mit der Serienproduktion von knapp zehn Meter hohen Windbäumen mit 54 Mikroturbinen und einer Leistung von jeweils 5400 Watt begonnen. Je mehr der derzeitige Preis von 49.500 Euro sinkt, desto attraktiver wird es für Hausbesitzer, sich einen eigenen Windbaum in den Garten zu stellen.

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Fotos: Claudio Colucci Design/NewWind.