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Hilft weniger Fleischkonsum gegen den Klimawandel?

Pro Kopf verzehren wir in Deutschland im Durchschnitt mehr als ein Kilogramm Fleisch pro Woche. Damit tragen wir beträchtlich zum Klimawandel bei. Wie können wir in Zukunft gesünder und nachhaltiger essen?

Der ökologische Fußabdruck des Fleischkonsums

Wer zum ersten Mal die Energiebilanz seines Steaks betrachtet, reibt sich wahrscheinlich verwundert die Augen: Für eine Kalorie Fleisch werden laut Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin rund sieben pflanzliche Kalorien als Tierfutter verbraucht. Die Tierhaltung und die Futterproduktion beanspruchen vier Fünftel aller Agrarflächen weltweit.

Und die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch verbraucht rund 15.000 Liter Wasser. Dazu kommen noch erhebliche Mengen Klimagase, wie Kohlendioxid (CO₂) und Methan. Wenn wir ein nachhaltigeres Leben führen und das Klima schützen möchten, müssen wir unseren Konsum von tierischen Produkten überdenken.

Emissionen abhängig von Tierarten

Rund 15 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen weltweit stammen laut der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) aus der Viehhaltung. Zwei Drittel gehen auf das Konto der Rinderzucht.

Ökologische Gründe zur Reduktion des Fleischkonsums

Die globale Fleischproduktion hat sich in den letzten 50 Jahren mehr als vervierfacht – auf rund 345,6 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Die FAO erwartet einen weiteren Anstieg auf jährlich 455 Millionen Tonnen bis 2050. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum weltweit. Durchschnittlich isst jeder Mensch hierzulande 55 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Im Pariser Klimaabkommen haben sich 195 Völker darauf geeinigt, die Erderwärmung nicht über zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen zu lassen. Eine pflanzliche Ernährung hilft uns dabei, dieses Ziel zu erreichen.

Die Pro-Kopf-Emissionen liegen in Deutschland bei knapp zwölf Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr. Etwa zwei Tonnen gehen auf die Ernährung zurück. Mit einer veganen Ernährung kann man diesen Wert um die Hälfte reduzieren. Aber auch wenn wir nur die Hälfte an tierischen Nahrungsmitteln essen, tragen wir zum Klimaschutz und zum Schutz der Tiere bei.

Pro-Kopf-Verzehr an Fleischprodukten

Fleischkonsum Pro Person/Jahr
weltweiter Fleischkonsum 2022 40 kg
deutscher Fleischkonsum 2022 55 kg
klimaverträglicher Fleischkonsum

22 kg bis 2030

16 kg bis 2050

deutscher Fleischkonsum 1950 37 kg

So wirkt sich hoher Fleischkonsum auf die Natur aus

Neben dem Ausstoß von Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten schadet die Produktion tierischer Lebensmittel der Umwelt in vielen Ländern weltweit. Denn sie trägt gleich auf mehreren Ebenen zum Klimawandel bei:

Futtermittel
In Südamerika wird immer mehr Regenwald gerodet, um Platz für den Sojaanbau als Futtermittel zu schaffen. Die Fleischproduktion schadet der Umwelt also gleich doppelt: Die Regenwälder können CO₂ nicht mehr aus der Luft filtern und natürliche Lebensräume sowie die biologische Vielfalt gehen verloren. Hinzu kommt die Klimabelastung durch den Transport des Sojas nach Europa.

Aber auch in Deutschland belastet die Viehzucht die Umwelt: Moore und Wälder werden in Weideflächen und Felder für die Landwirtschaft umgewandelt. Die Folge: Im Boden gespeichertes CO₂ gelangt in die Atmosphäre. Insbesondere die Trockenlegung von Mooren ist ein großer Negativfaktor beim Klimaschutz, denn Moore sind die effektivsten CO₂-Speicher der Welt. Aber auch im Wald werden hohe Mengen von Kohlendioxid absorbiert.

Klimagase
Wiederkäuer wie Rinder produzieren bei der Verdauung Methan, was rund 25-mal klimaschädlicher als CO₂ ist.
Durch die übermäßige Düngung in der Landwirtschaft kommt es zu einer Stickstoffüberversorgung. Kommt Nitrat mit Sauerstoff in Verbindung, entsteht daraus Lachgas, was 300-mal klimaschädlicher als CO₂ ist.

Fleischverarbeitung und -transporte
Für die Fleischproduktion werden große Mengen Wasser benötigt. Außerdem schädigen Tiertransporte mit einem hohen CO₂-Ausstoß der Klimabilanz. Obwohl wir genügend Fleisch für den Eigenbedarf produzieren, werden große Mengen in Deutschland im- und exportiert.

Klimafreundliche Fleisch-Alternativen

Bio-Bauern haben eine deutlich bessere Klimabilanz als die traditionelle Massentierhaltung, da sie den Prinzipien der ökologischen Landwirtschaft folgen. Das bedeutet beispielsweise Weidehaltung für die Rinder, was sich positiv auf den Boden auswirkt.

Laut Naturschutzbund Deutschland belastet Bio-Schweinefleisch das Klima ein Drittel weniger als konventionell erzeugtes. Es wird mehr regional erzeugtes Futter verwendet, der Boden ist weniger belastet und Antibiotika kommen nur kontrolliert zum Einsatz.

Kühe auf einer Weide

Bei der Herstellung von rein pflanzlichem Fleischersatz entstehen sogar über 90 Prozent weniger Treibhausgase und es werden deutlich weniger Ressourcen verbraucht – vor allem, wenn sie in Deutschland produziert werden. Noch besser ist es natürlich, Obst und Gemüse aus der Region zu essen: Pflanzen setzen kein CO₂ frei, sondern binden es sogar. Und kurze Transportwege verringern die Belastung durch Treibhausgase. 

Frau auf einem Kohlfeld

Die Auswirkungen von Fleisch auf die Gesundheit

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Verzehr von maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche – je nach Aktivitätslevel. Zu viel Fett und zu viel Eiweiß begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Übergewicht. Eine vegetarische Ernährung hilft im Gegensatz hierzu nicht nur beim Abnehmen, sondern kann auch positive Auswirkungen auf bestimmte chronische Krankheiten wie Arthritis und Diabetes haben. Wer viel Gemüse isst, nimmt deutlich mehr sekundäre Pflanzenrohstoffe zu sich, die entzündungshemmend, antioxidativ und sogar krebsvorbeugend wirken können.

Tipps zum gesunden Umgang mit Fleisch

Rückkehr zum Sonntagsbraten: Der Gesundheit und der Umwelt zuliebe macht es Sinn, Fleisch nur noch zu besonderen Gelegenheiten zu essen. Der Großteil des Speiseplans kann aus vegetarischen Lebensmitteln bestehen.

Konzentration auf Bio-Lebensmittel: Fleisch und Milch aus Weidehaltung belasten das Klima weniger. Außerdem leben Tiere in Bio-Betrieben in ethisch vertretbaren Haltungsformen.

Regional statt global: Der Verzicht auf argentinisches Rumpsteak trägt zum Klimaschutz bei. Wer stattdessen lokal einkauft, tut seiner CO₂-Bilanz und den regionalen Lebensmittelproduzierenden etwas Gutes.

Frisch statt tiefgekühlt: Frische Lebensmittel belasten das Klima deutlich weniger als tiefgefrorene Produkte. Und: Je höher ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto klimaschädlicher seine Herstellung.

Fleischersatzprodukte testen: Laut einer Studie des Umweltbundesamtes liegt die Klimabilanz eines Kilos Fleischersatzes bei 2,8 Kilogramm CO₂-Äquivalent. Das ist deutlich weniger als bei der Fleischproduktion anfällt.

Kornfeld

Pflanzenbasierte Fleischalternativen im Fokus

Der Markt für Fleischersatzprodukte expandiert in den vergangenen Jahren stark. Zu den klassischen Alternativen gehören pflanzliche Produkte aus Seitan (Weizenprotein), Quorn (fermentiertes Pilzmyzel) und Soja. In letzter Zeit experimentiert die Branche zunehmend auch mit Erbsen- und Lupinenproteinen sowie In-vitro-Fleisch.

In-vitro-Fleisch entsteht im Labor. Tierische Zellen werden mit einer Nährlösung aus Soja oder Getreide zu Kulturfleisch herangezüchtet. Das Verfahren ist noch nicht ausgereift und dadurch sehr teuer. Die CO₂-Emissionen können bisher nur geschätzt werden. Es könnte sein, dass sie höher liegen als bei konventionellem Fleisch. Wenn die Forschung jedoch noch andere Herstellungswege findet, dürfte sich die Energiebilanz deutlich verbessern.

Wie sehr sich Fleischersatzprodukte durchsetzen können, hängt von der Nachfrage ab. Vor allem in der jungen Generation entscheiden sich immer mehr Menschen für den Klimaschutz und essen vegane Lebensmittel. 2021 wurden laut statistischem Bundesamt 62,2 Prozent mehr Fleischersatzprodukte in Deutschland produziert als noch 2019. Der Marktanteil am Fleischmarkt liegt aktuell bei 6 Prozent.

Tofu auf Gemüse

In puncto Klimaschutz schneiden Fleischersatzprodukte auf Pflanzenbasis am besten ab: Im Vergleich zu Rindfleisch entstehen bei der Produktion weniger als ein Zehntel der Treibhausgase. Das liegt daran, dass Pflanzen auch auf direktem Weg der menschlichen Ernährung dienen können. Als Tierfutter werden jedoch deutlich mehr pflanzliche Kalorien verbraucht, bis die Kalorien beim Menschen ankommen.

Eine weitere Alternative ist Fleischersatz auf Insektenbasis. Die Ökobilanz ist zwar weniger gut als bei vegetarischen Alternativen, aber Insekten verwerten Futtermittel deutlich effizienter als Rinder, Schweine oder Hühner. Sie punkten mit einem hohen Proteingehalt, für die Produktion werden aber im Vergleich zur Hühnerzucht bis zu 50 Prozent weniger Wasser und Land verbraucht. Eine Studie des Umweltbundesamtes berechnet die Emissionen eines Kilos Insektenfleisch mit drei Kilogramm CO₂-Äquivalent.

Insektenburger

Was bedeutet weniger Fleischkonsum für die Landwirtschaft?

In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Felder durch den Anbau von Futtermittel belegt. Weniger Fleischkonsum würde die Felder entlasten, die Bauern könnten eine abwechslungsreiche Fruchtfolge einhalten und in der Folge die Bodenqualität stark verbessern.

Als Futter können heimische Eiweißfuttermittel als Alternative zu Soja angebaut werden. Diese sind zum Beispiel Klee, Ackerbohnen, Raps- oder Sonnenblumenschrot. Eine Neustrukturierung der Subventionen für die Landwirtschaft würde zusätzlich den ökologischen Anbau stärken. 

Wenn weniger Fleisch konsumiert würde, müssten die Bauern weniger Gülle entsorgen, die in zu hoher Konzentration Boden, Atmosphäre und Gewässer belastet. Ein Teil der Felder könnte wieder in Moore umgewandelt werden, die Treibhausgase effizient binden. Dies wäre zusätzlich ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.

Getreideschrot in den Händen

Wenn Fleisch, dann aus artgerechter Haltung

Die Konzentration der Fleischproduktion auf wenige Großbetriebe nimmt in Deutschland immer weiter zu. Ein Großteil der Tiere wird in einer Haltungsform gezüchtet, die nur geringfügig über den gesetzlichen Mindeststandard hinausgeht (Haltungsform 1). Rund 90 Prozent des Geflügels und knapp 70 Prozent der Schweine befinden sich in Haltungsform 2. In den Haltungsformen 3 und 4 nach der seit 2019 im Handel einheitlichen „Haltungsform“-Kennzeichnung haben die Tiere bessere Haltungsbedingungen. In die Haltungsform 4 „Premium“ ist unter anderem Bio-Fleisch einzuordnen. Doch nur etwa fünf Prozent aller Tiere in Deutschland leben in ökologisch wirtschaftenden Betrieben.

Wer dennoch nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte beim Kauf auf anerkannte Siegel zurückgreifen. Damit unterstützen Konsumenten Tierhaltungen, die sich um eine artgerechte Haltung und eine ökologische Landwirtschaft bemühen.

Sinnvolle Nutzung von Methangas

Wiederkäuer wie Rinder produzieren bei ihrer Verdauung CO₂ und Methan. Das Treibhausgas entsteht im Magen der Kuh durch spezialisierte Einzeller, die Archaeen. Diese kann man auch außerhalb des Tiermagens nutzen. Deutsche Mikrobiologen haben ein Verfahren entwickelt, um mithilfe von Archaeen aus CO₂ Methan herzustellen, das ins Gasnetz eingespeist werden kann.

Biogasanlage

Die CO₂-Emissionen aus der Tierhaltung können in einer Biogasanlage auch zur Produktion von Methanol genutzt werden, das mit Hilfe von fossilfreiem Wasserstoff in Kohlenwasserstoff umgewandelt wird. Daraus können dann fossilfreie Kunststoffe hergestellt werden. Dieser Prozess wird zurzeit in Kooperation mit Vattenfall erforscht.

Vattenfall Fazit

Die Fleischproduktion belastet die Umwelt mit Klimagasen und einem hohen Ressourcenverbrauch. Wer nachhaltiger leben möchte, kommt nicht umhin, seinen Fleischkonsum zu überdenken. Auch kleine Veränderungen bewirken bereits viel. Eine nachhaltigere Ernährung mit ausgewählten Bio-Produkten aus artgerechter Haltung und pflanzenbasierten Fleischersatzprodukten wirkt sich positiv auf die Klimabilanz aus.

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