Radtouren in Deutschland

Endlich Sommer! Alles sieht nach einem Boom beim Inlandstourismus aus: Auch wenn die EU-Grenzen wieder geöffnet sind, planen viele Deutsche ihren Urlaub 2020 in der Heimat. Zu entdecken gibt es jedenfalls auch hierzulande eine Menge! Das Fahrrad ist dabei ein wunderbares Vehikel für ausgedehnte Erkundungen. Zusammen mit der Bahn ist so nahezu jedes Ziel problemlos und klimafreundlich erreichbar. Wir haben ein paar Tipps zu Gegenden und auch zur Ausrüstung für Sie gesammelt.

Römer-Lippe-Route

Wo in grauer Vorzeit römische Legionen an der Lippe gen Rhein marschierten, können heute Radfahrer die Überbleibsel jener Zeit entdecken – immer entspannt am Fluss entlang. Neben der Hauptstrecke (295 Kilometer) von Detmold bis Xanten gibt es auch thematische Extraschleifen mit weiteren 154 Kilometern Strecke. Im Teutoburger Wald scheiterten die römischen Eroberer am Germanen Arminius; an die Schlacht erinnert das imposante Hermannsdenkmal. Doch auch im Münsterland, Sauerland und Ruhrgebiet sind reichlich antike Spuren zu entdecken, wozu etwa der archäologische Lehrpfad Anreppen oder das Römermuseum in Haltern am See einladen. Am Zielort Xanten kommen Geschichtsinteressierte im Archäologiepark mit Rekonstruktionen von Hafentempel und Amphitheater noch einmal richtig auf ihre Kosten.

Literatur: ADFC – Deutschland per Rad entdecken

 

Wie wär’s denn damit, das „Grüne Herz Deutschlands“ – wie sich Thüringen wegen seines Waldreichtums selbst nennt – auf den Spuren der Reformation zu erkunden? Der Lutherweg lädt Radreisende dazu ein. Weil der Reformator eine ganze Reihe mitteldeutscher Orte zu seinen Wirkungsstätten zählte, hat die Lutherweggesellschaft eine Süd- und eine Nord-Route kreiert. Letztere startet in Eisenach und endet in Erfurt. Sie macht Station in Creuzburg, Treffurt, Struth, Mühlhausen, Kammerforst, Bad Langensalza und Gierstädt . Zu entdecken gibt es natürlich jede Menge Kirchen und Augustinerklöster, aber auch Burgen wie die Creuz- und die berühmte Wartburg, wo Luther der Legende nach ein Tintenfass nach dem Teufel warf. Insgesamt 102 Kilometer sehr abwechslungsreicher Strecke bietet die Nord-Route, von seichten Flusstälern an Werra und Gera bis zu herausfordernden und aussichtsreichen Abschnitten im bergigen Thüringer Wald.

Literatur: Verlag Grünes Herz

Auf etwa 470 Kilometern führt der Badische Weinradweg durch sieben der neun badischen Weinbaugebiete. Durch das stetige Auf und Ab in den Weinbergen belohnt Sie die Strecke zwar mit unvergesslichen Panoramen, summiert sich aber auf 3.000 Höhenmeter – weshalb sie ideal als E-Bike-Tour ist. Sie starten in Basel, fahren durchs malerische Markgräflerland und erleben mediterranes Klima auf der Sonnenterrasse von Kaiserstuhl und Tuniberg. Wer mag, kann dort ins Breisgau und seine Hauptstadt Freiburg abbiegen. Übrigens: Wer in einen der „Bächle“ genannten künstlichen Wasserläufe der Freiburger Altstadt tritt, heiratet dem Volksglauben nach eine Freiburgerin oder einen Freiburger. Wem das zu riskant ist, fährt weiter durch die Ortenau zu den ältesten Weinbaubetriebe Badens, und erlebt, warum der Kraichgau auch das „Land der 1.000 Hügel“ genannt wird. Zum Abschluss der Reise können Sie den Frühlingsgarten Deutschlands an der Badischen Bergstraße entdecken.

Literatur: Verlag Esterbauer

Entspannungstouren auf dem platten Land

Im hohen Norden können große und kleine Radler auf einfachen Strecken viel entdecken! Vier ostfriesische Themenrouten zwischen Leer und Wilhelmshaven bieten insgesamt knapp 800 Kilometer zum Genießen, Gleiten und Staunen. „Seeräuber und Häuptlinge“ entführt in Piratennester und weiht Sie in die Teekultur Ostfrieslands ein, auf „Wasser und Weite“ dreht sich alles um die inspirierende Natur des Nordens mit Mooren, Klappbrücken und Windmühlen. „Alte und neue Häfen“ bringt Sie nah an die Nordsee, vom Museumshafen Carolinensiel bis zum riesigen Containerschiffhafen Jade-Weser-Port; die Runde „Gärten und Schlösser“ beschert spannende Perspektiven in Parkanlagen und private Gärten im Ammerland. Der häufige Wind von See kann die Touren übrigens auch ohne Höhenmeter zur konditionellen Herausforderung machen.

Literatur: ADFC – Deutschland per Rad entdecken

 

Schlau packen!

Gepäckvorlieben sind sehr unterschiedlich. Unumgänglich aber sind auf Ihren spektakulären Routen wasserdichte Taschen. Rucksäcke sind für lange Touren nicht optimal. Je mehr Gepäck Sie brauchen, desto gleichmäßiger verteilen Sie es am Rad. Neben zwei großen Taschen am hinteren Gepäckträger (je etwa max. 10 Kilogramm) lassen sich oft auch noch zwei kleinere am Vorderrad anbringen (je etwa max. 5 Kilogramm). Schweres Gepäck gehört nach unten in die Taschen und leichtes nach oben. Für Werkzeug und Ersatzteile bietet sich eine kleine Rahmentasche an. So hat alles seinen festen Platz und schon am zweiten Tag sitzt jeder Handgriff.

„Mein Tipp für jede Radreise ist: Umsicht und Gemeinsinn. Achten Sie aufeinander – in der eigenen Gruppe muss man unterschiedliches Tempo sowie Pausenbedürfnis auffangen und lieber zu viel kommunizieren als zu wenig. Für das Miteinander mit anderen Radlern ist angemessenes Überholen, Mitdenken beim Anhalten und immer ein Auge nach hinten wichtig.“

 

Gunnar Fehlau

Radreiseexperte

Technik-Tipps vor Fahrtantritt

Böse Überraschungen während der Tour lassen sich oft mit drei kleinen Checks vermeiden:

Stimmt der Reifendruck? Auf jedem Reifen ist der geeignete Luftdruckbereich angegeben. Faustformel innerhalb dieses Bereichs: hohe Ladung und viel Asphalt = eher hoher Druck; wenig Ladung und loser Untergrund = lieber geringer Druck

Ziehen beide Bremsen gut? Arbeiten sie geräuschlos und gleichmäßig? Ist bei gezogenem Bremshebel noch Luft zum Lenker? Wenn Bremsen quietschen, kratzen und schlecht funktionieren: besser nochmal zur Werkstatt!

Läuft die Kette sauber? Trockenheit oder gar Rost sind der Todfeind der Kette und machen die Tour zur Tortur. Nutzen Sie regelmäßig etwas Kettenöl, werden Sie mit leisem Lauf und langem Leben bedankt. Groben Dreck putzt man schnell weg; ein leicht glänzender Ölfilm ist ideal.

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