Windkraftanlage auf grüner Wiese, hinten sind die Berge zu sehen
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Offshore-Windpark

Ende 2025 sorgten in deutschen Gewässern 1.680 Offshore-Windenergieanlagen für Strom, der in das Netz eingespeist wurde. Mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz hat die vergangene Bundesregierung die Weichen für einen beschleunigten Ausbau der Offshore-Windenergie gestellt. Das Ziel: Bis 2030 soll der Erneuerbare-Energien-Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland auf 80 % steigen, es sollen insgesamt 115 Gigawatt (GW) Windkapazität an Land und mindestens 30 GW Wind auf See installiert sein, um die Energiewende weiter zu beschleunigen. Bis 2035 soll die Offshore-Gesamtleistung auf 40.000 Megawatt (MW) steigen, bis zum Jahr 2045 sind 70.000 MW geplant. 

Was ist ein Offshore-Windpark? 

Ein Offshore-Windpark besteht aus Gruppen von Windrädern auf hoher See, die günstige Windbedingungen nutzen, um weitgehend kontinuierlich Windenergie zu gewinnen. Der daraus generierte Strom gelangt über Seekabel an Land und ist – im Gegensatz zu Strom aus fossilen Energieträgern – eine grundlastnahe, also immer verfügbare, Erzeugungsform auf Basis erneuerbarer Energien.

Das Wort „offshore“ ist Englisch und bedeutet “vor der Küste”. Die Offshore-Anlagen nutzen stärkere und konstantere Winde, sind aber technisch aufwändiger und teurer im Bau. Als Offshore-Windparks werden Anlagen bezeichnet, die auf dem Meer mit erheblichem Abstand zur Küste gebaut werden. Ihre Standorte kennzeichnen hohe durchschnittliche Windgeschwindigkeiten.

Dies führt dazu, dass die so errichteten Windkraftanlagen üblicherweise eine sehr hohe Auslastung verzeichnen. Die Energie kommt über Seekabel an die Küste und wird auf Höchstspannungsebene in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Im Gegensatz dazu sind Onshore-Windparks – „on shore“ bedeutet „an Land" – Anlagen von Windkraftwerken zur Energieerzeugung auf dem Festland. Onshore-Windenergieanlagen befinden sich meist auf offenen oder erhöhten Flächen. 

Nicht in jedem Bereich von Nord- und Ostsee ist der Wind gleichermaßen geeignet, um Offshore-Windenergie zu erzeugen. Aufgrund der hohen Windstärken zählt die Nordsee zu einem der Top-Standorte für Offshore-Windparks in Europa. Dort wurde auch der erste Offshore-Windpark Deutschlands in Betrieb genommen. Ein Großteil der Offshore-Windparks in Deutschland befindet sich in der Nordsee, aber es gibt auch Anlagen in der Ostsee wie EnBW Baltic 2, Arkona und Wikinger.  

Wie funktioniert ein Offshore-Windpark?

Ein Offshore-Windpark besteht oft aus Gruppen von mehreren Dutzenden bis über hundert Windrädern. Jede dieser Anlagen setzt sich im Wesentlichen aus vier Hauptkomponenten zusammen:

  • Rotorblätter, die den Wind einfangen und in Drehbewegung umwandeln

  • eine Gondel, die auf dem Turm sitzt und den Generator sowie das Getriebe enthält

  • ein stabiler Turm, der die Gondel trägt

  • das Fundament, das auf dem Meeresboden verankert ist und die Anlage stabilisiert
     

Die Rotationsenergie wird über eine Welle in den Generator in der Gondel weitergeleitet, sodass dort elektrischer Strom entsteht. Der erzeugte Strom wird zunächst auf See gesammelt und häufig in einer Umspannplattform in Gleichstrom umgewandelt. Von dort gelangt er über Seekabel ans Festland, wo er ins Hoch- oder Höchstspannungsnetz eingespeist wird.


Betrieb und Wartung von Offshore-Windparks

Offshore-Windparks müssen regelmäßig gewartet werden. Fundamente, Rotorblätter und Sockel werden dabei auf Schäden wie Risse, Korrosion oder Kolkbildungen geprüft. Condition Monitoring Systeme (CMS) können die Temperatur, Vibrationen und den Druck automatisiert überwachen. Kleinere Störungen werden durch Fernwartung vom Festland aus behoben. Bei größeren Schäden, etwa an Hydraulik oder Elektronik, ist eine Vor-Ort-Wartung unverzichtbar. Regelmäßige Inspektionen sind durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gesetzlich vorgeschrieben.

Errichtung von Offshore-Windparks

In Deutschland wird Offshore-Windenergie vor allem außerhalb der 12-Seemeilen-Zone gewonnen, also hinter der seewärtigen Grenze des Küstenmeeres. Da diese Offshore-Standorte, sogenannte „ausschließliche Wirtschaftszonen“ (AWZ), für gewöhnlich erheblich höhere Winddurchschnittsgeschwindigkeiten als Onshore-Standorte im Binnenland aufweisen, erzielen die entsprechenden Windkraftanlagen höhere Erträge.

Windparks in Nord- und Ostsee werden durch geschleppte Hubinseln oder Errichterschiffe installiert. Die Errichtung, Netzanbindung und der Betrieb von Offshore-Anlagen sind dabei vor allem bei großen Entfernungen zur Küste und hoher Wassertiefe deutlich aufwendiger als bei Windparks an Land.

Verwendete Windkraftanlagen 

Neben der Errichtung unterscheiden sich auch die Typen der Windkraftanlagen an Land und auf dem Meer. Die an Offshore-Standpunkten eingesetzten Windkraftanlagen sind perfekt auf die widrigen Bedingungen auf hoher See eingestellt. Sie verfügen zum Beispiel über einen Korrosionsschutz gegen salzhaltige Umgebungsluft, Bordkräne und Hubschrauberplattformen. Baugruppen werden bisweilen komplett gekapselt, Türme und Maschinenhäuser mit speziellen Lüftungsanlagen ausgestattet und umfangreichere Überwachungssysteme installiert. 

Da auf die Gründung der Windanlagen neben dem eigenen Gewicht auch die Strömung des Wassers und die Kraft der Wellen wirken, muss diese speziell ausgearbeitet werden. Um den widrigen Bedingungen auf hoher See angemessen begegnen zu können, wird auf verschiedene Gründungsmöglichkeiten zurückgegriffen, die sich unter anderem nach der Wassertiefe und der Beschaffenheit des Bodens richten. 

Studien an Offshore-Windenergieanlagen ergaben nach der Inbetriebnahme, neben der erzeugten erneuerbaren Energie, positive Auswirkungen auf die Biodiversität innerhalb von Offshore-Windparks. So schreiben die Forschenden in einer Metastudie: „Insgesamt ergab unsere Analyse, dass Arten in Windparkgebieten tendenziell in größerer Anzahl vorkommen als in Kontrollgebieten.“ Weiter heißt es dort, die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Windparks zum sogenannten Riff-Effekt beitragen, indem sie ihren Bewohnern Schutz und Nahrungsquellen bieten und als Fangverbotszonen fungieren. Allerdings führten Offshore-Windparks auch zu Veränderungen der elektromagnetischen Felder, des Lärmpegels und der hydrologischen Bedingungen, so die Forschenden. Es seien weitere Studien nötig, um ein besseres Verständnis der negativen Effekte auf die Biodiversität zu gewinnen. 

Offshore-Windparks und die Umwelt

Offshore-Windkraftanlagen sind ein wichtiger Baustein der Energiewende. Wie bei jedem Eingriff des Menschen in seine Umwelt bleiben auch Offshore-Anlagen nicht ganz ohne Folgen. Die See ist ein komplexes Ökosystem und Bau sowie Wartung haben direkte Auswirkungen auf die umgebende Natur. 

Gerade beim Bau von Offshore-Anlagen müssen besondere Maßnahmen getroffen werden, um die Lärmbelastung für die Meeresbewohner so gering wie möglich zu halten. Bei einer Studie am größten Offshore-Windpark „Borkum Riffgrund 2“ (PDF, 12,2 MB) wurde die Methode des Blasenschleiers erfolgreich getestet. Hier werden Schläuche rund um die Unterwasserbaustelle verlegt und Druckluft hineingepumpt. Durch Öffnungen in den Schläuchen entweicht die Luft nach oben. Der so entstehende Schleier aus Luftblasen kann bis zu 90 % des Schalls absorbieren. 

Vorteile von Offshore-Windparks:

  • höhere Stromproduktion durch gleichmäßige Windverhältnisse

  • grundlastnahe, also häufig verfügbare Erzeugungsform können als Lebensraum für Meeresorganismen dienen 

Nachteile von Offshore-Windparks:

  • anspruchsvolle und kostenintensive Instandhaltung

  • teilweise negative Auswirkungen auf die Meeresökologie

  • komplexe Infrastruktur für die Stromübertragung

Anteil von Offshore-Energie

„alpha-ventus“ in der Deutschen Bucht war der erste Windpark, der im Jahr 2010 in deutschen Hoheitsgewässern gebaut wurde. Nach dem Vorbild von „alpha-ventus“ wurde ebenso 2010 – unter Schirmherrschaft der Stiftung Offshore-Windenergie – der Windpark „Borkum West“ errichtet. Die Anlage brachte es auf 60 Megawatt Leistung. Die größte derzeit (Stand August 2026) in Betrieb befindliche Anlage ist die „Hohe See“ von EnBW – mit 522 MW installierter Leistung.

Balkendiagramm: Die am häufigsten genutzte Quelle für erneuerbare Energie im Jahr 2024 ist die Windenergie mit 25,61 %, gefolgt von Photovoltaik mit 13,8 %. Wasserkraft liegt im Vergleich weit hinten mit 4,7 %.

Im Jahr 2025 entfielen in Deutschland 57,4 % der Stromerzeugung auf erneuerbare Energieträger, während 42,6 % aus konventionellen Energieträgern stammten. Windenergie ist die am häufigsten genutzte Quelle für erneuerbare Energien. Onshore-Windenergieanlagen haben hier die Nase vorne. Offshore-Windenergie liegt bei der Erzeugung von Ökostrom auf dem vierten Platz. 

Im Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) ist der weitere Ausbau von Offshore-Windenergie in der deutschen ⁠AWZ⁠ bis 2045 auf mindestens 70 GW installierter Leistung geplant. Diess Ausbauziel soll zusammen mit denen im Erneuerbare-Energien-Gesetz dazu beitragen, dass Deutschland seine Umweltziele erreichen kann. 

2022 wurden in Europa (inkl. UK und Norwegen) Offshore-Windanlagen mit rund 3.600 MW neu ans Netz angeschlossen. Das Vereinigte Königreich liegt mit rund 13.700 MW klar vor Deutschland (ca. 8.100 MW), gefolgt von den Niederlanden (ca. 2.850 MW), Dänemark und Belgien (je ca. 2.300 MW). 

2023 nahmen zwei der weltweit größten Offshore-Windparks in Europa den Betrieb auf. In den Niederlanden wurde im September 2023 der 1.500-MW-Windpark Hollandse Kust Zuid offiziell eingeweiht.

Off- und Onshore-Anlagen von Vattenfall

Darüber hinaus hat Vattenfall auch zusammen mit BASF den weltgrößten Offshore-Windpark. „Hollandse Kust Zuid“ gebaut (Stand: August 2026), der nach seiner Fertigstellung im Juli 2023 1.500 MW Ökostrom produziert. Dafür kommen 140 Windturbinen von Siemens zum Einsatz. Außerdem betreibt Vattenfall eine große Anzahl von Off- und Onshore-Anlagen. In deutschen Gewässern liefern zwei Anlagen Offshore-Windenergie.

Der Offshore-Windpark Kriegers Flak hat eine Kapazität von 604 MW und ist damit einer der größten Offshore-Windpark Dänemarks und Skandinaviens. Mit seinen 72 Offshore-Windturbinen kann er den jährlichen Energieverbrauch von rund 600.000 dänischen Haushalten decken.

Ökobilanz von Offshore-Windparks

Das „Windenergie-auf-See-Gesetz“ legt fest, dass bis zum Jahr 2045 70.000 MW an Offshore-Windenergie installiert sein soll. Die Nutzung von Windkraft ist eine vergleichsweise kostengünstige Form der Stromerzeugung.  

Dazu kommt: Eine Studie zeigt, dass manche Offshore-Anlagen rechnerisch innerhalb von nur 13 Monaten so viel Strom erzeugen können wie sie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Fertigung über Transport, Installation und Betrieb bis hin zur Entsorgung – benötigen. 

Windenergieanlagen auf hoher See sind ein wichtiger Bestandteil für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Sinne des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Denn durch die maritimen klimatischen Bedingungen können sie nahezu konstant erneuerbare Energie produzieren.  

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