Energiekrise: Werden Strom und Gas durch den Iran-Konflikt teurer?

Der Angriff der USA und Israel auf den Iran begann am 28. Februar 2026. Der seither andauernde Konflikt beeinflusst nicht nur die Weltpolitk sondern auch kurz- und mittelfristig die Energiepreise. Wir ordnen die wichtigsten Entwicklungen ein und zeigen, wie sie sich gegen volatile Energiepreise absichern können.

Dieses Bild zeigt einen Gastanker und verdeutlicht das Thema Energiekrise: Wird Strom und Gas durch den Konflikt im Iran für Unternehmen teurer?

Letzter Stand: 19.03.2026
Lesezeit: 6 Minuten

Irankonflikt: Ursachen steigender Gaspreise

Aktueller Auslöser der starken Schwankungen an den Energiebörsen ist der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Der Iran ist ein direkter Nachbar der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens, die einen großen Anteil an der weltweiten Öl- und Gasproduktion haben. Flüssigerdgas (LNG) und Erdöl werden von dort per Schiff durch den Persischen Golf und den Golf von Oman in die ganze Welt transportiert.

Blockade der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist eine Meerenge von zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran und an ihrer engsten Stelle nur etwa 55 Kilometer breit. Die amerikanische Energy Information Administration (EIA) geht davon aus, dass ca. 19 % des weltweiten LNG und fast 25 % des weltweiten Öls durch diese Meerenge transportiert werden. 

Der Iran droht damit, jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, unter Beschuss zu nehmen. Infolgedessen ist der Seehandel über diesen Weg derzeit (Stand 19.03.) vollständig eingestellt. Öl- und Gaspreise an den Börsen stiegen in Erwartung einer geringeren Verfügbarkeit deutlich an.

Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur

Als weitere Reaktion greift der Iran Raffinerien sowie Öl- und Gasinfrastruktur, dazu gehören Pipelines und Lagerstätten, auf der arabischen Halbinsel an. Nach mehreren Luftangriffen haben viele Staaten in der Region ihre Öl- und Gasproduktion eingestellt oder stark eingeschränkt.

Woher bezieht Deutschland Erdgas und LNG?

Nach dem Angriff auf die Ukraine und dem Wegfall der russischen Gaslieferungen bezieht Deutschland einen Großteil seines Erdgases aus Norwegen. 2025 waren das knapp 44 % des importierten Gases. Weitere 24,2 % des Gases flossen aus den Niederlanden und 20,7 % aus Belgien ins deutsche Netz. Nur rund 10 % waren LNG-Importe, von denen wiederum 96 % aus den USA stammen. Derzeit macht LNG aus dem arabischen Raum in der EU nur einen geringen Teil des Gasmixes aus.

Aktuelle TTF-Gaspreise

Der TTF-Gaspreis gilt als Referenzwert für den europäischen Gasmarkt und wird in €/MWh angegeben. Er lag Mitte März fast 50 % höher als im Vormonat. Das zeigt: Obwohl Deutschland nicht von Gas aus dem Nahen Osten abhängig ist, beeinflusst der Irankonflikt auch die deutschen Energiepreise. Einen schnellen Überblick über die Entwicklung der TTF-Gaspreise gibt die Website Trading Economics.

Gut zu wissen: TTF steht für Title Transfer Facility. Gemeint ist ein virtueller Handelspunkt im niederländischen Gasnetz und einer der wichtigsten europäischen Referenzmärkte für Erdgas. Die dort gehandelten Gaspreise entstehen grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage und dienen in Europa häufig als Benchmark.

Werden die Gaspreise weiter steigen? 

Während sich die Ölpreise seit Beginn des Konflikts teilweise verdoppelt haben, ist der Gaspreis im Verhältnis dazu noch moderat gestiegen. Öl- und Gaspreise sind zwar nicht direkt gekoppelt, beeinflussen sich aber über gemeinsame Nachfragedynamiken, konkurrierende Energieträger und die allgemeine Marktstimmung gegenseitig. LNG aus dem arabischen Raum macht in der EU derzeit nur einen geringen Teil des Gasmixes aus – doch das bedeutet keine Unabhängigkeit von der Region. Der globale LNG-Markt ist eng vernetzt: Kommt es etwa am Persischen Golf zu Lieferausfällen, weichen asiatische Abnehmer auf alternative Quellen aus und konkurrieren damit direkt mit europäischen Käufern um dieselben Kapazitäten. Die Folge sind steigende Preise weltweit und damit auch in Europa.

Aktuell gibt es verschiedene Szenarien, wie sich die Gaspreise entwickeln können:

Worst Case: Länger anhaltende Blockaden und Ausfälle von LNG-Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) steigern die weltweite Nachfrage nach Gas anderer Lieferanten. Analysen gehen dann von doppelt oder gar dreifach höheren Preisen aus.

Best Case: Ein baldiges Ende der Blockade und den Angriffen des Irans kann dazu führen, dass bereits beladene Tanker wieder liefern können. Der kurze Lieferstopp dürfte die Versorgung dann kaum beeinträchtigen. Eine zusätzlich sinkende Nachfrage in Europa, durch das frühe Ende der Heizsaison, kann ebenfalls zu sinkenden Preisen führen.

Ursache für die derzeit steigenden Gaspreise in Deutschland ist aber nicht nur der Konflikt mit dem Iran. Die niedrigen Füllstände deutscher Gasspeicher zum Ende des Winters haben die Volatilität an den Börsen verstärkt. In unserem Artikel zur Gaspreisentwicklung 2026 haben wir weitere Fakten rund um die Gaskosten für Unternehmen zusammengefasst.

Werden die Strompreise auch steigen?

Besonders bei kurzfristigen Lieferverträgen mit Beginn im Jahr 2026 war zuletzt ein deutlicher Preisanstieg zu beobachten. Die Börsenpreise bei mittel- und langfristigen Lieferverträge, etwa mit Beginn ab 2027, reagieren derzeit noch moderater. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern und die Gaspreise weiter steigen, könnten auch diese Lieferzeiträume zunehmend unter Aufwärtsdruck geraten.

Der Börsenstrompreis orientiert sich immer am teuersten Wert, der für die Stromerzeugung verwendeten Energieträger – eine Mechanik am deutschen Strommarkt, die als das Merit-Order-System bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass wie bereits in der Energiekrise 2022 vor allem Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen. Eine monatelange Blockade, ausgesetzte Öl- und Gasproduktion und damit erhöhte Weltmarktpreise für Gas können dann auch langfristig zu höheren Preisen bei Strom führen.

Für Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, die aktuelle Marktsituation frühzeitig zu prüfen und mögliche Preisoptionen für kommende Lieferjahre zu vergleichen. Ein Angebotsvergleich für Strom schafft Transparenz über das derzeitige Marktpreisniveau und zeigt auf, welche Möglichkeiten zur Preisabsicherung aktuell bestehen.

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Preisentwicklung Gas 

Mit Stand März 2026 ist der Gaspreis im Vergleich zum Vorjahr zeitweise um bis zu 65 % angestiegen. Aktuell liegt er aber immer noch weit unter den Höchstpreisen der Energiekrise von 2022. Damals wurden Spitzenpreise von über 330 €/MWh erreicht. Unternehmen, die Ihren Tarif wechseln wollen, profitieren aktuell noch von langfristig beschafften Energiemengen, die vor den aktuellen Marktturbulenzen eingekauft wurden.

Ein Kostentreiber, der in der aktuellen Debatte oft übersehen wird, sind die Emissionszertifikate: Die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel sind zuletzt ebenfalls gestiegen und erhöhen die Betriebskosten gasbasierter Erzeugung zusätzlich. Langfristig ist von einer weiteren Steigerung der Emissionskosten auszugehen, was Anreize für mehr Energieeffizienz und die Nutzung alternativer Energieträger schafft.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit, Volatilität am Energiemarkt und steigender CO2-Preise sollten Unternehmen 2026 ihre bestehenden Gasverträge prüfen und sich mit Energiepreisgarantien gegen steigende Preise absichern sowie weitere Maßnahmen zu Senkung ihrer Emissionen ergreifen. 

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Gasspeicher Füllstände und ihr Einfluss auf die Gaspreise

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher haben direkten Einfluss auf die Gaspreise, da niedrige Füllstände den Druck erhöhen, bis zum nächsten Winter größere Mengen Gas einzukaufen. Dies erhöht die Nachfrage an den Gasbörsen und bietet Anreize für Spekulationen. Der aktuelle Füllstand (Stand 19.03.2026) liegt bei etwa 21,5 % und liegt damit deutlich niedriger als im Vorjahr. Dies hat laut Bundesnetzagentur keinen Einfluss auf die aktuelle Versorgungssicherheit. Dennoch sind Speicherfüllstände ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung und helfen, Marktrisiken besser einzuordnen.

Tipps zur Absicherung gegen volatile Gas- und Strompreise

Strom- und Gasverträge regelmäßig prüfen:
Unternehmen sollten ihre Verträge auf Laufzeit, Preisbindung und Kündigungsfristen prüfen und rechtzeitig Angebote einholen. Gerade bei Lieferverträgen mit Beginn im Jahr 2027 kann eine frühzeitige Marktprüfung helfen, Preisoptionen zu vergleichen und Planungssicherheit zu schaffen.

Energieeffizienz steigern:
Mittelfristig können Betriebe ihren Strom- und Gasverbrauch senken, etwa durch die Optimierung von Heizungs-, Klima- und Prozessanlagen sowie durch effizientere Technik und energetische Sanierungen. Für diese können Unternehmen Investitionskredite und andere Energieförderungen erhalten.

Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren:
Steigende Energiepreise und höhere Kosten für Emissionszertifikate setzen Anreize, den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern. Das kann Unternehmen helfen, Kostenrisiken langfristig zu senken.

Alternative Energieträger und eigene Erzeugung nutzen:
Elektrische Lösungen wie Wärmepumpen oder alternative Energieträger wie Gas mit Biomethananteil können die Abhängigkeit von Erdgas verringern. Eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, z. B. mit eigener PV-Anlage, kann zudem Energiekosten langfristig senken.

Fazit: Energiemärkte im Blick behalten und frühzeitig absichern

Wie sich der Konflikt und die Energiepreise weiterentwickeln, ist derzeit nicht absehbar. Szenarien zeigen lediglich die mögliche Bandbreite der weiteren Entwicklungen. Unternehmen, die Handlungsbedarf sehen, sollten daher kurzfristig ihre Strom- und Gasbeschaffung prüfen. Besonders bei Verträgen mit Lieferbeginn ab 2027 kann eine frühzeitige Marktbeobachtung helfen, Preisentwicklungen besser einzuordnen und Beschaffungsentscheidungen rechtzeitig vorzubereiten. Langfristig bleiben Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien wichtig, um Kosten zu senken und die Abhängigkeit von geopolitischen Risiken zu reduzieren. 

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