Energiekrise: Werden Strom und Gas durch den Iran-Konflikt teurer?

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran begann am 28. Februar 2026. Der seither andauernde Konflikt beeinflusst nicht nur die Weltpolitik, sondern auch kurz- und mittelfristig die Energiepreise. Wir ordnen die wichtigsten Entwicklungen ein und zeigen, wie sich Unternehmen gegen volatile Energiepreise absichern können.

Dieses KI-Bild zeigt einen Gastanker und eine iranische Flagge
Zuletzt aktualisiert am: 31.7.2026
Lesedauer: 12 Minuten

Irankonflikt: Ursachen steigender Gaspreise

Aktueller Auslöser der starken Schwankungen an den Energiebörsen ist der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Der Iran ist ein direkter Nachbar der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens, die einen großen Anteil an der weltweiten Öl- und Gasproduktion haben. Flüssigerdgas (LNG) und Erdöl werden von dort per Schiff durch den Persischen Golf und den Golf von Oman in die ganze Welt transportiert.

Blockade der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Sie ist an ihrer engsten Stelle nur etwa 55 Kilometer breit. Die amerikanische Energy Information Administration (EIA) geht davon aus, dass ca. 19 % des weltweiten LNG und fast 25 % des weltweiten Öls durch diese Meerenge transportiert werden.  

Der Iran drohte damit, jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, unter Beschuss zu nehmen. Infolgedessen kam der Seehandel über diesen Weg ab März 2026 weitgehend zum Erliegen. Am 8. April 2026 einigten sich die USA und der Iran auf eine Waffenruhe, die auch eine Öffnung der Meerenge vorsah. Die Umsetzung blieb zunächst lückenhaft, der Schiffsverkehr lag deutlich unter dem Niveau vor der Krise. Vom 13. April bis zum 29. Mai 2026 verhängten die USA zusätzlich eine Seeblockade gegen iranische Häfen, um den Export iranischer Energieprodukte zu unterbinden. Mitte Juni einigten sich beide Seiten auf ein Abkommen, das eine zollfreie Öffnung der Straße von Hormus für zunächst 60 Tage sowie die Aufhebung der US-Blockade vorsah. Seither wechseln sich Phasen der Entspannung und der erneuten Eskalation ab. Eine dauerhafte Einigung ist derzeit noch nicht in Sicht. Die Öl- und Gaspreise an den Börsen reagieren entsprechend volatil auf die Entwicklungen des Konflikts. 

Diese Karte zeigt die geografische Lage der Straße von Hormus

Einschränkungen am Tor der Tränen (Rotes Meer) 

Neben der Straße von Hormus gewinnt auch die Meerenge Bab al-Mandab, zu Deutsch das Tor der Tränen, zunehmend an Bedeutung für die Energiepreise. Dort greift die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz aus dem Jemen wiederholt Handelsschiffe und Tanker an. Ziel der Angriffe sind vor allem Schiffe, die nach Einschätzung der Huthi mit westlichen Staaten oder Israel in Verbindung stehen. Die Folgen betreffen jedoch den gesamten internationalen Schiffsverkehr. 

Viele Reedereien meiden deshalb den Suezkanal und weichen auf den deutlich längeren Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung aus. Dadurch verlängern sich Transportzeiten, Frachtraten und Versicherungskosten steigen. LNG-Lieferungen erreichen Europa teilweise verspätet oder zu höheren Kosten.

Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur 

Als weitere Reaktion griff der Iran Raffinerien sowie Öl- und Gasinfrastruktur, darunter Pipelines und Lagerstätten, auf der Arabischen Halbinsel an. Unter anderem wurden Energieanlagen in Katar zerstört. Reparaturen gestalten sich aufgrund der instabilen Sicherheitslage schwierig. Nach mehreren Luftangriffen haben viele Staaten in der Region ihre Öl- und Gasproduktion eingestellt oder stark eingeschränkt. Die vollständige Wiederinbetriebnahme der Anlagen kann laut Expert:innen Monate bis Jahre dauern – mit Folgen für die globalen Energiepreise.

Woher bezieht Deutschland Erdgas und LNG?

Nach dem Angriff auf die Ukraine und dem Wegfall der russischen Gaslieferungen bezieht Deutschland einen Großteil seines Erdgases aus Norwegen. 2025 waren das knapp 44 % des importierten Gases. Weitere 24,2 % des Gases flossen aus den Niederlanden und 20,7 % aus Belgien ins deutsche Netz. Nur rund 10 % waren LNG-Importe, von denen wiederum 96 % aus den USA stammen. Derzeit macht LNG aus dem arabischen Raum in der EU nur einen geringen Teil des Gasmixes aus.

Aktuelle TTF-Gaspreise

Der TTF-Gaspreis gilt als Referenzwert für den europäischen Gasmarkt und wird in €/MWh angegeben. Er lag Ende Juli rund 94 % höher als vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Das zeigt: Obwohl Deutschland nicht von Gas aus dem Nahen Osten abhängig ist, beeinflusst der Irankonflikt auch die deutschen Energiepreise. Einen schnellen Überblick über die Entwicklung der TTF-Gaspreise gibt die Website Trading Economics.

Gut zu wissen: TTF steht für Title Transfer Facility. Gemeint ist ein virtueller Handelspunkt im niederländischen Gasnetz und einer der wichtigsten europäischen Referenzmärkte für Erdgas. Die dort gehandelten Gaspreise entstehen grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage und dienen in Europa häufig als Benchmark.

Werden die Gaspreise weiter steigen? 

Eine sichere Prognose ist nicht möglich. Die aktuelle Marktlage spricht jedoch eher für weiter steigende Preise als für eine schnelle Entspannung. Der Brent-Ölpreis ist seit seinem Zwischentief von rund 70 US-Dollar Anfang Juli 2026 wieder auf über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen, ein Anstieg von rund 40 % innerhalb weniger Wochen. Auch der Gaspreis hat sich im gleichen Zeitraum erheblich erhöht. Öl- und Gaspreise sind zwar nicht direkt gekoppelt, beeinflussen sich aber über gemeinsame Nachfragedynamiken, konkurrierende Energieträger und die allgemeine Marktstimmung gegenseitig.  

LNG aus dem arabischen Raum macht in der EU derzeit nur einen geringen Teil des Gasmixes aus – doch das bedeutet keine Unabhängigkeit von der Region. Der globale LNG-Markt ist eng vernetzt: Kommt es etwa am Persischen Golf zu Lieferausfällen, weichen asiatische Abnehmer auf alternative Quellen aus und konkurrieren damit direkt mit europäischen Käufern um dieselben Kapazitäten. Die Folge sind deutlich gestiegene Preise weltweit und damit auch in Europa. 

Aktuell gibt es verschiedene Szenarien, wie sich die Gaspreise entwickeln können:

Ein Icon mit einem Daumen nach unten

Worst Case: Länger anhaltende Blockaden und Ausfälle von LNG-Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) steigern die weltweite Nachfrage nach Gas anderer Lieferanten. Analysen gehen dann von doppelt oder gar dreifach höheren Preisen aus. Verschärfen sich zugleich die Huthi-Angriffe im Roten Meer und schränken den Suezkanal als Ausweichroute zusätzlich ein, würde sich der weltweite Angebotsdruck weiter verstärken.

Ein Icon mit einem Daumen hoch

Best Case: Die Lage im Nahen Osten stabilisiert sich dauerhaft und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und das Rote Meer normalisiert sich. Dadurch könnten Transport- und Versicherungskosten sinken und die geopolitische Risikoprämie an den Energiemärkten zurückgehen. Eine schnelle Rückkehr zum Preisniveau vor der Krise ist allerdings auch in diesem Szenario eher unwahrscheinlich, da auch die Gasspeicher für den kommenden Winter gefüllt werden müssen.

Ursache für die derzeit steigenden Gaspreise in Deutschland ist aber nicht nur der Konflikt mit dem Iran. Die niedrigen Füllstände deutscher Gasspeicher zum Ende des Winters haben die Volatilität an den Börsen verstärkt. In unserem Artikel zur Gaspreisentwicklung 2026 haben wir weitere Fakten rund um die Gaskosten für Unternehmen zusammengefasst.

Werden die Strompreise auch steigen?

Nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung sind die Strompreise zuletzt erneut deutlich gestiegen. Mittlerweile zeigt sich der Preisanstieg nicht mehr nur bei kurzfristigen Lieferverträgen für 2026, sondern zunehmend auch bei Lieferbeginn im Jahr 2027. Grund ist, dass die Terminmärkte mögliche Versorgungsrisiken bereits frühzeitig einpreisen. Die weiter entfernten Lieferjahre 2028 und 2029 reagieren bislang schwächer, da sie stärker von langfristigen Markterwartungen abhängen.

Der Börsenstrompreis orientiert sich immer am teuersten Wert der für die Stromerzeugung verwendeten Energieträger – eine Mechanik am deutschen Strommarkt, die als das Merit-Order-System bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass wie bereits in der Energiekrise 2022 vor allem Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen. Eine monatelange Blockade, ausgesetzte Öl- und Gasproduktion und damit erhöhte Weltmarktpreise für Gas können dann auch langfristig zu höheren Preisen bei Strom führen.

Für Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, die aktuelle Marktsituation frühzeitig zu prüfen und mögliche Preisoptionen für kommende Lieferjahre zu vergleichen. Ein Angebotsvergleich für Strom schafft Transparenz über das derzeitige Marktpreisniveau und zeigt auf, welche Möglichkeiten zur Preisabsicherung aktuell bestehen.

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Preisentwicklung Gas 

Nachdem sich der Gaspreis im Mai und Juni stabilisiert hatte, ist er im Juli erneut gestiegen und lag zeitweise nahezu doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn. Das zeigt, wie sensibel der Gasmarkt weiterhin auf geopolitische Entwicklungen reagiert. Der Preisanstieg betrifft inzwischen nicht mehr nur kurzfristige Lieferverträge mit Start in 2026, auch bei Lieferbeginn im Jahr 2027 zieht der Preis deutlich an. Grund ist, dass die Terminmärkte mögliche Versorgungsrisiken bereits frühzeitig einpreisen. Die weiter entfernten Lieferjahre 2028 und 2029 reagieren bislang schwächer, da sie stärker von langfristigen Markterwartungen beeinflusst werden.

Trotz des Anstiegs liegt das Preisniveau weiterhin deutlich unter den Höchstständen der Energiekrise 2022, als der TTF zeitweise auf über 330 €/MWh stieg. Unternehmen profitieren bei Neuverträgen teilweise noch von langfristig beschafften Energiemengen der Energieversorger.

Ein weiterer Kostentreiber sind die CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel. Steigende CO2-Preise verteuern die gasbasierte Strom- und Wärmeerzeugung zusätzlich und erhöhen damit langfristig den Kostendruck für Unternehmen. Perspektivisch ist von einer weiteren Steigerung der Emissionskosten auszugehen, was Anreize für mehr Energieeffizienz und die Nutzung alternativer Energieträger schafft. 

Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit, Volatilität am Energiemarkt und steigender CO2-Preise sollten Unternehmen 2026 ihre bestehenden Gasverträge prüfen und sich mit Energiepreisgarantien gegen steigende Preise absichern sowie weitere Maßnahmen zur Senkung ihrer Emissionen ergreifen. 

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Gasspeicherfüllstände und ihr Einfluss auf die Gaspreise

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher haben direkten Einfluss auf die Gaspreise, da niedrige Füllstände den Druck erhöhen, bis zum nächsten Winter größere Mengen Gas einzukaufen. Dies erhöht die Nachfrage an den Gasbörsen und bietet Anreize für Spekulationen. Der aktuelle Füllstand (Stand 27.7.2026) beträgt etwa 46 % und liegt damit deutlich niedriger als im Vorjahr.  Die Sommerbefüllung wird voraussichtlich zu höheren Preisen als bisher geplant stattfinden. Gleichzeitig muss Europa erhebliche Gasmengen einkaufen, um die gesetzlichen Speicherziele für den Winter zu erreichen. Diese zusätzliche Nachfrage trifft auf einen ohnehin angespannten LNG-Markt, auf dem Europa mit asiatischen Abnehmern um verfügbare Liefermengen konkurriert.  

Der niedrige Speicherfüllstand hat laut Bundesnetzagentur derzeit keinen Einfluss auf die Versorgungssicherheit. Dennoch sind Speicherfüllstände ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung und helfen, Marktrisiken besser einzuordnen. 

Geplante staatliche Gasreserve 

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) plant den Aufbau einer staatlichen Erdgasreserve für Krisenfälle, etwa bei Sabotage an Infrastruktur oder dem Ausfall wichtiger Importwege. Nach aktuellem Konzept soll die Reserve über eine neue Umlage auf Gasverbraucher finanziert werden. Die Kosten für Aufbau und Gaseinkauf werden auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt, hinzu kommen laufende Kosten von 150 bis 180 Millionen Euro jährlich. Ein Kabinettsbeschluss wird für Mitte August 2026 erwartet, die erste Befüllung ist für Sommer 2027 vorgesehen. 

Redaktioneller Hinweis: Es handelt sich bei der staatlichen Gasreserve vorerst um ein Regierungskonzept. Der Kabinettsbeschluss steht noch aus. 

Tipps zur Absicherung gegen volatile Gas- und Strompreise

Strom- und Gasverträge regelmäßig prüfen:
Unternehmen sollten ihre Verträge auf Laufzeit, Preisbindung und Kündigungsfristen prüfen und rechtzeitig Angebote einholen. Gerade bei Lieferverträgen mit Beginn im Jahr 2027 kann eine frühzeitige Marktprüfung helfen, Preisoptionen zu vergleichen und Planungssicherheit zu schaffen.

Energieeffizienz steigern:
Mittelfristig können Betriebe ihren Strom- und Gasverbrauch senken, etwa durch die Optimierung von Heizungs-, Klima- und Prozessanlagen sowie durch effizientere Technik und energetische Sanierungen. Für diese können Unternehmen Investitionskredite und andere Energieförderungen erhalten.

Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren:
Steigende Energiepreise und höhere Kosten für Emissionszertifikate setzen Anreize, den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern. Das kann Unternehmen helfen, Kostenrisiken langfristig zu senken.

Alternative Energieträger und eigene Erzeugung nutzen:
Elektrische Lösungen wie Wärmepumpen oder alternative Energieträger wie Gas mit Biomethananteil können die Abhängigkeit von Erdgas verringern. Eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, z. B. mit eigener PV-Anlage, kann zudem Energiekosten langfristig senken.

Fazit: Energiemärkte im Blick behalten und frühzeitig absichern

Die vergangenen Monate zeigen, wie schnell geopolitische Ereignisse die Energiepreise beeinflussen können. Durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran sorgen Angriffe auf wichtige Handelsrouten, die anspruchsvolle Speicherbefüllung Europas und der Wettbewerb um LNG weiterhin für Unsicherheit an den Energiemärkten. Gerade deshalb gewinnt Planungssicherheit an Bedeutung. Unternehmen sollten ihre Strom- und Gasbeschaffung frühzeitig prüfen und die Marktentwicklung kontinuierlich beobachten. Wer nicht bis kurz vor Vertragsende wartet, schafft sich mehr Handlungsspielraum und kann Preisrisiken besser steuern. Langfristig senken Investitionen in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und eine vorausschauende Beschaffungsstrategie die Abhängigkeit von geopolitischen Risiken.

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