Energiekrise: Werden Strom und Gas durch den Iran-Konflikt teurer?

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran begann am 28. Februar 2026. Der seither andauernde Konflikt beeinflusst nicht nur die Weltpolitik, sondern auch kurz- und mittelfristig die Energiepreise. Wir ordnen die wichtigsten Entwicklungen ein und zeigen, wie sich Unternehmen gegen volatile Energiepreise absichern können.

Dieses KI-Bild zeigt einen Gastanker und eine iranische Flagge
Zuletzt aktualisiert am: 24.4.2026
Lesedauer: 8 Minuten

Irankonflikt: Ursachen steigender Gaspreise

Aktueller Auslöser der starken Schwankungen an den Energiebörsen ist der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Der Iran ist ein direkter Nachbar der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens, die einen großen Anteil an der weltweiten Öl- und Gasproduktion haben. Flüssigerdgas (LNG) und Erdöl werden von dort per Schiff durch den Persischen Golf und den Golf von Oman in die ganze Welt transportiert.

Blockade der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran. Sie ist an ihrer engsten Stelle nur etwa 55 Kilometer breit. Die amerikanische Energy Information Administration (EIA) geht davon aus, dass ca. 19 % des weltweiten LNG und fast 25 % des weltweiten Öls durch diese Meerenge transportiert werden.  

Der Iran droht damit, jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, unter Beschuss zu nehmen. Infolgedessen ist der Seehandel über diesen Weg seit März 2026 weitgehend zum Erliegen gekommen. Mitte April verschärfte sich die Lage weiter, da US-Präsident Trump die Meerenge durch die US-Marine blockiert. Ziel der US-Blockade ist, den Export iranischer Energieprodukte zu unterbinden. Die Öl- und Gaspreise an den Börsen sind infolge der Kriegshandlungen deutlich gestiegen und auch nach der Waffenruhe weiterhin auf einem hohen Niveau. 

Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur

Als weitere Reaktion griff der Iran Raffinerien sowie Öl- und Gasinfrastruktur, darunter Pipelines und Lagerstätten, auf der Arabischen Halbinsel an. Unter anderem wurden Energieanlagen in Katar zerstört. Nach mehreren Luftangriffen haben viele Staaten in der Region ihre Öl- und Gasproduktion eingestellt oder stark eingeschränkt. Die vollständige Wiederinbetriebnahme der Anlagen kann laut Experten Monate bis Jahre dauern – mit Folgen für die globalen Energiepreise.

Diese Karte zeigt die geografische Lage der Straße von Hormus

Woher bezieht Deutschland Erdgas und LNG?

Nach dem Angriff auf die Ukraine und dem Wegfall der russischen Gaslieferungen bezieht Deutschland einen Großteil seines Erdgases aus Norwegen. 2025 waren das knapp 44 % des importierten Gases. Weitere 24,2 % des Gases flossen aus den Niederlanden und 20,7 % aus Belgien ins deutsche Netz. Nur rund 10 % waren LNG-Importe, von denen wiederum 96 % aus den USA stammen. Derzeit macht LNG aus dem arabischen Raum in der EU nur einen geringen Teil des Gasmixes aus.

Aktuelle TTF-Gaspreise

Der TTF-Gaspreis gilt als Referenzwert für den europäischen Gasmarkt und wird in €/MWh angegeben. Er lag Mitte April 44 % höher als Mitte Februar. Das zeigt: Obwohl Deutschland nicht von Gas aus dem Nahen Osten abhängig ist, beeinflusst der Irankonflikt auch die deutschen Energiepreise. Einen schnellen Überblick über die Entwicklung der TTF-Gaspreise gibt die Website Trading Economics.

Gut zu wissen: TTF steht für Title Transfer Facility. Gemeint ist ein virtueller Handelspunkt im niederländischen Gasnetz und einer der wichtigsten europäischen Referenzmärkte für Erdgas. Die dort gehandelten Gaspreise entstehen grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage und dienen in Europa häufig als Benchmark.

Werden die Gaspreise weiter steigen? 

Während sich die Ölpreise seit Beginn des Konflikts teilweise verdoppelt haben, ist auch der Gaspreis erheblich gestiegen. Öl- und Gaspreise sind zwar nicht direkt gekoppelt, beeinflussen sich aber über gemeinsame Nachfragedynamiken, konkurrierende Energieträger und die allgemeine Marktstimmung gegenseitig. LNG aus dem arabischen Raum macht in der EU derzeit nur einen geringen Teil des Gasmixes aus – doch das bedeutet keine Unabhängigkeit von der Region. Der globale LNG-Markt ist eng vernetzt: Kommt es etwa am Persischen Golf zu Lieferausfällen, weichen asiatische Abnehmer auf alternative Quellen aus und konkurrieren damit direkt mit europäischen Käufern um dieselben Kapazitäten. Die Folge sind deutlich gestiegene Preise weltweit und damit auch in Europa.

Aktuell gibt es verschiedene Szenarien, wie sich die Gaspreise entwickeln können:

Ein Icon mit einem Daumen nach unten

Worst Case: Länger anhaltende Blockaden und Ausfälle von LNG-Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) steigern die weltweite Nachfrage nach Gas anderer Lieferanten. Analysen gehen dann von doppelt oder gar dreifach höheren Preisen aus.

Ein Icon mit einem Daumen hoch

Best Case: Ein baldiges Ende der Blockade und der Angriffe des Irans kann dazu führen, dass bereits beladene Tanker wieder liefern können. Der kurze Lieferstopp dürfte die Versorgung dann kaum beeinträchtigen. Eine zusätzlich sinkende Nachfrage in Europa, durch das frühe Ende der Heizsaison, kann ebenfalls zu sinkenden Preisen führen.

Ursache für die derzeit steigenden Gaspreise in Deutschland ist aber nicht nur der Konflikt mit dem Iran. Die niedrigen Füllstände deutscher Gasspeicher zum Ende des Winters haben die Volatilität an den Börsen verstärkt. In unserem Artikel zur Gaspreisentwicklung 2026 haben wir weitere Fakten rund um die Gaskosten für Unternehmen zusammengefasst.

Werden die Strompreise auch steigen?

Besonders bei kurzfristigen Lieferverträgen mit Beginn im Jahr 2026 war zuletzt ein deutlicher Preisanstieg zu beobachten. Die Börsenpreise bei mittel- und langfristigen Verträgen, etwa mit Beginn ab 2027, reagieren derzeit noch moderater. Sollte der Konflikt jedoch länger andauern und die Gaspreise weiter steigen, könnten auch diese Lieferzeiträume zunehmend unter Aufwärtsdruck geraten.

Der Börsenstrompreis orientiert sich immer am teuersten Wert, der für die Stromerzeugung verwendeten Energieträger – eine Mechanik am deutschen Strommarkt, die als das Merit-Order-System bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass wie bereits in der Energiekrise 2022 vor allem Gaskraftwerke den Strompreis bestimmen. Eine monatelange Blockade, ausgesetzte Öl- und Gasproduktion und damit erhöhte Weltmarktpreise für Gas können dann auch langfristig zu höheren Preisen bei Strom führen.

Für Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, die aktuelle Marktsituation frühzeitig zu prüfen und mögliche Preisoptionen für kommende Lieferjahre zu vergleichen. Ein Angebotsvergleich für Strom schafft Transparenz über das derzeitige Marktpreisniveau und zeigt auf, welche Möglichkeiten zur Preisabsicherung aktuell bestehen.

Strom Tarifrechner Vattenfall

Ihr Unternehmen, unser Gewerbestrom

  • 100 % aus erneuerbaren Energien

  • Flexible Vertragslaufzeiten oder langfristige Preisgarantien

  • Faire Tarife mit Treue-Bonus

Jetzt Tarif berechnen

Preisentwicklung Gas 

Nachdem der Gaspreis im März 2026 gegenüber dem Vorkriegsniveau zeitweise um bis zu 75 % angestiegen war, bleibt das Preisniveau auf einem deutlich erhöhten Stand. Der TTF-Leitindex notiert Mitte April rund 35–40 % über dem Niveau vom April des Vorjahres. Aktuell liegt er aber immer noch weit unter den Höchstpreisen der Energiekrise von 2022. Damals wurden Spitzenpreise von über 330 €/MWh erreicht. Unternehmen, die ihren Tarif wechseln wollen, profitieren aktuell noch von langfristig beschafften Energiemengen, die vor den aktuellen Marktturbulenzen eingekauft wurden.

Ein Kostentreiber, der in der aktuellen Debatte oft übersehen wird, sind die Emissionszertifikate: Die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel sind zuletzt ebenfalls gestiegen und erhöhen die Betriebskosten gasbasierter Erzeugung zusätzlich. Langfristig ist von einer weiteren Steigerung der Emissionskosten auszugehen, was Anreize für mehr Energieeffizienz und die Nutzung alternativer Energieträger schafft.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheit, Volatilität am Energiemarkt und steigender CO2-Preise sollten Unternehmen 2026 ihre bestehenden Gasverträge prüfen und sich mit Energiepreisgarantien gegen steigende Preise absichern sowie weitere Maßnahmen zur Senkung ihrer Emissionen ergreifen. 

Gas Tarifrechner Vattenfall

Ihr Unternehmen, unser Gewerbegas

  • Niedriger Verbrauchspreis inkl. Treue-Bonus

  • Flexible Vertragslaufzeiten oder langfristige Preisgarantien

  • Individuelles Angebot ab 100.000 kWh

Jetzt Tarif berechnen

Gasspeicher Füllstände und ihr Einfluss auf die Gaspreise

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher haben direkten Einfluss auf die Gaspreise, da niedrige Füllstände den Druck erhöhen, bis zum nächsten Winter größere Mengen Gas einzukaufen. Dies erhöht die Nachfrage an den Gasbörsen und bietet Anreize für Spekulationen. Der aktuelle Füllstand (Stand 13.4.2026) beträgt etwa 23 % und liegt damit deutlich niedriger als im Vorjahr. Dies hat laut Bundesnetzagentur keinen Einfluss auf die aktuelle Versorgungssicherheit. Dennoch sind Speicherfüllstände ein wichtiger Indikator für die Preisentwicklung und helfen, Marktrisiken besser einzuordnen.

Tipps zur Absicherung gegen volatile Gas- und Strompreise

Strom- und Gasverträge regelmäßig prüfen:
Unternehmen sollten ihre Verträge auf Laufzeit, Preisbindung und Kündigungsfristen prüfen und rechtzeitig Angebote einholen. Gerade bei Lieferverträgen mit Beginn im Jahr 2027 kann eine frühzeitige Marktprüfung helfen, Preisoptionen zu vergleichen und Planungssicherheit zu schaffen.

Energieeffizienz steigern:
Mittelfristig können Betriebe ihren Strom- und Gasverbrauch senken, etwa durch die Optimierung von Heizungs-, Klima- und Prozessanlagen sowie durch effizientere Technik und energetische Sanierungen. Für diese können Unternehmen Investitionskredite und andere Energieförderungen erhalten.

Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren:
Steigende Energiepreise und höhere Kosten für Emissionszertifikate setzen Anreize, den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern. Das kann Unternehmen helfen, Kostenrisiken langfristig zu senken.

Alternative Energieträger und eigene Erzeugung nutzen:
Elektrische Lösungen wie Wärmepumpen oder alternative Energieträger wie Gas mit Biomethananteil können die Abhängigkeit von Erdgas verringern. Eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, z. B. mit eigener PV-Anlage, kann zudem Energiekosten langfristig senken.

Fazit: Energiemärkte im Blick behalten und frühzeitig absichern

Auch wenn aktuell Waffenruhe herrscht, ist derzeit nicht absehbar, wie sich der Konflikt und die Energiepreise weiterentwickeln. Szenarien zeigen lediglich die mögliche Bandbreite der weiteren Entwicklungen. Unternehmen, die Handlungsbedarf sehen, sollten daher kurzfristig ihre Strom- und Gasbeschaffung prüfen. Besonders bei Verträgen mit Lieferbeginn ab 2027 kann eine frühzeitige Marktbeobachtung helfen, Preisentwicklungen besser einzuordnen und Beschaffungsentscheidungen rechtzeitig vorzubereiten. Langfristig bleiben Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien wichtig, um Kosten zu senken und die Abhängigkeit von geopolitischen Risiken zu reduzieren.

individuelle angebot für unternehmen

Ihr Unternehmen, unsere Energie

​Zuverlässig, fair, zukunftsorientiert: Vattenfall versorgt Unternehmen jeder Größe und Branche mit Energie. Entdecken Sie jetzt unsere vielfältigen Lösungen.​

Zu unseren Angeboten

Dieses Foto zeigt ein LNG-Frachtschiff

Gaspreisentwicklung 2026

Wie entwickeln sich die Gaspreise 2026? In diesem Artikel haben wir die wichtigsten für Ihre Budgetplanung zusammengefasst.

Jetzt lesen

Dieses Foto zeigt zwei Personen, die sich PV-Anlagen anschauen

PV-Anlage richtig planen

Erafhren Sie hier, wie Sie Photovoltaik Stromkosten senken, Planungssicherheit schaffen und Ihre CO2-Bilanz verbessern.

Jetzt lesen

Eine Person überprüft an einer Schaltanlage für einem Windenergie-Feld ein Schaltpanel

Netzentgelte 2026

Hier erhalten Sie alle Fakten rund um die Netzentgelte für das Jahr 2026 und erfahren, welche Reformen und Entwicklungen die Energiekosten beeinflussen.

Jetzt lesen

Dieses Bild zeigt einen Mann am Computer und verdeutlicht das Thema Steuern und Umlagen 2026

Steuern und Umlagen 2026

Was ändert sich bei Energieabgaben? Die wichtigsten Entwicklungen: leicht steigende Stromumlagen und sinkende staatliche Belastungen auf Gas durch den neuen C02-Preiskorridor.

Jetzt lesen

Ein Foto von Menschen, die im Büro diskutieren

Die Entwicklung der Stromsteuer

Hier lesen Sie alle aktuellen politischen Diskussionen und Vorschläge sowie alle wichtigen Fakten zur Stromsteuer.

Jetzt lesen

Foto vom deutschen Bundestag

Geopolitik und ihre Folgen für Energiepreise 

Unsere Analyse zeigt, wie internationale Konflikte und politische Entscheidungen deutsche Unternehmen beeinflussen.

Jetzt lesen

Jetzt Newsletter abonnieren

5 Minuten für Unternehmen – Kostenloses Expertenwissen

✓ Monatliche Updates – kompakt aufbereitet

✓ Ausgewählte Fachartikel zu Energie & Business

✓ Branchenspezifische Interviews