Wie entwickeln sich die Gaspreise 2026?
Geopolitik und volatile Märkte prägen die Gaspreise 2026. Für bessere Planungssicherheit ist eine strategische Beschaffung umso wichtiger. Wir analysieren für Sie die aktuelle Lage am Gasmarkt, erklären die wichtigsten Preisfaktoren und zeigen, worauf es jetzt beim Energieeinkauf ankommt.
Bild: KI-generiert
Zuletzt aktualisiert am: 5.10.2026
Lesedauer: 9 Minuten
Die wichtigsten Preisfaktoren 2026
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Geopolitische Entwicklungen: Treiben aktuell die Großhandelspreise
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Wetterlage: Anfälligkeit für extreme Schwankungen
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Einsparung Gasspeicherumlage: 0,289 ct/kWh
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CO2-Preiskorridor: 55–65 €/t (zusätzliche Belastung von ca. 0,2 ct/kWh)*
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Netzentgelte (regional unterschiedlich): 3,5–5,5 ct/kWh
*Reichen diese Zertifikatsmengen nicht aus, können zusätzliche Zertifikate zu festen Preisen erworben werden – zunächst für 68 €/t und in begrenztem Umfang auch später zu rund 70 €/t.
Hinweis: Die Einschätzungen in diesem Artikel basieren auf der Marktlage im Oktober 2026. Aufgrund kurzfristiger Veränderungen kann die tatsächliche Entwicklung von den dargestellten Annahmen abweichen.
Gaspreise im Vergleich 2025/2026
Nach den extremen Preisausschlägen der Jahre 2022 bis 2024 hatte sich der Gasmarkt 2025 deutlich beruhigt und stabilisiert. Anfang 2026 sah es zunächst nach einer Fortsetzung dieser Stabilisierung aus – allerdings auf einem im historischen Vergleich weiterhin erhöhten Niveau. Seit Ende Februar 2026 hat der Irankonflikt die Marktlage verändert und die Gaspreise im Großhandel (TTF-Preise als Referenz) um bis zu 125 % hochschnellen lassen. Der anhaltende Konflikt mit Angriffen auf wichtige Handelsrouten sorgt weiterhin für Unsicherheiten auf den internationalen LNG-Märkten. Unternehmen mit auslaufenden Gasverträgen sollten die aktuelle Marktlage daher frühzeitig prüfen und ihre Beschaffung rechtzeitig planen.
Aktuelle Gaspreisentwicklung: Stand Oktober 2026
Nachdem sich die Gaspreise im Mai und Juni zwischenzeitlich stabilisiert hatten, stieg der Preis im Juli erneut an. Im August entspannte sich die Lage kurzzeitig, bevor sich der Aufwärtstrend im September fortsetzte. Die Terminmärkte reagieren derzeit besonders sensibel auf geopolitische Entwicklungen sowie Unsicherheiten im internationalen LNG-Handel. Gleichzeitig muss Europa seine Gasspeicher für den Winter 2026/27 befüllen und konkurriert dabei mit asiatischen Käufern um verfügbare LNG-Lieferungen. Diese Kombination erhöht den Preisdruck zusätzlich und wirkt sich inzwischen auch auf die Beschaffungspreise für Lieferbeginn 2027 und 2028 aus.
Erdgaspreis am Spotmarkt in Europa 2020–2026*
Quelle: Bundesnetzagentur
*Hinweis zu den dargestellten Kursen: Die hier gezeigten Preisverläufe beziehen sich auf Börsenpreise im Großhandel. Die tatsächlich angebotenen Preise können je nach Beschaffungszeitpunkt, Abnahmestruktur, Verbrauchsprofil und aktueller Marktsituation abweichen.
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Gasspeicherfüllstand
Hohe Gasspeicherfüllstände und eine gesicherte Gasversorgung wirkten in der Vergangenheit stabilisierend auf die Gaspreise. Deutsche Gasspeicher lagen zum 1. November 2025 bei 75 % Füllstand und erfüllten damit die Zielvorgabe von 70 %. Nach einer Kältewelle lagen sie in der zweiten Januarwoche 2026 bei 47 % und Anfang März schließlich bei etwa 21 %. Das war der niedrigste Stand in diesem Jahreszeitraum seit der Energiekrise 2022. Die Sommerbefüllung findet zu deutlich höheren Preisen statt. Zum 25. September 2026 lagen die Speicher bei rund 57 % Füllstand, gegenüber rund 76 % im Vorjahreszeitraum. Laut der Initiative Energien Speichern (INES) ist der aktuelle Wert der niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen zu dieser Jahreszeit.
Wetterlagen
Das Jahr 2026 startete mit tieferen Temperaturen als 2025. Durch eine anhaltende Kältephase wurden die Gasspeicherstände bis zum Frühjahr weiter belastet. Einige Energieexperten warnen vor den Risiken der sinkenden Gasspeicherstände. Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf spielen neben Kälte auch Extremwetterlagen wie Sturm eine Rolle, die zum Beispiel zu Verzögerungen von LNG-Lieferungen führen oder die Infrastruktur beschädigen können.
Steuern und Umlagen
Die Steuern und Umlagen auf Gas sinken im Jahr 2026 leicht. Hauptursache ist der Wegfall der Gasspeicherumlage. Andere Kostenbestandteile wie die Energiesteuer oder die Konzessionsabgabe bleiben hingegen stabil. Die CO2-Preise stellen weiterhin einen wesentlichen Kostenfaktor dar und steigen 2026 leicht an. Insgesamt ergibt sich für Unternehmen zwar eine geringe Entlastung, die durch steigende Netzentgelte jedoch wieder neutralisiert werden kann.
In unserem Beispiel gehen wir von einem Unternehmen mit Sitz in Hamburg und einem Jahresgasbedarf von 20.000 kWh (SLP-Zähler) im Verbrauchsjahr 2026 aus.
Hinweis: Wegfall der Gasspeicherumlage ab 2026
Die Gasspeicherumlage wurde zum 1. Januar 2026 abgeschafft. Sie war seit 2022 Bestandteil des Gaspreises und diente zur Finanzierung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestfüllstände deutscher Gasspeicher. Zuletzt betrug sie 2,89 €/MWh beziehungsweise 0,289 ct/kWh und machte rund drei bis fünf Prozent des Gaspreises aus. Bei einem Jahresverbrauch von 100.000 kWh ergibt sich durch den Wegfall der Umlage eine Einsparung von rund 290 € pro Jahr.
Regionale Netzentgelte
Gasnetzentgelte steigen je nach Region unterschiedlich stark, da Kostenstruktur, Netzauslastung und Investitionsbedarf der einzelnen Netzgebiete variieren. Je nach Region und Anschlussstruktur liegen sie etwa zwischen 3,5 und 5,5 ct/kWh. Gegenüber 2025 sind sie durchschnittlich bis zu 12 % angestiegen, dabei gibt es in einzelnen Regionen starke Unterschiede. Mehr zu den Netzentgelten in Ihrer Region erfahren Sie bei Ihrem lokalen Netzbetreiber.
Geopolitik
Handelspolitische und militärische Konflikte wie im Iran können die Versorgungssicherheit der Gaslieferketten auf dem Weltmarkt beeinträchtigen. So sorgen die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten mit Angriffen auf Energieinfrastruktur und wichtige Handelsrouten weiterhin für Unsicherheit auf den globalen Märkten. Die Angst vor Lieferengpässen oder höheren Transportkosten reicht aus, um die Großhandelspreise für Gas steigen zu lassen und die Beschaffungskosten für Unternehmen zu erhöhen.
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Wie wird sich der Gaspreis in den nächsten Jahren entwickeln?
Über 2026 hinaus wird die Gaspreisentwicklung vor allem durch langfristige politische und regulatorische Faktoren geprägt. Ein zentraler Preistreiber ist der CO2-Preis im nationalen Emissionshandel. Während er 2025 bei einem festen Preis von 55 € pro Tonne CO2 lag, gilt für 2026 ein Korridor von 55 bis 65 €. Für Erdgas entspricht das einer Mehrbelastung von bis zu 0,2 ct/kWh. Reichen die versteigerten Mengen nicht aus, können zusätzliche Zertifikate zu festen Preisen erworben werden – zunächst für 68 € und in begrenztem Umfang auch später zu rund 70 € pro Tonne.
Gaspreise und CO2-Preis ab 2027
Ab 2028 beginnt der Übergang zu einem marktbasierten System bei den CO2-Emissionen. Der CO2-Preiskorridor aus 2026 soll voraussichtlich auch 2027 gelten. Ab 2028 entfällt diese Preisbegrenzung. Der nationale Emissionshandel wird dann durch das europäische Emissionshandelssystem (ETS 2) abgelöst, das Gebäude und Verkehr einbezieht. In der Anfangsphase sollen Stabilisierungsmechanismen starke Preissprünge begrenzen, mittelfristig orientiert sich der Preis jedoch am bestehenden EU-Emissionshandel, in dem Zertifikate zuletzt bei rund 75 bis 90 € pro Tonne gehandelt wurden.
Gasvertrag prüfen
Laufzeit, Preisbindung und Kündigungsfristen rechtzeitig überprüfen und Angebote einholen, bevor ein Vertrag verlängert wird.
Gasverbrauch senken
Heizungs- und Prozessanlagen optimieren, Einstellungen prüfen und Einsparmöglichkeiten nutzen, um den Verbrauch dauerhaft zu reduzieren.
Alternative Energieträger einplanen
Frühzeitig prüfen, wo Erdgas langfristig ersetzt werden kann – etwa durch effizientere Technik, elektrische Lösungen oder Gas mit Biomethananteil.
Preisrisiken bei Gas: Was Unternehmen jetzt bedenken sollten
Die aktuelle Marktlage stellt Unternehmen mit auslaufenden Gasverträgen vor eine konkrete Entscheidung: Preis jetzt fixieren oder auf eine Entspannung warten? Die folgenden Einschätzungen unterstützen Sie dabei, das aktuelle Marktrisiko realistisch zu bewerten und die Laufzeit gezielt zu wählen.
Ist Abwarten die richtige Strategie?
Abwarten ist aktuell mit erhöhten Risiken verbunden. Die geopolitische Lage bleibt fragil, und bereits kleinere Eskalationen können erneute Preisanstiege auslösen. Einschränkungen am LNG-Markt, etwa durch beschädigte Infrastruktur, verzögerte Lieferketten oder Unsicherheiten bei Transportwegen wie der Straße von Hormus, wirken preistreibend. Hinzu kommt, dass Europa noch immer die gesetzlich vorgeschriebene Speicherbefüllung für den Winter 2026/27 vornehmen muss, was zusätzliche Nachfrage erzeugt.
Kurzfristige Preisrückgänge sind zwar möglich, etwa bei einer zeitnahen Entspannung der Lage durch stabile Transportwege oder eine diplomatische Einigung. Eine Einschätzung der Preisentwicklung bleibt angesichts der unsicheren Versorgungslage jedoch schwierig. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Märkte mögliche Versorgungsrisiken nicht nur in kurzfristigen Lieferverträgen mit Lieferbeginn in 2026 oder 2027 berücksichtigen. Inzwischen wirken sich die steigenden Gaspreise auch auf Verträge für das Lieferjahr 2028 aus.
Warum unterscheiden sich die Preise je nach Vertragslaufzeit?
Der Preisanstieg bei kurzfristigen Lieferverträgen lässt sich durch die akute Nachfrage und bestehende Lieferengpässe erklären. Da die Terminmärkte bereits frühzeitig Risiken einpreisen, ist inzwischen auch zunehmend das Lieferjahr 2028 betroffen. Die weiter entfernten Lieferjahre reagieren bislang schwächer, da sie stärker von langfristigen Markterwartungen beeinflusst werden. Für die langfristige Beschaffung ergibt sich daher häufig ein geglätteter Durchschnittspreis, der weniger stark von kurzfristigen Preisspitzen geprägt ist.
Welche Laufzeit ist im aktuellen Marktumfeld sinnvoll?
Längere Laufzeiten reduzieren das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt erneut in einem volatilen Marktumfeld beschaffen zu müssen. Während ein 12-monatiger Vertrag stark vom aktuell angespannten Preisniveau geprägt ist, können längere Laufzeiten die niedrigeren Preisniveaus der Folgejahre einbeziehen und so zu einer verlässlicheren Kalkulationsbasis beitragen.
Fazit: Gasverträge frühzeitig prüfen lohnt sich
Wie sich die Gaspreise entwickeln, bleibt schwer vorhersehbar. Zwar sind kurzfristige Preisrückgänge möglich, doch die aktuellen Marktbewegungen zeigen, wie schnell geopolitische Ereignisse zu Preisanstiegen führen können. Besonders Verträge mit kurzfristigem Lieferbeginn reagieren derzeit deutlich stärker auf diese Risiken als langfristige Laufzeiten. Inzwischen ziehen aber auch die Preise für spätere Lieferjahre an. Für Unternehmen kann es deshalb sinnvoll sein, bestehende Gasverträge rechtzeitig zu überprüfen und mögliche Handlungsoptionen frühzeitig zu bewerten. Wer erst kurz vor Vertragsende aktiv wird, hat häufig weniger Planungssicherheit und Spielraum bei der Beschaffung.
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