Wie entwickeln sich die Gaspreise 2026?
Geopolitik und volatile Märkte prägen die Gaspreise in 2026. Für bessere Planungssicherheit ist eine strategische Beschaffung umso wichtiger. Wir analysieren für Sie die aktuelle Lage am Gasmarkt, erklären die wichtigsten Preisfaktoren und worauf es jetzt beim Energieeinkauf ankommt.
Bild: KI-generiert
Zuletzt aktualisiert am: 5.8.2026
Lesedauer: 9 Minuten
Die wichtigsten Preisfaktoren 2026
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Geopolitische Entwicklungen: Treiben aktuell die Großhandelspreise
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Wetterlage: Anfälligkeit für extreme Schwankungen
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Einsparung Gasspeicherumlage: 0,289 ct/kWh
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CO2-Preiskorridor: 55 – 65 €/t (ca. 0,2 ct/kWh)*
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Netzentgelte (regional unterschiedlich): 3,5 – 5,5 ct/kWh
*Reichen diese Mengen nicht aus, können zusätzliche Zertifikate zu festen Preisen erworben werden – zunächst für 68 Euro und in begrenztem Umfang auch später zu rund 70 Euro pro Tonne
Hinweis: Die Einschätzungen in diesem Artikel basieren auf der Marktlage im August 2026. Aufgrund kurzfristiger Veränderungen kann die tatsächliche Entwicklung von den dargestellten Annahmen abweichen.
Gaspreise im Vergleich 2025/2026
Nach den extremen Preisausschlägen der Jahre 2022 bis 2024 hatte sich der Gasmarkt 2025 deutlich beruhigt und stabilisiert. Anfang 2026 sah es zunächst nach einer Fortsetzung dieser Stabilisierung aus – allerdings auf einem im historischen Vergleich weiterhin erhöhten Niveau. Seit Ende Februar 2026 hat der Irankonflikt die Marktlage verändert und die Gaspreise an der Börse (TTF) um bis zu 65 % hochschnellen lassen. Der anhaltende Konflikt mit Angriffen auf wichtige Handelsrouten sorgt weiterhin für Unsicherheiten auf den internationalen LNG-Märkten. Unternehmen mit auslaufenden Gasverträgen sollten die aktuelle Marktlage daher frühzeitig prüfen und ihre Beschaffung rechtzeitig planen.
Aktuelle Gaspreisentwicklung: Stand August 2026
Nachdem sich die Gaspreise im Mai und Juni zwischenzeitlich stabilisiert hatten, hat sich der Aufwärtstrend in den vergangenen Wochen erneut verstärkt. Die Terminmärkte reagieren derzeit besonders sensibel auf geopolitische Entwicklungen sowie Unsicherheiten im internationalen LNG-Handel. Gleichzeitig muss Europa seine Gasspeicher für den Winter 2026/27 befüllen und konkurriert dabei mit asiatischen Käufern um verfügbare LNG-Lieferungen. Diese Kombination erhöht den Preisdruck zusätzlich und wirkt sich inzwischen auch auf die Beschaffungspreise für Lieferbeginn 2027 aus.
Erdgaspreis am Spotmarkt in Deutschland 2020 – 2026*
*Hinweis zu den dargestellten Kursen: Die hier gezeigten Preisverläufe beziehen sich auf Börsenpreise am Terminmarkt. Die tatsächlich angebotenen Preise können je nach Beschaffungszeitpunkt, Abnahmestruktur, Verbrauchsprofil und aktueller Marktsituation abweichen.
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Gasspeicherfüllstand
Hohe Gasspeicherfüllstände und eine gesicherte Gasversorgung wirkten in der Vergangenheit stabilisierend auf Gaspreise. Deutsche Gasspeicher lagen zum 1. November 2025 bei 75 % Füllstand und erfüllten damit die Zielvorgabe von 70 %. Nach einer Kältewelle lagen sie in der zweiten Januarwoche 2026 bei 47 % und Anfang März schließlich bei etwa 21 %. Dies ist der niedrigste Stand in diesem Jahreszeitraum seit der Energiekrise 2022. Die Sommerbefüllung findet zu deutlich höheren Preisen statt. Zum 3. August 2026 lagen die Speicher bei rund 47 % Füllstand, gegenüber 62,1 % im Vorjahreszeitraum. Laut der Initiative Energien Speichern (INES) ist der aktuelle Wert der niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen zu dieser Jahreszeit.
Wetterlagen
Das Jahr 2026 startete mit tieferen Temperaturen als 2025. Durch eine anhaltende Kältephase wurden die Gasspeicherstände bis zum Frühjahr weiter belastet. Einige Energieexperten warnen vor den Risiken der sinkenden Gasspeicherstände. Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf spielen neben Kälte auch Extremwetterlagen wie Sturm eine Rolle, die zum Beispiel zu Verzögerungen von LNG-Lieferungen führen oder die Infrastruktur beschädigen können.
Steuern und Umlagen
Die Steuern und Umlagen auf Gas sinken im Jahr 2026 leicht. Hauptursache ist der Wegfall der Gasspeicherumlage. Andere Kostenbestandteile wie die Energiesteuer oder die Konzessionsabgabe bleiben hingegen stabil. Die CO2-Preise stellen weiterhin einen wesentlichen Kostenfaktor dar und steigen 2026 leicht an. Insgesamt ergibt sich für Unternehmen zwar eine geringe Entlastung, die durch steigende Netzentgelte jedoch wieder neutralisiert werden kann.
Hinweis: Wegfall der Gasspeicherumlage ab 2026
Die Gasspeicherumlage wurde zum 1. Januar 2026 abgeschafft. Sie war seit 2022 Bestandteil des Gaspreises und diente zur Finanzierung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestfüllstände deutscher Gasspeicher. Zuletzt betrug sie 2,89 €/MWh beziehungsweise 0,289 ct/kWh und machte rund drei bis fünf Prozent des Gaspreises aus. Bei einem Jahresverbrauch von 100.000 kWh ergibt sich durch den Wegfall der Umlage eine Einsparung von rund 290 € pro Jahr.
Regionale Netzentgelte
Gasnetzentgelte steigen je nach Region unterschiedlich stark, da Kostenstruktur, Netzauslastung und Investitionsbedarf der einzelnen Netzgebiete variieren. Je nach Region und Anschlussstruktur liegen sie etwa zwischen 3,5 und 5,5 ct/kWh. Gegenüber 2025 wird mit einem durchschnittlichen Anstieg von bis zu 11,9 % für Gewerbe gerechnet, dabei gibt es in einzelnen Regionen starke Unterschiede. Mehr zu den Netzentgelten in Ihrer Region erfahren Sie bei Ihrem lokalen Netzbetreiber.
Geopolitik
Handelspolitische und militärische Konflikte wie im Iran können die Versorgungssicherheit der Gaslieferketten auf dem Weltmarkt beeinträchtigen. Daher sorgen die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten mit Angriffen auf Energieinfrastruktur und wichtige Handelsrouten weiterhin für Unsicherheit auf den globalen Märkten. Die Angst vor Lieferengpässen oder höheren Transportkosten reicht aus, damit die Großhandelspreise für Gas steigen und sich die Beschaffungskosten für Unternehmen erhöhen.
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Wie wird sich der Gaspreis in den nächsten Jahren entwickeln?
Über 2026 hinaus wird die Gaspreisentwicklung vor allem durch langfristige politische und regulatorische Faktoren geprägt. Ein zentraler Preistreiber ist der CO2-Preis im nationalen Emissionshandel. Während er 2025 bei rund 45 bis 55 € pro Tonne CO2 lag, wird für 2026 ein Korridor von etwa 55 bis 65 € erwartet. Für Erdgas entspricht das einer Mehrbelastung von rund 0,2 ct/kWh. Reichen diese Mengen nicht aus, können zusätzliche Zertifikate zu festen Preisen erworben werden – zunächst für 68 € und in begrenztem Umfang auch später zu rund 70 € pro Tonne.
Gaspreise und CO2-Preis ab 2027
Ab 2027 beginnt der Übergang zu einem marktbasierten System. Der CO2-Preiskorridor aus 2026 bleibt zunächst bestehen, ab 2028 entfällt diese Preisbegrenzung schrittweise. Der nationale Emissionshandel wird dann durch das europäische Emissionshandelssystem (ETS 2) ersetzt, das Gebäude und Verkehr einbezieht. In der Anfangsphase ist der Preis zwar noch begrenzt, mittelfristig orientiert er sich jedoch am bestehenden EU-Emissionshandel, in dem Zertifikate zuletzt bei rund 75 bis 90 € pro Tonne gehandelt wurden.
Gasvertrag prüfen
Laufzeit, Preisbindung und Kündigungsfristen rechtzeitig überprüfen und Angebote einholen, bevor ein Vertrag verlängert wird.
Gasverbrauch senken
Heizungs- und Prozessanlagen optimieren, Einstellungen prüfen und Einsparmöglichkeiten nutzen, um den Verbrauch dauerhaft zu reduzieren.
Alternative Energieträger einplanen
Frühzeitig prüfen, wo Erdgas langfristig ersetzt werden kann – etwa durch effizientere Technik, elektrische Lösungen oder Gas mit Biomethananteil.
Preisrisiken bei Gas: Was Unternehmen jetzt bedenken sollten
Die aktuelle Marktlage stellt Unternehmen mit auslaufenden Gasverträgen vor eine konkrete Entscheidung: Preis jetzt fixieren oder auf eine Entspannung warten? Die folgenden Einschätzungen unterstützen Sie dabei, das aktuelle Marktrisiko realistisch zu bewerten und die Laufzeit gezielt zu wählen.
Ist Abwarten die richtige Strategie?
Abwarten ist aktuell mit erhöhten Risiken verbunden. Die geopolitische Lage bleibt fragil, und bereits kleinere Eskalationen können erneute Preisanstiege auslösen. Einschränkungen im LNG-Markt, etwa durch beschädigte Infrastruktur, verzögerte Lieferketten oder Unsicherheiten bei Transportwegen wie der Straße von Hormus, wirken preistreibend. Hinzu kommt, dass Europa perspektivisch wieder vor der Speicherbefüllung für den Winter 2026/27 steht, was zusätzliche Nachfrage erzeugen kann.
Kurzfristige Preisrückgänge sind zwar möglich, etwa bei einer zeitnahen Entspannung der Lage durch stabile Transportwege oder eine diplomatische Einigung. Eine Einschätzung der Preisentwicklung bleibt in Anbetracht der Verfügbarkeiten und bestehenden Unsicherheit auf dem Markt aber schwer. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Märkte mögliche Versorgungsrisiken nicht nur in kurzfristigen Lieferverträgen mit Lieferbeginn in 2026 berücksichtigen. Inzwischen wirken sich die steigenden Gaspreise auch auf Verträge für das Lieferjahr 2027 aus.
Warum unterscheiden sich die Preise je nach Vertragslaufzeit?
Kurzfristige Produkte, also Lieferverträge für die Jahre 2026 und 2027, sind aktuell stärker von den beschriebenen Marktspannungen betroffen als langfristige. Längere Laufzeiten von 24 oder 36 Monaten beziehen neben 2027 auch die Folgejahre mit ein, die der Terminmarkt derzeit deutlich stabiler bewertet. Daraus ergibt sich häufig ein geglätteter Durchschnittspreis, der weniger stark von kurzfristigen Preisspitzen geprägt ist.
Welche Laufzeit ist im aktuellen Marktumfeld sinnvoll?
Längere Laufzeiten reduzieren das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt erneut in ein volatiles Marktumfeld beschaffen zu müssen. Während ein 12-monatiger Vertrag stark vom aktuell angespannten Preisniveau geprägt ist, können längere Laufzeiten die stabileren Preisniveaus der Folgejahre einbeziehen und so zu einer verlässlicheren Kalkulationsbasis beitragen.
Fazit: Gasverträge frühzeitig prüfen lohnt sich
Wie sich die Gaspreise entwickeln, bleibt schwer vorhersehbar. Zwar sind kurzfristige Preisrückgänge möglich, doch die aktuellen Marktbewegungen zeigen, wie schnell geopolitische Ereignisse zu Preisanstiegen führen können. Besonders Verträge mit kurzfristigem Lieferbeginn reagieren derzeit deutlich stärker auf diese Risiken als langfristige Laufzeiten. Für Unternehmen kann es deshalb sinnvoll sein, bestehende Gasverträge rechtzeitig zu überprüfen und mögliche Handlungsoptionen frühzeitig zu bewerten. Wer erst kurz vor Vertragsende aktiv wird, hat häufig weniger Planungssicherheit und Spielraum bei der Beschaffung.
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