Wie entwickeln sich die Strompreise 2026 für Unternehmen?

Geopolitische Unsicherheiten, volatile Beschaffungsmärkte und regulatorische Faktoren beeinflussen den Strompreis 2026. Wir ordnen die aktuelle Marktlage für Sie ein und erklären, was jetzt für Unternehmen bei der Beschaffung wichtig ist. 

Foto von einer Frau am Arbeitsplatz mit mehreren Monitoren

Zuletzt aktualisiert am: 5.10.2026
Lesedauer: 8 Minuten

Die wichtigsten Preisfaktoren beim Strom 2026:

  • Netzentgelte: Senkung von 1,3 bis 2,4 ct/kWh

  • Stromsteuer: 2,05 ct/kWh & 0,05 ct/kWh (Produzierendes Gewerbe/Landwirtschaft)

  • CO2‑Preis: 55–65 €/t (ca. 0,2 ct/kWh)*

  • Industriestrom: Zielpreis 5 ct/kWh für bis zu 50 % des Verbrauchs energieintensiver Unternehmen

    *Reichen Zertifikatsmengen nicht aus, können zusätzliche Zertifikate zu festen Preisen erworben werden – zunächst für 68 €/t und in begrenztem Umfang auch später zu rund 70 €/t.

Hinweis: Die Einschätzungen in diesem Artikel basieren auf der Marktlage im Oktober 2026. Durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran seit Ende Februar 2026 haben sich die Rahmenbedingungen am Strommarkt verändert. Aufgrund kurzfristiger Veränderungen kann die tatsächliche Entwicklung von den dargestellten Annahmen abweichen. 

Strompreise 2025/2026 im Vergleich

Nach den teils starken Preisschwankungen der Jahre 2022 bis 2024 hatte sich der Strommarkt deutlich beruhigt. Bereits 2025 war eine zunehmende Stabilisierung erkennbar, die sich Anfang 2026 durch sinkende Netzentgelte fortgesetzt hat. Im historischen Vergleich bleiben die Strompreise aber auf einem erhöhten Niveau. Seit Ende Februar 2026 hat der Irankonflikt die Marktlage verändert. Die Auswirkungen auf den Strompreis lesen Sie im folgenden Abschnitt zur aktuellen Preisentwicklung. 

Preisentwicklung an den Strombörsen 2026

Die Preise an den Strombörsen sind weiterhin volatil. Für kurzfristige Lieferverträge mit Beginn im Jahr 2026 oder 2027 ist seit Ende Februar trotz starker Schwankungen ein Aufwärtstrend zu sehen. Inzwischen steigen auch die Preise für Lieferverträge mit Beginn in 2028 langsam an. Die Märkte preisen damit die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten ein.

Aktuelle Strompreisentwicklung: Stand Oktober 2026 

Dass die Preise seit Juli 2026 erneut deutlich angestiegen sind, zeigt, wie stark der Markt aktuell auf externe Einflüsse reagiert: geopolitische Entwicklungen im Nahen Osten, Unsicherheiten in der wetterabhängigen Erzeugung und die europaweite Befüllung der Gasspeicher, die den Preisdruck zusätzlich erhöht.

Steigende Gaspreise wirken sich über das sogenannte Merit-Order-Prinzip auf den Strompreis aus. Am Strommarkt gilt: Das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, um die Nachfrage zu decken, bestimmt den Preis für alle. Obwohl Gaskraftwerke in Deutschland nur rund 10 bis 15 % der Stromerzeugung ausmachen, sind in der Regel genau dieses preisbestimmende Kraftwerk – insbesondere bei geringer erneuerbarer Erzeugung oder hoher Nachfrage. Entsprechend führen steigende Gaspreise häufig zu höheren Strompreisen.

Entwicklung Beschaffungspreise für Strom 2020–2026*

Diese Grafik zeigt die Entwicklung der Beschaffungspreise

*Hinweis zu den dargestellten Preisen: Die hier gezeigten Preisverläufe beziehen sich auf Börsenpreise am Terminmarkt. Die tatsächlich angebotenen Preise können je nach Beschaffungszeitpunkt, Abnahmestruktur, Verbrauchsprofil und aktueller Marktsituation abweichen.

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Welche gesetzlichen Änderungen beeinflussen den Strompreis?

Seit Januar 2026 sind mehrere gesetzliche Änderungen in Kraft getreten, die sich auf den Strompreis für Unternehmen auswirken. Sie zielen darauf ab, einzelne Kostenbestandteile zu verringern und die Preisentwicklung insgesamt zu stabilisieren. Gleichzeitig bleiben strukturelle Kostentreiber erhalten, die je nach Branche, Standort und Verbrauchsprofil unterschiedlich ausfallen. Das Zusammenspiel dieser einzelnen Regelungen ist für die Bewertungen der eigenen Stromkosten daher entscheidend:

Senkung der Netzentgelte

Ein Bundeszuschuss von 6,5 Mrd. Euro reduzierte 2026 die Übertragungsnetzentgelte. Die Netzentgelte sind dadurch etwa zwischen 1,3 und 2,4 ct/kWh gesunken. Das Bundeskabinett hat am 2. September 2026 einen Gesetzentwurf beschlossen, der den Zuschuss zu den Netzentgelten für 2027 bis 2029 fortführt, allerdings mit reduziertem Volumen von rund 5,5 Mrd. Euro jährlich. Das Gesetz durchläuft nun das parlamentarische Verfahren.

Die tatsächliche Ersparnis hängt vom Standort, vom Verteilnetzbetreiber und von der Zählerart ab: Bei SLP-Zählern etwa davon, ob Eintarifzähler oder intelligente Messsysteme genutzt werden, und bei RLM-Zählern spielen zusätzlich Faktoren wie Spannungsebene, Benutzungsstunden und Leistungspreis eine Rolle. Die Netzentgelte machen damit weiterhin einen großen Anteil am Strompreis aus. Zudem erfordert der Ausbau von erneuerbaren Energien umfangreiche Investitionen in die Netze und Systeme. Dazu gehören die Erneuerung bestehender Netze und der Neubau von Leitungen u. a. zur Netzanbindung von Offshore-Windparks. Auch der Neubau von Gaskraftwerken für die Versorgungssicherheit wird über die Netzentgelte mitfinanziert. Langfristig ist aufgrund des Investitionsbedarfs mit steigenden Netz- und Systemkosten zu rechnen. Gleichzeitig soll der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien die Erzeugungskosten senken.

DIeses Bild zeigt ein Stromnetz und verdeutlicht das Thema Strompreisentwicklung 2026

Weitere Steuern und Umlagen

Umlagen wie die KWKG‑Umlage (Kraft‑Wärme‑Kopplung-Umlage) steigen 2026 um 61 % auf 0,446 ct/kWh, die Offshore‑Netzumlage erhöht sich um rund 15 %. Diese Komponenten machen zusammen mit den Steuern weiterhin einen relevanten Teil des Endkundenpreises aus.

Stromsteuersenkung

Für die meisten KMU und alle privaten Haushalte bleibt die Stromsteuer wie im Vorjahr bei 2,05 ct/kWh. Für das produzierende Gewerbe und die Land- und Forstwirtschaft gilt bereits seit 2024 eine temporäre Absenkung des Steuersatzes auf 0,05 ct/kWh. Diese Absenkung gilt nun zeitlich unbegrenzt, was die Planbarkeit verbessert. Unternehmen müssen sie aber beim zuständigen Hauptzollamt beantragen.

CO2‑Preis

Seit 2026 gilt bei der Bepreisung der Emissionszertifikate für Treibhausgase statt einem Fixpreis (55 €/t) ein Auktionsmodell mit einem Preiskorridor von 55 bis 65 €/t. Das bedeutet konkret: Die Zertifikate werden versteigert, sodass sich der CO2‑Preis innerhalb des Korridors stärker an Angebot und Nachfrage orientiert. Dies kann vor allem die Preise für Strom aus fossilen Energieträgern erhöhen, da deren CO2‑Kosten künftig schwanken und bei knapperem Angebot oder hoher Nachfrage tendenziell steigen können. Das Auktionsmodell mit einem Korridor von 55 bis 65 €/t CO2 steigert die Grenzkosten fossiler Kraftwerke. Die steigenden Preise für Emissionen werden auch in den Strompreisen zu spüren sein.

Industriestrompreis

Seit 2026 gilt in Deutschland erstmals ein staatlich subventionierter Industriestrompreis. Vorerst bis 2028 sollen die Stromkosten besonders energieintensiver Unternehmen teilweise gedeckelt werden. Berechtigt sind Unternehmen aus 91 Branchen mit stromintensiver Produktion. Für bis zu 50 % ihres Jahresverbrauchs erhalten die Unternehmen einen Zuschuss, der den Preis bis auf 5 ct/kWh (Zielpreis) senkt. Mehr zu den Bedingungen finden Sie in unserem Artikel zum Industriestrompreis.

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Auswirkungen auf die Strompreise einzelner Branchen 

Produzierendes Gewerbe und Industrie

Unternehmen dieser Branchen profitieren am stärksten von den politischen Entscheidungen und können eine Steuerentlastung von 2 ct/kWh für die Stromsteuer beantragen, wodurch der Steuersatz effektiv auf 0,05 ct/kWh sinkt, sofern der Großteil des Stroms für die Produktion genutzt wird. Energieintensive Betriebe können außerdem für bis zu 50 % ihres verbrauchten Stroms den neuen Industriestrompreis (Zielpreis 5 ct/kWh) beantragen.

Handel, Gastronomie und Dienstleistungen

Kleine und mittlere Unternehmen im Handel, in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor profitieren hauptsächlich von der Senkung der Netzentgelte. Für sie kann es sich lohnen, Tarife zu vergleichen. 

Landwirtschaft

Agrar‑ und Forstwirtschaftsbetriebe profitieren ebenfalls von der ermäßigten Stromsteuer von 0,05 ct/kWh. Durch die Senkung der Netzentgelte besteht auch hier eine Möglichkeit zur Reduzierung der Kosten. 

Ein Foto von einer Frau, die an einem Arbeitsplatz an Schuhsohlen arbeitet

Was können Unternehmen 2026 tun?

Dieses Icon zeigt eine Lupe und verdeutlicht das Thema Strompreisentwicklung 2026

Stromvertrag prüfen

Laufzeit, Preisbindung und Kündigungsfristen rechtzeitig überprüfen und Angebote einholen, bevor ein Vertrag verlängert wird. 

Stromverbrauch senken

Mit effizienten Anlagen, moderner Antriebstechnik, LED-Beleuchtung sowie intelligenten Steuerungs- und Lastmanagementsysteme lässt sich der Verbrauch reduzieren.

Strom selbst erzeugen

In erneuerbare Energien wie Photovoltaik zu investieren, kann sich lohnen – besonders für Agrar-Unternehmen oder Firmen mit eigenem Land oder Gebäuden.

Unternehmen mit auslaufenden Verträgen

Beobachten Sie die Marktsituation sorgfältig. Längere Laufzeiten können im aktuellen Marktumfeld Planungssicherheit bieten. Wir beraten Sie gern individuell. 

Preisrisiken beim Strom: Was Unternehmen jetzt bedenken sollten

Die aktuelle Marktlage stellt Unternehmen vor eine konkrete Entscheidung: Energievertrag jetzt abschließen oder auf günstigere Preise warten? Die folgenden Einschätzungen unterstützen Sie dabei, das aktuelle Marktrisiko realistisch zu bewerten und die Laufzeit gezielt zu wählen.

Ist Abwarten die richtige Strategie?

Abwarten ist aktuell mit erhöhten Risiken verbunden. Die geopolitische Lage bleibt fragil, und bereits kleinere Eskalationen können erneute Preisanstiege auslösen. Einschränkungen im LNG-Markt, etwa durch beschädigte Infrastruktur, verzögerte Lieferketten oder Unsicherheiten bei Transportwegen wie der Straße von Hormus, wirken sich über den bereits beschriebenen Merit-Order-Mechanismus auf den Strompreis aus. Hinzu kommt, dass Europa vor der Speicherbefüllung für den Winter 2026/27 steht, was die Gasnachfrage und damit auch den Strompreis zusätzlich belasten kann. 

Kurzfristige Preisrückgänge sind zwar möglich, etwa bei einer zeitnahen Entspannung der Lage durch stabile Transportwege oder eine diplomatische Einigung. Häufig sind solche Rückgänge jedoch begrenzter und weniger dauerhaft als Preisanstiege in Krisensituationen. Preisanstiege entstehen oft aus akuter Unsicherheit; Preisrückgänge brauchen Zeit, Vertrauen und eine tatsächliche Entspannung der Versorgungslage.

Warum unterscheiden sich die Preise je nach Vertragslaufzeit? 

Kurzfristige Produkte, also Lieferverträge für das Jahr 2026 und 2027, sind aktuell stärker von den beschriebenen Marktspannungen betroffen als langfristige. Allerdings steigen inzwischen auch die Preise für 2028, da der Markt Risiken frühzeitig einpreist. Längere Laufzeiten beziehen auch die Folgejahre mit ein, die am Terminmarkt derzeit noch günstiger gehandelt werden. Daraus ergibt sich häufig ein geglätteter Durchschnittspreis, der weniger stark von kurzfristigen Preisspitzen geprägt ist.

Welche Laufzeit ist im aktuellen Marktumfeld sinnvoll?

Längere Laufzeiten reduzieren das Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt erneut in einem volatilen Marktumfeld beschaffen zu müssen. Während ein 12-monatiger Vertrag stark vom aktuell angespannten Preisniveau geprägt ist, können längere Laufzeiten die bislang niedrigeren Preisniveaus der Folgejahre einbeziehen und so zu einer verlässlicheren Kalkulationsbasis beitragen. 

Fazit: Stromverträge frühzeitig prüfen lohnt sich

Wie sich die Strompreise entwickeln, bleibt schwer vorhersehbar. Zwar sind kurzfristige Preisrückgänge möglich, doch die aktuellen Marktbewegungen zeigen, wie schnell geopolitische Ereignisse zu Preisanstiegen führen können. Besonders Verträge mit kurzfristigem Lieferbeginn reagieren derzeit deutlich stärker auf diese Risiken als langfristige Laufzeiten. Für Unternehmen kann es deshalb sinnvoll sein, bestehende Stromverträge rechtzeitig zu überprüfen und mögliche Handlungsoptionen frühzeitig zu bewerten. Wer erst kurz vor Vertragsende aktiv wird, hat häufig weniger Planungssicherheit und Spielraum bei der Beschaffung.

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