Förderung Digitalisierung - vor, während und nach Corona

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Die Corona Pandemie hat neben all den Einschränkungen auch etwas sehr Positives: Die deutsche Wirtschaft und die Politik wachen aus ihrem digitalen Winterschlaf auf und bringen die Digitalisierung voran. Unternehmen entdecken Homeoffice für sich, beginnen Arbeitsprozesse zu digitalisieren und sehen mehr die Notwendigkeit einer soliden digitalen Infrastruktur. Auch die Regierung hat das verstanden und fördert digitale Vorhaben, Beratung und Projekte mehr denn je. Dazu kommt, dass die Corona-Überbrückungshilfen I-III, das November- und Dezemberhilfsprogramm und weitere Wirtschaftsförderungen im Zuge der Pandemie Investitionen in Digitalisierung in den Fokus nehmen. In diesem Artikel schauen wir uns das im Detail an.

Welche digitalen Förderprogramme gibt es?

1. Förderungen in der Corona-Krise 

Dazu gehören die Überbrückungshilfen I-III und die November- und Dezemberhilfe. Hier können Unternehmen sehr leicht und relativ unbürokratisch Fördergelder für Digitalisierung abrechnen. Dazu gehören Beratung, Ausgaben für digitale Technologien oder Investitionen in die digitale Infrastruktur wie IT-Anwendungen, den Ausbau von Home-Office-Kapazitäten oder die Kosten für IT-Dienstleister. Mehr Informationen zu den Corona-Hilfen finden Sie weiter unten und in unserem Artikel So hilft der Staat in der Corona-Krise.

2. Das Förderprogramm Digital Jetzt

Mit dieser Förderung unterstützt das BMWi kleine und mittlere Unternehmen bei Investitionen in IT-Sicherheit und digitale Innovationen. Im Fokus der Förderung stehen die Digitalisierung von bestehenden branchenübergreifenden Geschäftsprozessen, die Weiterentwicklungen von digitalen Geschäftsmodellen, die Investition in Hardware und Software und vor allem die Weiterbildung und Qualifizierung von Personal. In verschiedenen Modulen werden je nach Unternehmensgröße und Förderart zwischen 3.000 bis 100.000 Euro für verschiedene Maßnahmen bereitgestellt. Mehr Informationen haben wir für Sie weiter unten zusammengetragen.

3. Förderung go-digital

Das Förderprogramm "go-digital" vom Bund unterstützt ebenfalls kleine und mittlere Unternehmen und teilt seine Förderungen in drei Module auf, bei denen Beratungsdienstleistungen im Vordergrund stehen. Mehr hierzu lesen Sie weiter unten.

 

4. Digitalförderungen der Länder

Außerdem gibt es verschiedene Förderprogramme auf Landesebene, darunter die Digitalprämie Berlin, die Digitalisierungsprämie Plus in Baden-Württemberg, den Digi-Zuschuss in Hessen, den Digitalbonus Thüringen sowie entsprechende Programme in Mecklenburg-Vorpommern (DigiTrans Förderung Digitalisierung für digitale Transformation), Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und anderen Bundesländern.

Mehr Details zu den Digitalförderungen der Länder haben wir weiter unten für Sie zusammengefasst.

1. Welche Ausgaben für digitale Vorhaben werden im Zuge der Corona-Soforthilfen gefördert?

Wenn Sie für Ihr Unternehmen bisher nicht die notwendigen Mittel hatten: Bei jeder Überbrückungshilfe wurden bisher Investitionen in Digitalisierung unter der Kategorie Fixkosten gefördert. Der maximale Förderbetrag beläuft sich auf 20.000 Euro. Auch in der Überbrückungshilfe II wurden Digitalisierungsvorhaben unterstützt, allerdings nicht ganz so explizit. Die entsprechenden Posten können Sie aber unter den folgenden Kategorien finden:

 

  • Betriebliche Lizenzgebühren
    Hierunter fallen zum Beispiel alle laufenden Kosten Software-Lizenzen.
  • Versicherungen, Abonnements und andere feste Ausgaben
    Unter diesem Posten können Unternehmen alle laufenden Kosten für zum Beispiel Cloud-Services, Projektmanagement-Tools, Abonnements für E-Commerce (Online Shops, Wordpress Plug-Ins und andere) oder Wartungsservices von IT-Dienstleistern ansetzen. Auch digitale Marketingkosten gehören zu dieser Kategorie, wie Social-Media-Werbekampagnen, regelmäßige Content-Marketing-Dienstleistungen und andere Services.

2. Förderung Digitalisierung: Digital Jetzt im Überblick

Unter der Initiative Mittelstand digitalisieren gibt es verschiedene Förderprogramme für KMU, eines der größten ist Digital Jetzt. Unternehmen können entweder zusammen oder allein in zwei Modulen eine Förderung noch bis 2023 beantragen. Wie hoch das Gesamtfördervolumen ist, hängt von der Unternehmensgröße ab.

  • Unternehmen bis 50 Beschäftigte können sich bis zu 50 Prozent Ihrer Investitionssumme bezuschussen lassen.
  • Unternehmen bis 250 Beschäftigte erhalten einen Zuschuss bis zu 45 Prozent für ihre Investition in Digitalisierung.
  • Unternehmen bis 499 Beschäftigte erhalten einen Zuschuss bis 30 Prozent.
Mehr zu den Kriterien lesen Sie auf den entsprechenden Seiten des BMWi. Beachten Sie: Ab dem 30.6.2021 werden alle Zuschüsse um 10 Prozent reduziert!

2.1 Förderungsmodule und -szenarien

„Digital Jetzt fördert in zwei unterschiedlichen Modulen, die wir hier etwas genauer unter die Lupe nehmen.

A) Modul 1 fördert die Investition in digitale Technologien.

Hier gibt es zwei unterschiedliche Szenarien:

 
Laptop und Hände, Digitalisierung

Szenario: Einzelunternehmen

Wenn Sie als Einzelunternehmen in eine digitale Innovation investieren, zum Beispiel um mehr Kunden zu gewinnen, dann erstellen Sie einen Digitalplan und beschreiben die geplante Investition sowie deren Kosten:

Großtischlerei mit 41 Mitarbeitern möchte ein Enterprise Ressource Planning Tool (ERP) von SAP anschaffen, um damit Unternehmensabläufe zu digitalisieren und den Austausch mit Zulieferern einfacher zu gestalten. Die Kosten belaufen sich auf 12.000 Euro.

Das Fördervorhaben wird noch bis zum 30.6.2021 mit 50 Prozent, also 6.000 Euro, gefördert (danach mit 40 Prozent, also 4.800 Euro).

Laptop und Hände, Digitalisierung

Szenario: Wertschlöpfungsnetzwerk

Möchte die Großtischlerei zusammen mit ihren zwei größten Zulieferern zum Beispiel die Warenwirtschaftssysteme aller drei Unternehmen harmonisieren und ein unternehmensübergreifendes Netzwerk schaffen, das die Investition in eine komplett neue digitale Infrastruktur erfordert, dann können alle drei Unternehmen zusammen eine Förderung beantragen. Es handelt sich diesem Fall um ein Wertschöpfungsnetzwerk: Alle Unternehmen profitieren dann von fünf Prozent höheren Förderungsquoten. Belaufen sich die Investitionskosten zum Beispiel für jedes Unternehmen auf je 12.000 Euro, dann wird die Großtischlerei mit 55 Prozent als Teil eines Wertschöpfungsnetzwerks gefördert, also mit 6.600 Euro.

B) Modul 2 enthält die Investition in die Qualifizierung von Angestellten:

Zusätzlich zum neuen digitalen Warenwirtschaftssystem müssen die eigenen Mitarbeiter natürlich in den neuen IT-Systemen geschult werden. Aus diesem Grund kann die Großtischlerei eine weitere Förderung beantragen und dann je nachdem, ob sie einzeln oder im Wertschöpfungsnetzwerk beantragt 50 bis 55 Prozent dieser Weiterbildungssumme fördern lassen.

2.2 Fazit: „Digital Jetzt

Die Förderung Digitalisierung in Wertschöpfungsnetzwerken beträgt bis zu 100.000 Euro pro Unternehmen und für Einzelunternehmen bis zu 50.000 Euro. Der Bund gibt also Millionen Euro für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und die digitale Transformation des Mittelstands aus. Da aber schon mit der Erstellung eines Digitalplans ein erheblicher Aufwand und Expertise verbunden ist, sind Beratungen für viele alteingesessene Firmen sehr wichtig. Genau in diese Kerbe schlägt das „go-digital Programm.

Förderung von Digitalisierung: Auch für Start-Ups und freie Berufe?

Start-Ups, die sich bereits auf dem Markt etabliert haben und regelmäßige Umsätze verzeichnen, können sich nach den Förderbedingungen der Programme go-digital und Digital Jetzt bewerben. Auch Ärzte, Notare, Designer und andere Werktätige in den freien Berufen kommen für diese Förderprogramme im Bereich Digitalisierung in Frage. Weitere Informationen finden Sie auf den entsprechenden Seiten des BMWi unter dem Förderschwerpunkt Mittelstand-Digital.

3. Förderung Digitalisierung: „go-digital

Was ist E-Business, wie profitiere ich von digitalisierten Geschäftsprozessen und wie treibe ich Innovation in meinen Geschäftsprozessen voran? Viele Unternehmer sind von diesen Fragen schlichtweg überfordert. Die Förderung „go-digital“ ist eine relativ neue Förderung, die auf den gestiegenen Beratungsbedarf für Unternehmer reagiert. Bis zu 20 Beratertage im Wert von 1.100 Euro können sich Unternehmen zu 50 Prozent bezuschussen lassen, wenn Sie sich in einem drei Module der „go-digital“-Förderung beraten lassen.

Modul 1: IT-Sicherheit

In diesem Bereich liegt der Fokus auf IT-Sicherheit, also der Identifizierung von Bedrohungen und die Befähigung von Mitarbeitern zum Ausräumen von Sicherheitsrisiken. 

Modul 2: Digitale Markterschließung

Dieses Beratungsmodul ist relativ breit aufgestellt und bietet vor allem der gewerblichen Wirtschaft in den strukturschwachen Regionen verschiedene Ansatzpunkte, um die Entwicklung und Innovation ihres Unternehmens voranzutreiben. Hierzu gehören Online-Marketing-Strategien, der Aufbau einer professionellen Homepage, die Einführung eines Online Shops und damit angebundener Zahlungs- oder Warenprozesse.

Modul 3: Digitalisierte Geschäftsprozesse

Besonders wichtig ist die digitale Transformation interner Geschäftsprozesse, wodurch Sie Personal, Bürokratie, Zeit und Geld sparen. Das Stichwort ist hier ERP Enterprise Ressource Planning oder zu Deutsch: Unternehmensressourcenplanung. Viele verbuchen diesen Begriff unter digitalen Warenwirtschaftssystemen. Bei der Einführung eines ERP-Systems geht es aber um mehr als um Warenströme und Logistik, sondern eben um die Integration aller Geschäftsprozesse in einem System, um Synergien nutzen zu können.

Förderbedingungen und „De-minimis“

De-Minimis: Wichtig für eine Förderung in den Programmen „go-digital“ und „Digital Jetzt“ ist die De-minimis-Erklärung eines Unternehmens. Bei der De-Minimis-Bescheinigung geht es darum, dass Sie in den vergangenen Jahren nicht über eine bestimmte Summe hinaus Fördermittel erhalten haben, dass alle Fördermittel ordnungsgemäß abgerechnet, genutzt, überprüft und bei Nichtnutzung zurücküberwiesen wurden. Ansonsten handelt es sich um Fördermittelbetrug, der sogar mit Freiheitsentzug bestraft werden kann.

Mehr Informationen zu De-minimis erhalten Sie in der Förderdatenbank des Bundes.

Digitale Strategie: Eine spezifische Anforderung für die Beantragung von „Digital Jetzt“ ist ein digitale Planung, in der Sie in ersichtlich machen, mit welchem Investitionsaufwand Sie welche Investition (beispielsweise IT-Sicherheit, Software, Hardware etc.) tätigen wollen, welche Effekte das für Ihr Geschäft haben wird und in welchem Zeitraum das Vorhaben durchgeführt wird.

Steuerberater oder andere Experten: Die Antragsstellung für alle Förderprogramme erfolgt inzwischen über das Online-Antragstool. Beachten Sie, dass oftmals ein Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder ausgewiesene Spezialisten notwendig sind, um Anträge zu stellen.

Die üblichen Verdächtigen: Halten Sie Ihre Geschäftsdokumente bereit, vom Eintrag ins Handelsregister bis zum letzten Jahresbericht. 

4. Digitalförderungen der Länder

Die Digitalförderungen der Länder werden oftmals in Zusammenarbeit mit den Landesbanken bereitgestellt. So wird die Digitalisierungsprämie Plus in der Zuschussvariante von der L-Bank Baden-Württemberg angeboten, die Digitalprämie Berlin von IBB, die Digitalförderung für Sachsen-Anhalt ebenfalls von der entsprechenden Investitionsbank. Weitere Informationen finden Sie:
 


Der Fokus der bezuschussenden Förderungen liegt meistens auf der Beratung im Bereich digitaler Innovation und Entwicklung. In Einzelfällen können auch Kosten für die Anschaffung von notwendiger Hardware und Software bezuschusst werden.

Die Digitalisierungsförderungen ähneln sich länderübergreifend sehr, fast einheitlich fördern sie KMU von 10 bis 249 Beschäftigten. Das Fördervolumen liegt im Bereich der Zuschussprogramme zwischen 4.000 und 40.000 Euro. Ausnahme ist Brandenburg mit dem BIG-Digital-Zuschuss von bis zu 500.000 Euro auf Implementationsmaßnahmen gibt. Bei Darlehens- oder Kreditprogrammen gehen die Fördersummen oft bis in den sechsstelligen Bereich.

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