VSME: Der Nachhaltigkeitsbericht für KMU

Der Voluntary Sustainability Standard for non-listed SMEs (VSME) bietet eine praxisorientierte Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Obwohl die Anwendung freiwillig ist, profitieren KMU insbesondere dann, wenn sie als Lieferanten von Unternehmen agieren, die zur Berichterstattung nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet sind. Die EU-Kommission hat im Juli 2026 mit dem Voluntary Standard (VS) einen noch nicht rechtsverbindlichen Nachfolgestandard verabschiedet.

Dieses Bild zeigt eine Frau, die ein Diagramm zeichnet und verdeutlicht das Thema VSME: Der Nachhaltigkeitsbericht für KMU

Zuletzt aktualisiert am: 14.9.2026
Lesedauer: 9 Minuten

Was ist VSME?

Der Voluntary Sustainability Standard for SME (VSME) ist ein freiwilliger Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Er umfasst zwei Module, die verschiedene Aspekte abdecken, darunter Umwelt, soziale Verantwortung und Unternehmensführung. Initiiert von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), bietet der Standard einen flexiblen Rahmen für nicht börsennotierte KMU. Im Vergleich zu den umfangreichen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) ist der VSME weniger komplex. Er unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele und Leistungen transparent zu kommunizieren.

Die EFRAG hat die finale Version des VSME im November 2024 verabschiedet. Seitdem gab der Verein mehrsprachige Leitfäden und Schulungsmaterial heraus und bot Informationsveranstaltungen an. Zudem plant die EFRAG, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen, unter anderem digitale Tools und Outreach-Initiativen, um die Marktakzeptanz und Einführung des VSME zu erleichtern. Im Juli 2025 wurde der VSME schließlich von der EU-Kommission als offizieller Standard in der EU empfohlen. Am 3. Juli 2026 hat die EU-Kommission mit dem Voluntary Standard (VS) einen Rahmen verabschiedet, der auf dem VSME aufbaut. Der VS erweitert die Anwendung auf Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden. Der neue Standard ist derzeit noch nicht rechtsverbindlich.

Ziel des Standards ist es, eine einheitliche, skalierbare und praxisorientierte Grundlage für freiwillige Nachhaltigkeitsberichte bereitzustellen, die dem empfohlenen Datenrahmen der EU entsprechen. 

Das Omnibus-I-Paket der EU 

Mit dem Inkrafttreten des Substance Proposals innerhalb des Omnibus-I-Pakets entfallen die Berichtspflichten im Rahmen der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) für Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden oder 450 Mio. Euro Umsatz. Diese Änderung war zugleich Auslöser für den Nachfolgestandard VS. So steht Unternehmen, die durch Omnibus I aus der CSRD-Berichtspflicht fallen, weiterhin ein passender freiwilliger Rahmen zur Verfügung. 

Zeitliche Entzerrung: Berichtspflichtige Unternehmen müssen nun erstmals 2028 einen Bericht für das Geschäftsjahr 2027 abgeben.

Schutz von nicht-berichtspflichtigen Zulieferern und Partnern: KMU, die nicht berichtspflichtig sind, aber in der Lieferkette eines berichtspflichtigen Unternehmens arbeiten, müssen keine Daten mehr erheben, da diese jetzt geschätzt bzw. aus öffentlich verfügbaren Daten übernommen werden können.

Reduzierte Berichtspflichten und vereinfachte ESRS: Die Anzahl der verpflichtenden Datenpunkte der CSRD wurde maßgeblich reduziert und viele optionale bzw. zusätzliche Datenpunkte wurden gestrichen. Sowohl in den überarbeiteten ESRS als auch im freiwilligen VSME liegt der Fokus nun verstärkt auf quantitativen Angaben statt auf langen Textpassagen. Dies verringert den administrativen Aufwand deutlich.

Vereinfachte Wesentlichkeitsprüfung: Die Wesentlichkeitsanalyse ermittelt, welche Nachhaltigkeitsthemen für Unternehmen relevant sind. Sie bildet die Grundlage dafür, worüber berichtet wird. Die Analyse wird praxisnah gestaltet, indem der Fokus auf signifikante Aspekte des Geschäfts gelegt wird. Weniger relevante Themen können entfallen. Im VSME bleibt die Wesentlichkeitsanalyse weiterhin freiwillig.

Value Chain Cap: Durch den Value Chain Cap können KMU überzogene Datenanfragen (über die Anforderungen des VSME hinaus) von großen, berichtspflichtigen Unternehmen jetzt rechtlich ablehnen. Der Cap verleiht dem VSME beziehungsweise dem VS damit erstmals eine rechtliche Funktion als verbindliche Referenzobergrenze.

Der Trickle-down-Effekt: Warum KMU betroffen sind

Ein entscheidender Faktor für die Relevanz des VSME ist der sogenannte Trickle-down-Effekt. Große Unternehmen, die ESG-Berichtspflichten erfüllen müssen, geben ihre Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der gesamten Lieferkette weiter. Das bedeutet für KMU:

  • Steigende Kundenerwartungen: Geschäftspartner und Kunden fordern zunehmend Transparenz hinsichtlich Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette.

  • Datenbereitstellung: Von Unternehmen wird erwartet, Nachhaltigkeitsdaten zu liefern, selbst wenn sie nicht direkt berichtspflichtig sind. Das können sie zwar mit der neuen Gesetzgebung ablehnen, eine Bereitstellung kann sich dennoch positiv auf die Geschäftsbeziehung auswirken.

  • Fehlende Prozesse: Viele KMU verfügen noch nicht über standardisierte Abläufe zur systematischen Erfassung dieser Daten.


Die einheitliche Berichtsstruktur des VSME erleichtert es KMU, diesen Anforderungen mit einem geringen bürokratischen Aufwand gerecht zu werden.

So profitiert der Mittelstand vom VSME

Der VSME ist nicht nur ein freiwilliges Tool, sondern der von der EU offiziell empfohlene Rahmen für Datenanfragen an KMU – auch von Banken und Investoren. Er ermöglicht KMU eine standardisierte und zugleich flexible Berichterstattung, um die Anforderungen ihrer großen Geschäftspartner zu erfüllen. Aktuell erfolgt der Austausch häufig über strukturierte Fragebögen oder Audits, die es CSRD-pflichtigen Unternehmen ermöglichen, die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Lieferanten transparent zu bewerten. Mit dem VSME können KMU diese individuellen Anfragen durch einen einheitlichen Bericht ersetzen, der alle relevanten Informationen enthält. Dies vereinfacht die Kommunikation, reduziert den Verwaltungsaufwand und stärkt das Vertrauen von Investoren, Kunden und anderen Stakeholdern.

Hier sind die wichtigsten Vorteile im Überblick:

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Daten für die VSME-Berichterstattung

Die VSME-Anforderungen umfassen eine breite Palette an Daten, die systematisch erfasst und ausgewertet werden müssen:
 

  • Allgemeine Unternehmensinformationen: Unternehmensprofil, Standorte und wesentliche Veränderungen im Berichtszeitraum

  • Governance-Daten: Informationen zu Unternehmensführung, Verantwortlichkeiten und internen Kontrollmechanismen

  • Umweltdaten: Daten zu Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch

  • Soziale Daten: Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und faire Löhne

  • Lieferkettendaten: Informationen zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards der Lieferanten

Gut zu wissen: Auch wenn KMU gesetzlich nicht zur Berichterstattung verpflichtet sind, können Geschäftspartner:innen oder Kund:innen diese Informationen anfordern. Arbeitet Ihr Unternehmen eng mit größeren, berichtspflichtigen Partnern zusammen, sollten Sie sich zeitnah über den VSME-Standard austauschen. So können Sie gezielt auf Anforderungen reagieren und sich optimal auf eventuelle Nachfragen vorbereiten.

VSME-Module im Überblick

Die zwei Hauptmodule bieten eine strukturierte Grundlage für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen:

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Das „Basic Module“ enthält die grundlegenden Anforderungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung: Umwelt, soziale Themen und Geschäftsethik. Es richtet sich an Unternehmen, die ihre Maßnahmen strukturiert erfassen möchten.

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Das „Comprehensive Module“ bietet eine detaillierte Berichterstattung mit zusätzlichen Datenpunkten für Investoren und B2B-Großkunden. Der Fokus liegt hier stärker auf strategischen und zukunftsgerichteten Angaben, beispielsweise zu Klimazielen, Transformationsplänen und Diversität in der Führungsebene.

Basic Module: Grundlegende Anforderungen für KMU

Das Basic Module des VSME bietet eine strukturierte Einstiegsbasis für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Es umfasst 11 Berichtsanforderungen, welche allgemeine Angaben zu vorausschauendem Wirtschaften sowie Umwelt-, Sozial- und Geschäftspraktiken abdecken. Das Basic Module enthält grundlegende Angaben zu:

VSME Icon mit einem Vogel und einem Blatt im Schnabel

Umwelt 

Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Ressourcenverbrauch

VSME Icon mit zwei Menschen und Sprechblasen

Soziales 

Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit

VSME Icon mit einem Herz und einem Euro-Zeichen und Pfeilen, die einen Kreislauf symbolisieren

Geschäftsethik 

Korruptionsvorfälle, Compliance

Durch den Fokus auf Umweltdaten und Ressourcennutzung unterstützt das Basic Module besonders energieintensive Branchen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Es fördert konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie der Ressourcennutzung.

Geeignet für folgende Unternehmen

  • Kleinstunternehmen, die von den vereinfachten Anforderungen des Basic-Module profitieren möchten.

  • Nicht börsennotierte KMU, die eine strukturierte und praxisnahe Berichterstattung suchen.

  • Unternehmen, die sich auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung vorbereiten wollen, bevor sie die komplexeren Anforderungen der CSRD erfüllen müssen.

Beispiel: Basic Module bei einem Lebensmittelhersteller

Lebensmittelstand, ein fiktiver mittelständischer Lebensmittelhersteller, nutzt das Basic Module, um systematisch seinen Gesamtenergieverbrauch und die Treibhausgasemissionen zu erfassen. Dies ermöglicht dem Unternehmen, die Nachhaltigkeitsanforderungen seiner Geschäftspartner zu erfüllen und gleichzeitig interne Effizienzsteigerungen zu realisieren. So positioniert sich Lebensmittelstand als verantwortungsvoller Hersteller in einem wettbewerbsintensiven Markt.

Comprehensive Module: Strategien und Ziele im Nachhaltigkeitsmanagement

Das Comprehensive Module richtet sich an KMU, welche die erweiterten Anforderungen von Banken, Investoren oder Geschäftspartnern erfüllen möchten oder müssen. Dieses Modul enthält im Vergleich zum Basic Module neun zusätzliche Angaben, die eine detailliertere Nachhaltigkeitsberichterstattung ermöglichen. Das Modul umfasst unter anderem erweiterte Offenlegungen zu:

VSME Icon mit einem Pfeil, der an Kreuzen vorbeigeleitet wird

Strategie 

Detaillierte Beschreibung relevanter Richtlinien und Praktiken des Unternehmens

VSME Icon mit einer Wolke und der Erdkugel

Klima 

Angaben zu Zielen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und Plänen für den Übergang zu klimafreundlichen Geschäftsmodellen

VSME Icon mit dem Umriss einer Fabrik

Wirtschaftliche Aktivitäten

u. a. Erlöse aus kritischen Sektoren

VSME Icon mit einem Unternehmens-Organigramm

Management & Personal

u. a. Menschenrechte und Geschlechterdiversität in der Führungsebene

Mit den im Comprehensive Module erhobenen Daten können KMU ihre Energieeffizienz verbessern und Treibhausgasemissionen systematisch reduzieren – sowie ihre Berichterstattung über soziale Verantwortung und Menschenrechte erweitern.

Geeignet für folgende Unternehmen

  • Kleine und mittlere Unternehmen mit bereits formalisierten Unternehmensleitlinien zur Nachhaltigkeit.

  • Unternehmen, die zusätzliche Daten für Kreditgeber und Investoren bereitstellen möchten.

Beispiel: Comprehensive Module bei einem Bauzulieferer

Die Konstruktiv GmbH, ein fiktives mittelständisches Unternehmen in der Bauzulieferer-Branche, hat sich ehrgeizige CO2-Reduktionsziele gesetzt. Im Rahmen des Comprehensive Module berichtet das Unternehmen über seine langfristigen Nachhaltigkeitsstrategien und implementiert Szenarioanalysen, um zukünftige Entwicklungen und Risiken besser einzuschätzen. Durch konkrete Maßnahmen, wie den Einsatz recycelter Materialien und energieeffizienter Produktionsprozesse, schafft Konstruktiv Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung und positioniert sich als Vorreiter für sparsamen Umgang mit Material und Energie in der Bauwirtschaft.

Die Bedeutung der Wesentlichkeitsanalyse für KMU

Eine Wesentlichkeitsanalyse ist ein wichtiges Instrument, um relevante Umwelt- und Sozialthemen sowie Handlungsfelder zu identifizieren und strategische Vorteile zu realisieren. Sie ermittelt, welche Themen für ein Unternehmen und seine Stakeholder für den Nachhaltigkeitsbericht tatsächlich von Bedeutung sind. Im Rahmen des VSME ist sie freiwillig. Dennoch empfehlen viele Verbände und Expert:innen, eine Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen. Sie bietet Unternehmen die notwendige Grundlage, um:

  • die eigenen Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen zu bewerten

  • relevante ESG-Themen gezielt zu identifizieren

  • ihre Strategie an den regulatorischen Anforderungen auszurichten
     

Eine freiwillige Wesentlichkeitsanalyse ist ein erster Schritt, um Nachhaltigkeit im Unternehmen strategisch zu integrieren. Dadurch eignet sie sich gut als Grundlage für den VSME. In unserem Artikel zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse lesen Sie mehr zu Bedeutung und Durchführung.

Die wichtigsten Schritte zur Umsetzung des VSME

Eine effiziente VSME-Berichterstattung erfordert klare, aufeinanderfolgende Schritte, von der Analyse bis zur Kommunikation der Ergebnisse:

1. Modulwahl: Das VSME-Modul wählen, welches am besten zu den Anforderungen des Unternehmens passt.

2. Erstbeurteilung: Den aktuellen Stand der Nachhaltigkeitspraktiken bewerten, z. B. durch eine strukturierte Bestandsaufnahme der Nachhaltigkeitsthemen oder eine freiwillige Wesentlichkeitsanalyse, um relevante Themen zu identifizieren.

3. Datensammlung und Interviews: Nachhaltigkeitsdaten erfassen und Interviews mit Schlüsselpersonen durchführen. Die Daten müssen vollständig, vergleichbar und zuverlässig sein.

4. Erstellung des Berichts: Den Nachhaltigkeitsbericht klar und vollständig verfassen. Branchenspezifische Leitfäden hierfür finden sich u. a. beim Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Eine externe Prüfung ist empfohlen, aber nicht verpflichtend.

5. Kommunikation: Die Ergebnisse intern und extern kommunizieren, um Transparenz zu schaffen. Bei werblicher Nutzung von einzelnen Umwelt- oder Klimaaussagen auf belastbare Nachweise achten.

6. Strategie entwickeln: Eine langfristige Nachhaltigkeitsstrategie kann dabei helfen, Ziele, Maßnahmen und Berichterstattung konsistent miteinander zu verknüpfen.

Hinweis: Die VSME-Berichterstattung sollte jährlich erfolgen und ermöglicht es Unternehmen, die Ergebnisse sowohl separat als auch im Lagebericht zu veröffentlichen. Dies bietet Flexibilität bei der Präsentation der Informationen. Ab dem zweiten Jahr werden zudem Vergleichszahlen zum Vorjahr eingebunden, um Fortschritte und Entwicklungen transparent darzustellen.

Fazit: Warum der VSME für KMU weiterhin relevant bleibt

Durch die Änderungen des Omnibus-I-Pakets sind viele KMU von den direkten Berichtspflichten der CSRD nicht mehr betroffen. Nachhaltigkeitsdaten bleiben weiterhin relevant, etwa bei Anfragen von Geschäftspartnern, Banken oder im Rahmen von Ausschreibungen. Der VSME bietet KMU dafür einen freiwilligen und praxisnahen Rahmen, um diese Informationen strukturiert bereitzustellen und zu erfassen. Für viele Unternehmen ist der VSME deshalb weniger eine regulatorische Pflicht als vielmehr ein Instrument, um sich auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten und Nachhaltigkeitsinformationen effizient zu managen.

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