VSME: Der Nachhaltigkeitsbericht für KMU
Der Voluntary Sustainability Standard for SME (VSME) bietet eine praxisorientierte Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von nicht börsennotierten KMU. Obwohl die Anwendung freiwillig ist, profitieren KMU insbesondere dann, wenn sie als Lieferanten von Unternehmen agieren, die zur Berichterstattung nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet sind.

Zuletzt aktualisiert am: 11.3.2026
Lesedauer: 9 Min
Der Voluntary Sustainability Standard for SME (VSME) ist ein freiwilliger Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Er umfasst zwei Module, die verschiedene Aspekte abdecken, darunter Umwelt, soziale Verantwortung und Unternehmensführung. Initiiert von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG), bietet der Standard einen flexiblen Rahmen für nicht börsennotierte KMU. Im Vergleich zu den umfangreichen European Sustainability Reporting Standards (ESRS) ist der VSME weniger komplex. Er unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele und Leistungen transparent zu kommunizieren.
Die EFRAG hat die finale Version des VSME im November 2024 verabschiedet. Seitdem gab der Verein mehrsprachige Leitfäden und Schulungsmaterial aus und bot Informationsveranstaltungen an. Zudem plant die EFRAG, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen, unter anderem digitale Tools und Outreach-Initiativen, um die Marktakzeptanz und Einführung des VSME zu erleichtern. Im Juli 2025 wurde der VSME schließlich von der EU-Kommission zum offiziellen Standard in der EU erklärt.
Ziel des Standards ist es, eine einheitliche, skalierbare und praxisorientierte Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte bereitzustellen.
Es wird einfacher – durch das Omnibus-I-Paket der EU
Mit dem Inkraftreten des Substantial Proposals innerhalb des Omnibus-I-Pakets entfallen jegliche Berichtsgrenzen für Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden und 450 Mio. Euro Umsatz.
Zeitliche Entzerrung: Berichtspflichtige Unternehmen müssen nun erstmals 2028 einen Bericht für das Geschäftsjahr 2027 abgeben.
Schutz von nicht-berichtspflichtigen Zulieferern und Partnern: KMU, die nicht berichtspflichtig sind, aber in der Lieferkette eines berichtpflichtigen Unternehmens arbeiten, müssen keine Daten mehr erheben, da diese jetzt geschätzt bzw. aus öffentlich verfügbaren Daten übernommen werden können.
Reduzierte Berichtspflichten und vereinfachte ESRS: Die Anzahl der verpflichtenden Datenpunkte wurde deutlich reduziert und viele optionale bzw. zusätzliche Datenpunkte gestrichen. Der Fokus liegt jetzt deutlicher verstärkt auf quantitativen Angaben und weniger auf langen Textpassagen, so wird der administrative Aufwand deutlich verringert.
Vereinfachte Wesentlichkeitsprüfung: Die Wesentlichkeitsanalyse wird praxisnah gestaltet, indem der Fokus auf signifikante Aspekte des Geschäfts gelegt wird. Weniger relevante Themen können entfallen.
Value Chain Cap: Durch den Value Chain Cap können KMU überzogene Datenanfragen (über die Anforderungen des VSME hinaus) von großen, berichtspflichtigen Unternehmen jetzt rechtlich ablehnen.
Der Trickle-down-Effekt: Warum KMU betroffen sind
Ein entscheidender Faktor für die Relevanz des VSME ist der sogenannte Trickle-down-Effekt. Große Unternehmen, die ESG-Berichtspflichten erfüllen müssen, geben ihre Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der gesamten Lieferkette weiter. Das bedeutet für KMU:
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Steigende Kundenerwartungen: Geschäftspartner und Kunden fordern zunehmend Transparenz hinsichtlich Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette.
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Datenbereitstellung: Von Unternehmen wird erwartet Nachhaltigkeitsdaten zu liefern, selbst wenn sie nicht direkt berichtspflichtig sind. Das können Sie zwar mit der neuen Gesetzgebung ablehnen, eine Bereitstellung kann sich dennoch positiv auf die Geschäftsbeziehung auswirken.
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Fehlende Prozesse: Viele KMU verfügen noch nicht über standardisierte Abläufe zur systematischen Erfassung dieser Daten.
Die einheitliche Berichtsstruktur des VSME erleichtert es KMU, diesen Anforderungen mit einem geringen bürokratischen Aufwand gerecht zu werden.
So profitiert der Mittelstand vom VSME
Der VSME ist nicht nur ein freiwilliges Tool, sondern der von der EU offiziell empfohlene Rahmen für Datenanfragen an KMU – auch von Banken und Investoren. Er ermöglicht KMU eine standardisierte und zugleich flexible Berichterstattung, um die Anforderungen ihrer großen Geschäftspartner effizient zu erfüllen. Aktuell erfolgt der Austausch häufig über strukturierte Fragebögen oder Audits, die es CSRD-pflichtigen Unternehmen ermöglichen, die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Lieferanten transparent zu bewerten. Mit dem VSME können KMU diese individuellen Anfragen durch einen einheitlichen Bericht ersetzen, der alle relevanten Informationen enthält. Dies vereinfacht die Kommunikation, reduziert den Verwaltungsaufwand und stärkt das Vertrauen von Investoren, Kunden und anderen Stakeholdern.
Hier sind die wichtigsten Vorteile im Überblick:
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Bürokratie abbauen, Emissionen senken – Der VSME im Fokus
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Daten für die VSME-Berichterstattung
Die VSME-Anforderungen umfassen eine breite Palette an Daten, die systematisch erfasst und ausgewertet werden müssen:
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Allgemeine Unternehmensinformationen: Unternehmensprofil, Standorte und wesentliche Veränderungen im Berichtszeitraum
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Governance-Daten: Informationen zu Unternehmensführung, Verantwortlichkeiten und internen Kontrollmechanismen
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Umweltdaten: Daten zu Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch
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Soziale Daten: Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und faire Löhne
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Lieferkettendaten: Informationen zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards der Lieferanten
Gut zu wissen: Auch wenn KMU gesetzlich nicht zur Berichterstattung verpflichtet sind, können Geschäftspartner:innen oder Kund:innen diese Informationen anfordern. Arbeitet Ihr Unternehmen eng mit größeren, berichtspflichtigen Partnern zusammen, sollten Sie sich zeitnah über den VSME-Standard austauschen. So können Sie gezielt auf Anforderungen reagieren und sich optimal auf eventuelle Nachfragen vorbereiten.
Das „Basic Module” enthält die grundlegenden Anforderungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung: Umwelt, soziale Themen und Geschäftsethik. Es richtet sich an Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsleistung strukturiert erfassen möchten.
Das „Comprehensive Module” bietet eine detaillierte Berichterstattung mit zusätzlichen Datenpunkten für Investoren und B2B-Großkunden. Dieses Modul legt verstärkten Fokus auf strategische Nachhaltigkeitsziele.
Basic Module: Grundlegende Anforderungen für KMU
Das Basic Module des VSME bietet eine strukturierte Einstiegsbasis für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Der Entwurf umfasst 11 Berichtsanforderungen, welche allgemeine Angaben zu nachhaltigem Wirtschaften sowie Umwelt-, Sozial- und Geschäftspraktiken abdecken. Das Basic Module enthält grundlegende Angaben zu:
Umwelt
Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Ressourcenverbrauch
Soziales
Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit
Geschäftsethik
Korruptionsvorfälle, Compliance
Durch den Fokus auf Umweltdaten und Ressourcennutzung unterstützt das Basic Module besonders energieintensive Branchen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Es fördert konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie der Ressourcennutzung.
Geeignet für folgende Unternehmen
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Kleinstunternehmen und Mikro-Unternehmen, die von den vereinfachten Anforderungen des VSME-Basic-Module profitieren möchten.
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Nicht börsennotierte KMU, die eine strukturierte und praxisnahe Berichterstattung suchen.
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Unternehmen, die sich auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung vorbereiten wollen, bevor sie die komplexeren Anforderungen der CSRD erfüllen müssen.
Beispiel: Basic Module bei einem Lebensmittelhersteller
Lebensmittelstand, ein fiktiver mittelständischer Lebensmittelhersteller, nutzt das Basic Module, um systematisch seinen Gesamtenergieverbrauch und die Treibhausgasemissionen zu erfassen. Dies ermöglicht dem Unternehmen, die Nachhaltigkeitsanforderungen seiner Geschäftspartner zu erfüllen und gleichzeitig interne Effizienzsteigerungen zu realisieren. So positioniert sich Lebensmittelstand als verantwortungsvoller Hersteller in einem wettbewerbsintensiven Markt.
Comprehensive Module: Strategien und Ziele im Nachhaltigkeitsmanagement
Das Comprehensive Module richtet sich an KMU, welche die erweiterten Anforderungen von Banken, Investoren oder Geschäftspartnern erfüllen möchten oder müssen. Dieses Modul enthält im Vergleich zum Basic Module neun zusätzliche Angaben, die eine detailliertere Nachhaltigkeitsberichterstattung ermöglichen. Das Modul umfasst unter anderem erweiterte Offenlegungen zu:
Strategie
Detaillierte Beschreibung relevanter Richtlinien und Praktiken des Unternehmens
Klima
Angaben zu Zielen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und Plänen für den Übergang zu klimafreundlichen Geschäftsmodellen
Wirtschaftliche Aktivitäten
u. a. Erlöse aus kritischen Sektoren
Management & Personal
u. a. Menschenrechte und Geschlechterdiversität in der Führungsebene
Durch das Comprehensive Module können KMU ihre Energieeffizienz verbessern und Treibhausgasemissionen systematisch reduzieren – sowie ihre Berichterstattung über soziale Verantwortung und Menschenrechte erweitern.
Geeignet für folgende Unternehmen
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Kleine und mittlere Unternehmen mit bereits formalisierten Unternehmensleitlinien zur Nachhaltigkeit.
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Unternehmen, die zusätzliche Daten für Kreditgeber und Investoren bereitstellen möchten.
Beispiel: Comprehensive Module bei einem Bauzulieferer
Die Konstruktiv GmbH, ein fiktives mittelständisches Unternehmen in der Bauzulieferer-Branche, hat sich ehrgeizige CO2-Reduktionsziele gesetzt. Im Rahmen des Comprehensive Modules berichtet das Unternehmen über seine langfristigen Nachhaltigkeitsstrategien und implementiert Szenarioanalysen, um zukünftige Entwicklungen und Risiken besser einzuschätzen. Durch konkrete Maßnahmen, wie den Einsatz recycelter Materialien und energieeffizienter Produktionsprozesse, schafft Konstruktiv Transparenz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung und positioniert sich als Vorreiter in der nachhaltigen Bauwirtschaft.
Die Bedeutung der Wesentlichkeitsanalyse für KMU
Eine Wesentlichkeitsanalyse ist im Rahmen des VSME nicht vorgeschrieben. Dennoch ist sie ein wichtiges Instrument, um relevante Umwelt- und Sozialthemen sowie Handlungsfelder zu identifizieren und strategische Vorteile zu realisieren. Daher empfehlen viele Verbände und Expert:innen, eine Wesentlichkeitsanalyse durchzuführen. Sie bietet Unternehmen die notwendige Grundlage, um:
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die eigenen Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen zu bewerten,
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relevante ESG-Themen gezielt zu identifizieren, und
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ihre Strategie an den regulatorischen Anforderungen auszurichten.
Die Wesentlichkeitsanalyse ist ein wichtiger erster Schritt, um Nachhaltigkeit im Unternehmen strategisch zu integrieren. In unserem Artikel zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse lesen Sie mehr zu Bedeutung und Durchführung.
Die wichtigsten Schritte zur Umsetzung des VSME
Eine effiziente VSME-Berichterstattung erfordert klare, aufeinanderfolgende Schritte, von der Analyse bis zur Kommunikation der Ergebnisse:
1. Modulwahl: Das VSME-Modul wählen, welches am besten zu den Anforderungen des Unternehmens passt.
2. Erstbeurteilung: Den aktuellen Stand der Nachhaltigkeitspraktiken bewerten, z. B. durch eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse, um relevante Themen zu identifizieren.
3. Datensammlung und Interviews: Nachhaltigkeitsdaten erfassen und Interviews mit Schlüsselpersonen durchführen. Die Daten müssen vollständig, vergleichbar und zuverlässig sein.
4. Erstellung des Berichts: Den Nachhaltigkeitsbericht klar und vollständig verfassen. Branchenspezifische Leitfäden hierfür finden sich u.a. beim Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Eine externe Prüfung ist empfohlen, aber nicht verpflichtend.
5. Kommunikation: Die Ergebnisse intern und extern kommunizieren, um Transparenz zu schaffen.
6. Langfristige Strategie entwickeln: Eine kontinuierliche Nachhaltigkeitsstrategie verbessert die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Hinweis: Die VSME-Berichterstattung erfolgt jährlich und ermöglicht es Unternehmen, die Ergebnisse sowohl separat als auch im Lagebericht zu veröffentlichen. Dies bietet Flexibilität bei der Präsentation der Informationen. Ab dem zweiten Jahr sind zudem Vergleichszahlen zum Vorjahr erforderlich, um Fortschritte und Entwicklungen transparent darzustellen.
Fazit: Der erste Schritt zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
Der VSME-Standard bietet kleinen und mittleren Unternehmen eine praxisnahe und standardisierte Berichterstattung. Durch den modularen Aufbau können Sie Ihre Berichte flexibel gestalten und gleichzeitig Transparenz für Investoren und Geschäftspartner schaffen. Die vereinfachte Struktur und die starke Praxisorientierung steigern die Akzeptanz und erleichtern Ihnen die Umsetzung.
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