Schelchen GmbH: Das technologische Erfolgsrezept der Marke pedag®

Die Einlegesohle als erfolgreiches High-Tech-Produkt. Die Schelchen GmbH in Königs Wusterhausen exportiert ihre Marke pedag® weltweit. Hinter dem Hidden Champion stehen klare strategische Entscheidungen: Patente als Marktschutz, eigenentwickelte 3D-Scanner-Technologie, bewusster Verzicht auf Plattformökonomie und konsequentes Carbon Accounting. Dieses Best Practice zeigt, wie ein Mittelständler mit handwerklicher Tradition zu einem zertifizierten Medizinproduktehersteller mit internationaler Spitzenposition wurde.

Dieses Bild zeigt das Gebäude der Marke pedag der Schelchen GmbH

Zuletzt aktualisiert am: 11.6.2026
Lesezeit: 6 Minuten

Die Schelchen GmbH in Zahlen

Vom Hinterhof zur globalen Marke: Geschichte und Marktentwicklung

Die Schelchen GmbH wurde 1955 durch Hartmut Schelchen in einem Hinterhof in Berlin-Charlottenburg gegründet. Unzufrieden mit der Qualität importierter Einlegesohlen stieg er in die eigene Produktion ein.

Patentstrategie und Markenführung: VIVA® als Gattungsbegriff

Geistiges Eigentum ist ein entscheidender Hebel zum Schutz technologischer Vorsprünge. Die Schelchen GmbH hält mehrere Patente an ihren führenden Produkten. Sie wurden in enger Zusammenarbeit mit Orthopäden und medizinischen Expert:innen entwickelt und sind damit mehr als nur Produktmerkmale: Sie sind Marktbarrieren.

Das prominenteste Beispiel ist das VIVA®-Fußbett von 1993. Es wurde durch seine marktprägenden Eigenschaften zum Gattungsbegriff für seriengefertigte Fußbetten mit orthopädischen Qualitäten. Was ein Markenname wird, hat Werbewirkung weit über die eigene Produktlinie hinaus. Diese Position verteidigt die Schelchen GmbH durch konsequente Markenpflege und enge Zusammenarbeit mit dem orthopädischen Fachhandel.

Hintergrund: Medizinprodukt mit hoher Eintrittsbarriere

Die Einordnung als zertifizierte Medizinprodukte, mit DIN-EN-ISO-13485-Qualitätsmanagement, CE-Kennzeichnung und regelmäßigen Audits, ist nicht nur regulatorische Pflicht, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil. Sie schafft eine Eintrittsbarriere, die viele Anbieter aus dem Niedrigpreis-Segment nicht überwinden können. In zahlreichen Ländern fehlt die orthopädische und technische Expertise, dort gehören die in Deutschland gefertigten Sohlen zur medizinischen Grundversorgung.

Dieses Bild zeigt eine Sohle der Firma pedag der Schelchen GmbH

Digitalisierung von Produkt und Warenwirtschaft

Eine der prägendsten technologischen Entscheidungen geht auf den heutigen Geschäftsführer Tilo Bürger zurück. 2013 brachte das Unternehmen den Easy Step auf den Markt: ein 3D-Scanner für stationäre Schuh- und Sportgeschäfte, der den Fuß der Kund:innen scannt und das passende Fußbett automatisch zum Fuß- und Schuhtyp empfiehlt. 

Noch wichtiger für Orthopädische Geschäfte und die weltweiten Partner ist die tief vernetzte Warenwirtschaft der Schelchen GmbH. Sie kann sehen, wie viele Produkte ihre Handelspartner noch auf Lager haben und auf Wunsch direkt nachliefern. Damit verbinden sich Hardware-Innovation, Datenanalyse und Logistik zu einem integrierten Vertriebssystem.

Internationaler Vertrieb: Selektivität statt Plattformökonomie

Mit 65 % Exportquote ist die Schelchen GmbH ein klassischer Hidden Champion. Bemerkenswert ist die strategische Konsequenz hinter dieser Position: Statt auf B2B-Marktplätze und Plattformökonomie zu setzen, baut das Unternehmen aktiv konkurrenzfreie Vertriebspartnerschaften in jedem Markt auf.

Die Geschäftsführung lehnt den klassischen Plattformansatz ab, und das aus wirtschaftlichen Gründen: B2B-Plattformen leben primär vom Datensammeln, ihre Vertriebskanäle konkurrieren oft direkt mit den eigenen Handelspartnern. Für einen Markenhersteller wie pedag® wären die Folgen Preisdruck und Markenverwässerung. Die Alternative: ausgewählte Partner pro Land, lange Beziehungen und gezielte Investitionen in individuelle Anpassungen an den Bedarf vor Ort.

Energie und CO2: Eigenstrom, Solar und Carbon Accounting

Die Schelchen GmbH ist als produzierender Betrieb energieintensiv. Die Antwort: maximaler Eigenverbrauch und konsequente Datentransparenz.

Die Gebäude in Königs Wusterhausen sind mit Solarflächen ausgestattet. Der erzeugte Strom versorgt unter anderem die eigene kleine Flotte an E-Fahrzeugen. Dadurch werden Erzeugung, Verbrauch und Mobilität auf einem Werksgelände verzahnt. Ein Modell, das die Abhängigkeit von externen Strompreisen reduziert und parallel die CO2-Bilanz verbessert.

Beim Thema Carbon Management gehört das Unternehmen zu den Vorreitern im deutschen Mittelstand. Über das CO2-Tool des Software-Partners Plan A wird der Fußabdruck konsequent gemessen. Scope 1 und 2, also Strom, Gas, Abfälle und der Pendelverkehr der Mitarbeitenden, sind vollständig erfasst. An Scope 3, also der Lieferkette, wird gearbeitet. Eine Erkenntnis aus der Analyse: Der größere CO2-Treiber im Betrieb ist nicht der Strom, sondern die Heizung. Eine Information, die ohne systematisches Carbon Accounting verborgen geblieben wäre. Mehr dazu auch im Interview mit Christian Seiffert.

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Materialeffizienz und Kreislaufdenken

Auch in der Materialbeschaffung folgt die Schelchen GmbH einer Effizienzlogik, die zugleich ökologische Wirkung hat. Drei Bausteine prägen den Ansatz:

Die gleiche Achtsamkeit gilt für weitere Materialien wie Holz, Baumwolle und Wolle. Die Strategie zeigt: Materialeffizienz ist im modernen Mittelstand kein Add-on, sondern ein integraler Bestandteil der Produktentwicklung.

Executive Summary

Fazit: Technologieführung im Nischenmarkt

Die Schelchen GmbH zeigt, wie ein deutscher Mittelständler eine globale Technologieführerschaft aufbauen konnte. Patente, Zertifizierung als Medizinprodukt, digitale Vertriebshardware und selektive internationale Partnerschaften greifen ineinander. Das Resultat ist eine Hidden-Champion-Position, die nicht durch Größe oder Marketingbudget entsteht, sondern durch klare strategische Entscheidungen über Jahrzehnte. Durch die frühe systematische Umsetzung von Carbon Accounting und Materialeffizienz ist die Schelchen GmbH nicht nur resilienter gegen steigende Energiekosten, sie positioniert sich auch für Kund:innen und Märkte, in denen Nachhaltigkeitsnachweise zunehmend zur Voraussetzung werden.

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