Wie selbstverständlich kommen bei uns Strom und Gas aus der Wand und heizen unsere Töpfe und Pfannen. Deshalb können wir uns nur schwer vorstellen, dass diese Art zu kochen ein Luxus ist, der für große Teile der Weltbevölkerung weit außer Reichweite liegt. Für uns Grund genug, uns mit innovativen Ideen für Entwicklungsländer zu beschäftigen, die auch hierzulande das Kochen revolutionieren und jede Menge Energie sparen.

Dank einer Leserin sind wir auf den sogenannten Wonderbag aufmerksam geworden. Dieser Kochsack erfreut sich unter anderem in Südafrika immer größerer Beliebtheit, weil er sehr viel Brennstoff spart und so das Leben der Menschen bedeutend verbessert. Aber auch für europäische Köche bringt diese Methode des Kochens einige Vorzüge mit sich und ist im Prinzip auch gar nicht so neu. Was es damit auf sich hat und wie Sie Ihren eigenen Kochsack herstellen, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.

Wonderbag zum Kochen

Mit dem Wonderbag kochen

Bei dem Kochsack handelt es sich um eine tragbare Tasche aus mehrlagigem Stoff, gefüllt mit Isoliermaterial. Nachdem das Essen im Topf bis zum Siedepunkt erhitzt wurde, wird der Topf mit Deckel in die Tasche gestellt und zugedeckt. Dank ausgezeichneter Isolation bleibt die Wärme lange im Topf erhalten und lässt alle Speisen schonend und äußerst energiesparend zu Ende garen.

Bei der genauen Gardauer im Wonderbag muss anfangs ein wenig ausprobiert und getestet werden. Je nach Gericht können die Speisen nach ein bis fünf Stunden verzehrt werden. Sie können aber auch noch länger darin bleiben und warm gehalten werden.

Diese Methode birgt einige Vorteile:

  1. Beim Verwenden eines Kochsacks sparen Sie je nach Gericht 30 Prozent oder sogar noch mehr Energie.
  2. Vitamine und Aromen bleiben besser erhalten, da die Gartemperatur niedriger ist als beim traditionellen Kochen.
  3. Es verdampft nur halb so viel Wasser wie beim normalen Kochen auf dem Herd, Speisen trocknen nicht so schnell aus.
  4. Im Wonderbag kann nichts anbrennen.
  5. In den meisten Fällen spart man neben Energie auch noch Zeit. Das eigentliche Kochen geht viel schneller und im Beutel muss das Essen nicht mehr beaufsichtigt werden.
  6. Bei Festen oder großen Mahlzeiten erlaubt der Kochsack das Vorkochen und spart Platz auf dem Herd.
  7. Dank der guten Isolation eignet sich die Tasche sowohl zum Kühlen als auch Warmhalten von Speisen, egal ob daheim oder für ein Picknick in der Natur.

Ähnliche Kochmethoden

Dieses Konzept ist an sich gar nicht neu. Generationen von Müttern haben zum Beispiel Milchreis bereits früh am Morgen aufgekocht und ihn dann, in der Bettdecke eingewickelt, bis zum Mittag quellen lassen. Wenn Sie das Essen nur für daheim kochen, lässt sich eine einfache Variante der Kochtasche mit Hausmitteln herstellen. Sie legen Decken, Kissen und Tücher in einen Korb oder eine Kiste, stellen den Topf hinein und wickeln ihn dick ein. Je dicker die Isolationsschicht ist und je weniger Ritzen und Öffnungen bleiben, desto besser funktioniert Ihre selbstgemachte Kochtasche.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kochkiste in Deutschland populär. Schon damals war Brennstoffsparen ein Thema und die Arbeit berufstätiger Frauen wurde dadurch erleichtert. Sie konnten Speisen morgens kurz aufkochen und im Laufe des Vormittags garen lassen.

Wonderbag zum Kochen

Den Kochsack selber herstellen

Wenn Sie der Wonderbag begeistert, ist das Original für knapp 70 Euro erhältlich. Laut Anbieter wird bei jedem Kauf ein weiteres Exemplar in Südafrika gespendet.

Wenn Sie etwas Talent fürs Nähen haben, lässt sich ein Kochsack aber auch leicht selbst herstellen. Der Hamburger Verein ecoact e.V. hat hierfür ein Schnittmuster und eine Anleitung erstellt.

Weitere Tipps

Abschließend noch ein paar Tipps zum Kochen mit dem Wonderbag:

  • Grundsätzlich gilt, dass diese Art des Zubereitens für alle Speisen mit viel Flüssigkeit geeignet ist. Suppen, Gemüse, Kartoffeln, Reis, Hülsenfrüchte und Ähnliches lassen sich sehr bequem im Wonderbag garen.
  • Ein paar interessante Rezepte für diese Kochmethode finden Sie hier.
  • Beim Kochen, Warmhalten und Kühlen erreichen Sie die besten Ergebnisse, wenn Sie den Beutel so gut wie möglich füllen. Auch wenn ein größerer Kochsack verlockend sein mag, ein kleinerer ist für Zwei- oder Drei-Personen-Haushalte meist effizienter.

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