Was haben Brokkoli, Schokoriegel und Taschentücher gemeinsam? Sie kommen meistens in einer Plastikverpackung daher. Im täglichen Leben verwenden wir immense Mengen an Plastik und das Schlimme daran ist: Wir merken es nicht einmal. Jedes Jahr verursachen wir Menschen circa 37 Kilo Plastik pro Kopf. Grund dafür sind verpackte Erdbeeren im Dezember, der eingeschweißte Eisbergsalat und abertausende Duschgel-Flaschen, die wir benutzen. Schluss damit. Annik Walter von Mit Vergnügen macht den Selbstversuch und probiert, 4 Wochen plastikfrei zu leben.

Die Organisation 4Ocean, die sich für die Entfernung von Plastik aus dem Meer einsetzt, zeigt erschreckende Bilder, auf denen Surfer kiloweise Dreck, Schmutz und Müll aus den Wellen fischen. Sie geben mir den nötigen Anstoß: vier Wochen ohne Plastik und Einwegverpackung. Ich möchte meinen eigenen Verbrauch stärker unter die Lupe nehmen und stelle mich der Frage: Geht das überhaupt, komplett auf Plastik zu verzichten? Laut vielen Instagrammer:innen und YouTuber:innen mit den Hashtags #plasticfree und #zerowaste: Ja!

 

Nachhaltige Lebensmittel-Aufbewahrung

 

1. Woche: Einkaufen

Mit einer glutenfreien und veganen Ernährung kommt mir viel Obst und Gemüse ins Haus. Hülsenfrüchte esse ich allerdings auch reichlich, doch die kommen meist in Plastikverpackungen. Das erste Mal einkaufen: Im REWE um die Ecke komme ich schnell an meine Grenzen. Das meiste Obst und Gemüse ist in Plastik verpackt. Ein paar Tomaten, Äpfel und Bananen bekomme ich noch. Für den ganzen Rest heißt es, neue Läden finden oder auf den Wochenmarkt gehen.

Ich habe Glück: Sowohl Veganz als auch Original Unverpackt liegen auf meinem Arbeitsweg. Für Veganer ist Veganz ein Paradies. Ein ganzer Supermarkt, der nur mit veganen Produkten und sogar mit einer Füllbar ausgestattet ist. Original Unverpackt hat sich das Konzept „zero waste“ auf die Fahnen geschrieben. In diesem Laden finden Sie nichts in einer Verpackung und wenn doch, dann nur in einer recyclebaren. Läden mit Stationen zum Abfüllen von Lebensmitteln gibt es mittlerweile fast überall: Wenn Sie nach „plastikfrei einkaufen“, „füllbar“ oder „zero-waste“ in Ihrer Umgebung suchen, werden Sie schnell Läden finden. Zum Einkaufen selbst kommen bei mir jetzt noch ein paar gute Angewohnheiten hinzu: zum Beispiel immer einen Jutebeutel dabei zu haben und den Mehrwegbecher auch wirklich zu benutzen.

2. Woche: Schlechtes Gewissen beim Eis essen

Original Unverpackt in Kreuzberg ist inzwischen mein Schlaraffenland. Hier bekomme ich wirklich ALLES. Besonders toll: die Süßigkeiten. Denn Schokolade ohne Verpackung zu finden, ist ein wahrer Albtraum, wie ich nach dem ersten Heißhunger feststellen durfte. Da ich eingelegte Sachen jetzt im Glas kaufe, häuft sich meine Gläsersammlung. Die wiederum eignet sich aber auch fürs Einkaufen. Und so habe ich nach nur knapp zwei Wochen ein großes Sammelsurium an Gläsern in meiner Küche stehen. Den Dämpfer zu meinen Erfolgen der ersten Tage erhalte ich jedoch auch: Ich bin Eis essen gegangen – und habe nichts dabei. Einen Pappbecher und einen Plastiklöffel später plagt mich das schlechte Gewissen und ich weiß: Das hätte auch anders gehen können.

3. Woche: Medikamente

Mit dem Einkaufen klappt es jetzt richtig gut. Gemüse und Obst sowie Hülsenfrüchte und Reis funktionieren. Nachdem ich diese Aufgabe gelöst habe, ist jetzt die Kosmetik dran. Einfacher als gedacht – festes Shampoo, Duschbad und Zahnpasta-Tabs bekomme ich bei LUSH. Mit Kosmetik sieht es schwieriger aus. Nachdem ich lange nichts gefunden habe, entschließe ich mich, die Produkte, die ich noch zu Hause habe, aufzubrauchen und unterdessen nach neuen Alternativen zu suchen.

Aber dann kommt, was kommen musste. Eine Erkältung haut mich um. Zunächst ist mein Plan, in die Apotheke zu gehen und Medikamente zu kaufen. Aber halt: Die sind ja alle in Plastik verpackt. Vier Stunden ringe ich mit mir. Dann beschließe ich, anstelle der Apotheke den nächstgelegenen Bioladen anzusteuern, um mich dort mit Kurkuma, Ingwer und Zitrone einzudecken. So lange habe ich noch nie gebraucht, um mich von einer starken Erkältung zu kurieren. Aber ich habe sie überstanden und fühle mich danach viel besser, weil ich bewusst auf Medikamente und damit Plastik verzichtet habe.

Junge Frau mit dem Handy

4. Woche: Zero Waste wie ein Profi

Am Ende des plastikfreien Monats fühle ich mich wie ein Profi. Auch wenn ich nicht alles umsetzen konnte: Toilettenpapier, Taschentücher und Trockenshampoo sind die drei Dinge, die ich bis zum Schluss nicht umgestellt bekomme. Für Toilettenpapier habe ich, so sehr ich auch gesucht habe, keine Alternativen finden können. Wahrscheinlich hätte ich mir, wie in Asien, eine Toilette mit Wasserschlauch einbauen müssen. Vielleicht kommt das noch. Bei Taschentüchern waren Stofftaschentücher die Alternative. Aber wissen Sie, wie schwer es ist, heute noch irgendwo Stofftaschentücher zu finden? Es blieb bei den Papiertaschentüchern, denn die Not der Erkältung drängte mich zum Handeln. Trockenshampoo hingegen ist wohl die einzige Sünde, die mir geblieben ist. Nennen Sie es Faulheit, Bequemlichkeit oder Inkonsequenz: Ich liebe Trockenshampoo. Das bleibt. Für den ganzen Rest hätte und habe ich Alternativen gefunden.

Bleibe ich also strickt plastikfrei? Nein. Ich habe mir nach vier Wochen meinen Lieblingsschokoriegel gekauft und das zu Recht. Ich weiß jetzt, dass ich mehr auf meinen Plastikverbrauch achten werde, und wie ich das am besten anstelle. Bei Shampoo und Duschgel in fester Form bin ich sogar geblieben. Viele meiner Gewohnheiten habe ich beibehalten. Obst und Gemüse kaufe ich nur im allergrößten Notfall in Plastik und auch beim Rest sollen es Ausnahmesituationen bleiben.

In meinem sozialen Umfeld versuche ich, auch immer mehr Freunde bezüglich ihres Konsums und Verbrauchs zu sensibilisieren. Es hat fünf Wochen gedauert, bis ich wieder Eis essen war. Ich hatte eine Schale und einen Löffel dabei und es hat sich toll angefühlt. (Anmerkung der Redaktion: Bei Florida Eis gibt es zahlreiche Sorten im 100 Prozent kompostierbaren Bambus-Becher.) Und die nächste große Herausforderung: die Grillsaison.

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Fotos: jchizhe / Adobe Stock, Annik Walter, Hella Wittenberg