Unternehmensgeschichte
Vattenfall hat es seit seinen Anfängen in Schweden vor mehr als einem Jahrhundert sehr weit gebracht.
Die Gründung von Vattenfall geht auf den Umbau des Trollhättan-Kanals und -Wasserkraftwerks zum Swedish State Power Board zurück. Der schwedische Staat hatte die Wasserrechte in Trollhättan ein paar Jahre zuvor gekauft und übernahm anschließend eine aktive Rolle in dieser neuen Stromerzeugungstechnologie.
1909 – 1916 Die ersten großen Wasserkraftwerke (Olidan, Porjus und Älvkarleby) werden gebaut.
1951 Das Wasserkraftwerk Harsprånget, das in vielerlei Hinsicht weltweit größte, geht ans Netz. Im gleichen Jahr geht die weltweit erste 400 Kilovolt Überlandleitung in Betrieb, die sich vom Norden Norrlands bis Hallsberg in Zentralschweden erstreckt.
1952 Das gesamte schwedische Stromnetz wird zusammengeschaltet.
1954 Vattenfall nimmt die weltweit erste kommerzielle Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) zwischen dem Festland und der Insel Gotland in Betrieb.
1975 – 1976 werden die ersten beiden Nuklearkraftwerke von Vattenfall, Ringhals 1 und 2, in Betrieb genommen. Während der 1970er und 80er Jahre werden in ganz Schweden zwölf Reaktoren gebaut, von denen sieben Vattenfall gehören.
1992 Vattenfall wird von einem Staatsunternehmen in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Namen Vattenfall AB umstrukturiert. Die Verantwortung für das Überlandleitungsnetz – Schwedens Hochspannungsnetz – wird auf die neu gegründete staatliche Behörde Svenska Kraftnat übertragen.
1995 Der Aufsichtsrat von Vattenfall entwirft eine internationale Wachstumsstrategie für das Unternehmen.
1996 Der schwedische Strommarkt wird dereguliert. Der Netzwerkbetrieb wird rechtlich von der Stromerzeugung und dem Stromvertrieb getrennt.
Expansion in Europa
1996 Die internationale Expansion von Vattenfall wird in Angriff genommen. Den Startschuss hierzu liefert die Akquisition von Hameen Sahko, ein finnisches Stromvertriebsunternehmen. Eine Geschäftsvertretung in Hamburg wird eröffnet, und Vattenfall beginnt mit seiner Tätigkeit am deutschen Markt über das Jointventure-Unternehmen VASA Energy.
1998 Der deutsche Strommarkt wird im April dereguliert.
1999 Vattenfall vereinbart den Kauf von 25,1 % der Anteile an HEW der Stadt Hamburg, mit der Option für die Stadt, weitere 25,1 % an Vattenfall zu veräußern. Das Kernkraftwerk Barseback 1 wird nach einem Parlamentsbeschluss in Schweden vom Netz genommen.
2000 Im Januar erwirbt Vattenfall 55 % des Wärmekraftwerkbetreibers EW in Warschau, Polen. Im August wird eine Vereinbarung mit E.ON über den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung an dem Berliner Energieunternehmen Bewag unterzeichnet. Die Transaktion wird jedoch von dem US-Unternehmen und Anteilseigner Southern Energy (nun Mirant) blockiert.
2001 Im Februar werden 32 % der Anteile an dem polnischen Stromvertriebsunternehmen GZE erworben. Im Mai wird Vattenfall Mehrheitseigner von HEW über Anteilskäufe von E.ON und Sydkraft. Ebenfalls im Mai erwirbt HEW den Stromerzeuger VEAG, der auch Besitzer des Stromnetzes in Ostdeutschland ist, und den Braunkohleproduzenten LAUBAG.
2002 Im Januar erwirbt Vattenfall alle Mirant-Anteile an der Bewag. Die verschiedenen Akquisitionen von Vattenfall werden unter dem Firmennamen Vattenfall Europe AG gebündelt. Dieses Unternehmen geht formal im August aus der Fusion zwischen HWE und VEAG, inklusive LAUBAG, hervor. Damit wird Vattenfall zu Deutschlands drittgrößtem Stromerzeuger.
2003 Im Januar/Februar wird Bewag durch eine Fusion Bestandteil von Vattenfall Europe AG. Vattenfall stockt seine Beteiligung an den polnischen Unternehmen EW und GZE auf 70 % bzw. 54 % auf.
2005 Im April werden 35,3 % der Anteile an dem dänischen Unternehmen Elsam A/S erworben. Per 31. Mai geht das Kernkraftwerk Barseback 2 vom Netz. Im August meldet Vattenfall, dass sich das Unternehmen im Besitz von mehr als 95 % der Anteile an Vattenfall Europe AG befinde, und es wird eine Zwangsübertragung der Minderheitsanteile eingeleitet.
2006 Am 1. Januar werden die deutschen Marken HEW und Bewag und die polnischen Marken EW und GZE durch Vattenfall-Marken ersetzt. Vattenfall baut seine Beteiligung an beiden polnischen Unternehmen auf 75 % aus. Am 1. Juli wird eine Reihe von dänischen Windkraft- und Blockheizkraftanlagen von dem dänischen Unternehmen DONG gegen Beteiligungen an Elsam A/S und I/S Avedore 2 gekauft. Der Bau eines Pilotkraftwerks mit CCS-Technologie (Kohlendioxidabtrennung und ‑speicherung) in Schwarze Pumpe beginnt.
2007 Der Lillgrund-Windpark mit 48 Windturbinen wird in Betrieb genommen und beginnt ab Ende des Jahres mit Stromlieferungen.
2008 Vattenfall stellt im Herbst seine strategische Ausrichtung vor, künftig sauberen Strom zu liefern. Dieser Ansatz fasst auch die Vision von Vattenfall zum Klimawandel zusammen: Das Unternehmen hat vor, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften. Im September wird in Deutschland das weltweit erste Pilot-Kraftwerk mit CCS-Technologie unter Verwendung des Oxyfuel-Verfahrens eingeweiht. Im Herbst erwirbt Vattenfall einige Windkraftunternehmen im Vereinigten Königreich. AMEC Wind Energy Ltd, Eclipse Energy UK Plc und Thanet Offshore Wind Ltd, der größte, vor dem Bau stehende Offshore-Windpark des Vereinigten Königreichs.
2009 Am 1. Juli erwirbt Vattenfall 49 % der Anteile an dem niederländischen Energieunternehmen N.V. Nuon Energy mit rund 6.000 Mitarbeitern und übernimmt dessen operative Kontrolle. Die verbleibenden 51 % sollen von Vattenfall in drei Tranchen in den kommenden fünf Jahren übernommen werden. Vattenfall beginnt seine Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern BMW und Volvo zur Entwicklung eines elektrischen Plug-In-Hybridautos.
2010 Im Mai trennt sich Vattenfall von 50Hertz Transmission GmbH, seinem Hochspannungsnetz in Deutschland. Im September kündigt Vattenfall eine neue strategische Richtung und eine neue geschäftsorientierte Struktur des Konzerns an, mit dem die bisherige geographische Ausrichtung ersetzt werden soll. Im September weiht Vattenfall Thanet, den weltweit größten Offshore-Windpark ein.
Aufgrund der Entscheidung des Bundestags vom 30. Juni 2011, alle 17 Kernkraftwerke in Deutschland bis spätestens 2022 stillzulegen, war Vattenfall gezwungen, einen Abschreibungsverlust für den Buchwert der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel hinzunehmen. Zudem wurden die Rücklagen für den Rückbau und die Entsorgung der Brennelemente aufgestockt. Im Laufe des Jahres wurden im Rahmen der Vattenfall Strategie, den Schwerpunkt auf das Kerngeschäfte zu legen, eine Reihe Veräußerungen vorgenommen. So wurden unter anderem polnische, belgische und Teile der finnischen Geschäftsbereiche abgestoßen.
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